Demo: «Wir haben genug von den Boni-Rittern»
Von Simon Widmer. Aktualisiert am 21.09.2009
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Bereits kurz nach Mittag füllt sich die Bahnhofhalle Bern mit Demonstranten, die mit Sonderzügen aus der ganzen Schweiz anreisen. Eine der ersten Demonstrantinnen ist die Gewerkschafterin Anette Hug aus Zürich. Sie stört sich vor allem daran, dass die Politiker nichts gegen die steigende Jugendarbeitslosigkeit unternehmen würden: «Die Arbeitslosigkeit steigt, die Beiträge werden gestrichen, das ist beängstigend und eine Ohrfeige für alle diejenigen, die sich für eine soziale Schweiz einsetzen», sagt sie.
Michael Gütermann aus Neuenburg regt sich vor allem über die Ausgabenpolitik des Bundes auf: «Eine Milliarde für die IV findet man nicht im Bundeskässeli, aber um die Glücksspiele der UBS zu finanzieren, sind die Milliarden wie von Zauberhand an einem Wochenende da», enerviert er sich.
Gegen ein Uhr Nachmittag versammeln sich die Demonstranten am Bärengraben, an der Laupenstrasse und in der Schützenmatte. Während die Gruppen am Bärengraben und an der Laupenstrasse bald Richtung Bundeshaus laufen, demonstriert das Personal des öffentlichen Verkehrs in der Schützenmatte «gegen den Pensionskassenbschiss». Der Protest der laut den Organisatoren über 7000 Teilnehmer richtet sich gegen Bund und Kantone wegen der fehlenden Ausfinanzierung der Pensionskassen von SBB und des öffentlichen Verkehrs, Ascoop.
Wo ist die unsichtbare Hand?
Gegen zwei Uhr Nachmittag finden sich gemäss der Kantonspolizei Bern 30000 Personen auf dem überfüllten Bundesplatz ein – rund 10000 mehr als von den Organisatoren erwartet. Empfangen werden sie zunächst vom Berner Rapper Greis, der die Pausen zwischen seinen Songs für politische Statements nutzt: «Die Neoliberalen haben uns 40 Jahre lang erzählt, dass die unsichtbare Hand des Marktes die Wirtschaft reguliert, aber schlussendlich musste die sehr sichtbare Hand der Steuerzahler für den Schaden aufkommen, den die Neoliberalen angerichtet haben», sagt er etwa unter tosendem Applaus. «Diese Demo ist dringend nötig, die Arbeiter müssen zeigen, dass sie sich für ihre Rechte einsetzen», sagt er nach seinem Auftritt.
Provokation aus dem Bundeshaus
In der Folge wechselt sich der Rapper mit politischen Rednern ab, von denen vor allem SGB-Präsident Paul Rechsteiner und Christine Goll, Präsidentin des Personals Öffentlicher Dienste (VPOD), durch eine aggressive Sprache und weitgehende politische Forderungen auffallen. «Die Politik aus dem Bundeshaus ist eine Provokation, wir haben genug von den Boni-Rittern und von den Managern mit ihren Lohnexzessen», sagt Rechsteiner. Er kritisierte insbesondere, dass die Topmanager tiefere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen aktiv fördern, sich selber aber die Taschen füllten. Der SGB-Präsident kritisiert auch, dass der Nationalrat vergangene Woche das dritte Konjunkturpaket erheblich gestutzt habe, für die UBS aber Geld in Milliardenhöhe vorhanden war.
Christine Goll wiederum fordert, dass die Anzahl Taggelder für Erwerbslose von 400 auf 520 erhöht werden soll. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Stellenlose noch schneller ausgesteuert werden», sagt sie. Für die familienergänzende Kinderbetreuung soll überdies neu 1 Prozent des Bruttoinlandproduktes (also rund 5 Milliarden Franken) eingesetzt werden. «Steuergelder für marode Banken sind kein Programm gegen die Krise. Wir fordern mehr Investitionen ins Soziale», sagt Goll zum Abschluss.
Die Schwachen leiden am meisten
Auch die Demonstranten auf dem Bundesplatz verschaffen ihrem Unmut Luft: «Es regt mich auf, dass die Politiker viel zu wenig gegen die Jugendarbeitslosigkeit, die im nächsten Jahr massiv zunehmen wird, machen», sagt etwa Janice Bähler von der Unia. Markus Flück, Student aus dem Liebefeld, stört sich vor allem daran, dass die Wirtschaftskrise die Falschen trifft: «Die Arbeiter, die an der Krise nicht die geringste Schuld tragen, leiden am meisten.»
Gemäss der Kantonspolizei Bern verlief die Demo ruhig, und es kam lediglich zu kleinen Verkehrsbehinderungen. (Der Bund)
Erstellt: 21.09.2009, 12:53 Uhr
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