«Wir sind eine laute Kirche»

Beim Hochschulzentrum Von Roll wird es mit dem Einzug der Freikirche ICF Gottesdienste mit Rockbands geben. In der räumlichen Nähe von Unibetrieb und Freikirche sehen die Hochschulverantwortlichen kein Problem.

Im gleichen Gebäude wie dereinst ICF ist heute bereits das Christliche Zentrum Forsthaus untergebracht. (Adrian Moser)

Im gleichen Gebäude wie dereinst ICF ist heute bereits das Christliche Zentrum Forsthaus untergebracht. (Adrian Moser)

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Nein, die Freikirche ICF habe die Nähe zum künftigen Hochschulzentrum der Universität Bern nicht gesucht, sagt Tom Gerber, Pressesprecher von ICF Bern. «Aber der Standort kommt uns natürlich entgegen.» Die 3000 Studierenden des Hochschulzentrums werden ab 2013 am ICF-Gebäude vorbeigehen müssen, um zu ihren Hörräumen zu gelangen. Obwohl Studierende in der Regel kritische Geister seien, werde es wohl Berührungspunkte zwischen den Nachbarn geben, sagt Gerber. Die Freikirche ICF feiert ihre Gottesdienste zurzeit im Saal des Hotels National. Laut Gerber entspricht dieser aber nicht mehr den Bedürfnissen. «Wir sind gewachsen und haben mehr Familien mit Kindern.» An der Fabrikstrasse könnten nebst dem 500-plätzigen Saal auch Nebenräume genutzt werden. Gemäss einer Mitteilung von ICF beträgt der Kaufpreis für die zwei oberen Stockwerke der Liegenschaft 4 Millionen Franken. Für den Umbau des Saals in eine «Celebration Hall» müsse mit zusätzlichen Kosten von 500'000 bis 800'000 Franken gerechnet werden. Die Eröffnung des Lokals ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen.

In der «Celebration Hall» wird gemäss Mitteilung eine «Schallschutzwand aus Glas» eingebaut. Diese soll «zum Schutz des benachbarten Wohnquartiers» beitragen. «Wir sind eine laute Kirche», sagt Gerber. Anstelle von Orgelmusik würden die Gottesdienste mit den Rhythmen von Rockbands untermalt. Der Einbau der Lärmschutzfenster sei eine Folge der Lärmmessungen, welche ICF durch eine externe Firma vornehmen liess. «In Sachen Lärm bleiben wir im gesetzlichen Rahmen», sagt Gerber. Zurzeit sei geplant, lediglich am Wochenende zwei bis drei Gottesdienste durchzuführen. Unter der Woche soll der Saal, der bis anhin als «Kulturraum 12» betrieben wurde, für kulturelle Anlässe, Seminare sowie Firmenevents vermietet werden. Die Räume im unteren der beiden Stockwerke wiederum würden unter der Woche an den Unisport vermietet. Samstags und sonntags sollen dort «Kinder- und Teenager-Angebote» von ICF stattfinden. Laut Gerber ist ICF bestrebt, zwischen Unisport und Freikirchenbetrieb zu trennen. «Unter der Woche werden wir diese Räume nicht benutzen.»

Lenkerhof-Besitzer als Förderer

Laut Gerber hielt ICF seit einiger Zeit Ausschau nach einem passenden Kirchenraum. Die Suche nach einem Gebäude, in dem bis zu 500 Leute ihren Gottesdienst feiern können, sei in der Region Bern jedoch schwierig.

Gemäss Communiqué setzt sich der Kaufpreis von 4 Millionen Franken aus einem Bankdarlehen in der Höhe von 2,5 Millionen Franken und einem «zinsgünstigen Privatdarlehen von 1,5 Millionen Franken» zusammen. Welche Person hinter dem grosszügigen Privatdarlehen steckt, möchte Gerber nicht sagen. «Das Gebäude gehörte bis anhin einer Stiftung, die uns nahesteht.» Die Stiftung habe den Gebäudeteil an ICF verkauft und das Privatdarlehen gegeben, sagt Gerber. Nach Angaben des Grundbuchamtes gehören die beiden oberen Stockwerke der Fabrikstrasse 12 der Titus Immobilien AG mit Sitz in Bern. Deren Präsident ist der Unternehmer Jürg Opprecht, einstiger Sanierer und Eigentümer des 5-Stern-Hotels Lenkerhof. Opprecht ist auch Präsident der Stiftung Titus, welche «die Förderung der Verkündung und Bewahrung des christlichen Glaubens» bezweckt. Opprecht war gestern ferienhalber abwesend und für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Über eine weitere Stiftung hatte er über Jahre hinweg angehende Unternehmer in Zentralasien und Afrika mit rückzahlbaren Krediten unterstützt und so zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Gemäss einem Zeitungsbericht besuchen die vier Kinder von Opprecht die Freikirche ICF.

Uni: «Keine Werbetätigkeiten»

Das dem ICF-Lokal benachbarte Hochschulzentrum Von Roll wird ab 2013 von Studierenden sowohl der Pädagogischen Hochschule Bern (PH) als auch der Universität genutzt. Bei beiden Institutionen sieht man in der räumlichen Nähe von Unibetrieb und Freikirche kein Problem. PH-Sprecherin Barbara Glättli weist darauf hin, dass es keine zeitlichen Überschneidungen zwischen den Gottesdiensten von ICF und den Lehrveranstaltungen der PH geben werde. Die Kommunikationsstelle der Uni sieht keine Probleme, «solange der Betrieb der Universität nicht beeinträchtigt» werde. Das Mietverhältnis der Uni im ICF-Gebäude stehe unter der Bedingung, «dass die Räume klar abgetrennt sind und dass gemäss Hausordnung keine Werbetätigkeiten vorgenommen werden», hält die Uni-Kommunikationsstelle fest. (Der Bund)

Erstellt: 17.06.2011, 07:09 Uhr

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