Bern

Wie sicher sind Berns Strassen?

Der Verein Pro Velo ruft Verkehrsteilnehmer dazu auf, die Sicherheit auf Schweizer Strassen zu bewerten. Bei einer ersten Umfrage aus dem Jahr 2006 erhielt die Stadt Bern ungenügende Noten.

Sicherer dank Signalisation: Kreuzung beim Henkerbrünnli. (Valérie Chételat)

Sicherer dank Signalisation: Kreuzung beim Henkerbrünnli. (Valérie Chételat)

Fragebogen

Der Fragebogen von Pro Velo kann bis am 15. Februar 2010 auf www.velostaedte.ch ausgefüllt werden. Neben Fragen der Sicherheit können auch Komfort, Wegnetz und Abstellanlagen bewertet werden.

Auch bei widrigsten Wetterbedingungen herrscht Hochbetrieb in der Hauptzentrale der Velokuriere im Berner Lorrainequartier. Sie gehören zu den sogenannt schwachen Verkehrsteilnehmern – auch wenn sie im Strassenverkehr nicht immer diesen Eindruck hinterlassen. Bei Kollisionen sind Velofahrer, wie auch Fussgänger, an Leib und Leben gefährdet, während Autofahrer in der Regel mit Lack- oder Blechschäden am Fahrzeug glimpflich davonkommen.

«Ich habe trotzdem nicht das Gefühl, einen besonders gefährlichen Job auszuüben», sagt Andy Kunz, einer der Kuriere. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren habe sich einiges in Sachen Verkehrssicherheit getan. Dennoch ist seine Liste mit gefährlichen Stellen und Passagen im Berner Verkehrsnetz lang. Die Beispiele reichen von Bordsteinen und Tramgleisen über mehrspurige Abzweigungen bis hin zu schlecht geplanten Baustellen und Busstationen. Notorische Problemstellen seien auch Knotenpunkte im Verkehrsnetz, bei denen sich Autos, öffentliche Verkehrsmittel, Fussgänger und Velos aus allen Himmelsrichtungen kreuzen. Die Verkehrsführung sei dort oft unübersichtlich, und man fühle sich als Velofahrer «an den Rand gedrängt», sagt Kunz.

Dauerbrenner Henkerbrünnli

Der Helvetiaplatz und das Henkerbrünnli seien solche kritischen Knotenpunkte. Am Helvetiaplatz sei die Lage insbesondere kritisch, wenn am Mittag die Schüler aus dem Kirchenfeld-Gymnasium mit den Velofahrern das Trottoir teilen müssten, sagt Kunz. Den Fussgängern sei oft nicht bewusst, dass es den Velofahrern erlaubt ist, die Tramstation über das Trottoir zu umfahren. Das könne zu brenzligen Situationen führen.

Beim Henkerbrünnli wurde der Veloverkehr im vergangenen Sommer neu konzipiert, was laut Kunz die Anfahrt vom Bollwerk etwas erleichtert habe. Trotzdem bleibe die Verkehrsführung vor allem für Velofahrer unübersichtlich, welche die Strecke zum ersten Mal befahren.

Pro Velo redet bei Planung mit

Auch Anita Wenger, Geschäftsführerin des Vereins Pro Velo, sind diese Problemstellen bekannt. Die gegenwärtigen Lösungen seien zwar nicht perfekt, akuten Handlungsbedarf sieht sie aber weder beim Henkerbrünnli noch am Helvetiaplatz. Pro Velo sei in die Planung der Kreuzungen frühzeitig mit einbezogen worden, das Resultat entspreche weitgehend dem Optimum. Allgemein beurteilt sie die Zusammenarbeit mit den Behörden als befriedigend. «Die Velofahrer werden bei der Verkehrsplanung ernst genommen», stellt Wenger fest. Dies war nicht immer so. Bei einer Internet-Umfrage, die Pro Velo im Jahr 2006 durchführte, landete die Stadt Bern zwar direkt hinter Basel auf dem zweiten Rang. Doch beurteilten die befragten Velofahrer das Verkehrsklima in Bern allgemein als ungenügend. Jetzt will Pro Velo den Velofahrern erneut den Puls fühlen. Seit einigen Wochen ruft der Verein die Velofahrer schweizweit dazu auf, die Situation in ihren Städten und Gemeinden zu bewerten.

Behörden sind zufrieden

Vonseiten der Stadtberner Behörden sieht man der Umfrage gelassen entgegen. «Handlungsbedarf gibt es immer. Grundsätzlich ist das Velofahren auf Berns Strassen aber sicher», versichert Roland Pfeiffer, Leiter der städtischen Fachstelle für Fuss- und Veloverkehr. Mit separaten Ampeln, rutschfesten Velostreifen, rund 50 Begegnungszonen und einer ganzen Reihe anderer Massnahmen habe man die Sicherheitslage in den vergangenen vier Jahren bedeutend verbessern können. Pfeiffer warnt aber davor, Sicherheitsbedenken grundsätzlich in die Forderung nach infrastrukturellen Massnahmen umzumünzen. Eine Kernaufgabe der Fachstelle liege in der Bewusstseinsbildung bei allen Verkehrsteilnehmern. So müssten etwa die Velofahrer beim Helvetiaplatz anerkennen, dass trotz der Möglichkeit, auf das Trottoir auszuweichen, die Fussgänger den Vortritt behielten. Die Signalisation in diesem Bereich auszubauen, um die Fussgänger vor den Velofahrern zu warnen, sei insofern nicht zielführend, als daraus ein «Aufteilungskampf» zwischen Fussgängern und Velofahrern entstehen könne.

Auch die Situation am Henkerbrünnli sei durch bauliche Massnahmen nicht weiter zu entschärfen. Die Kreuzung sei in ihrer Art typisch, da sie zwar den Komfortansprüchen der Velofahrer nicht genüge, sicherheitstechnisch aber die bestmögliche Lösung darstelle. Anzustreben sei ein Klima des gegenseitigen Respekts zwischen allen Verkehrsteilnehmern. Auch eine strikte Trennung von Fuss-, Velo- und Autoverkehr sei nicht vorbehaltlos anzustreben. Ein zu grosses Sicherheitsgefühl könne die Verkehrsteilnehmer unter Umständen auch zu einem aggressiveren Fahrstil verleiten.

Basel ausser Reichweite

Auf eine Prognose über den Ausgang des zweiten Städte-Ratings will sich Anita Wenger von Pro Velo nicht einlassen. Sie rechne aber damit, dass die Berner Velofahrer die erzielten Fortschritte zur Kenntnis genommen haben. «Dass wir Basel überholen, ist aber unwahrscheinlich», sagt sie. Es gibt also immer noch Luft nach oben. (Der Bund)

Erstellt: 18.01.2010, 07:32 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

4 Kommentare

Paul Rohner

18.01.2010, 21:01 Uhr
Melden

@Regula Bühlmann, leider gibt es auch bei den Autofahrern verkehrswidriges Verhalten. Das streite ich als Fussgänger nicht ab. Doch selten werde ich auf dem Gehsteig von Autofahrern bedrängt oder gefährdet. Leider werden viele Todesfälle von Velofahrern und Fussgängern, die sich durch unbedachtes Tun falsch verhalten ausgelöst.. Wenn sich alle bemühen, sich richtig zu verhalten, gelingt es sicher Antworten


Regula Bühlmann

18.01.2010, 15:16 Uhr
Melden

Tja, und die Autofahrenden sind natürlich alles Engelchen!!! Ich werde fast täglich von Autos abgedrängt oder es wird mir der Vortritt genommen. Und im Gegensatz zu Velos sind Autos, welche sich regelwidrig verhalten, wesentlich gefährlicher: Von wie viel durch Velos umgebrachte Verkehrstote kennen Sie? Antworten


Paul Rohner

18.01.2010, 14:32 Uhr
Melden

Ausgerechnet, Velokuriere kennen keine Verkehrsgestze. Die fahren über Gehsteige, Rotlichter gibt es für sie nicht, fahren Kreuz und Quer auf den Srassen herum, und telefonieren, als gäbe es keine Gesetze. Viele Velofahrer tun es diesen Rücksichtslosen gleich. Richtig, Velofahrer werden von Planern ernst genommen. Die Schwächsten, die Fussgänger stehen an Ampeln und drücken umsonst auf die Knöpfe. Antworten


Jean Gerber

18.01.2010, 10:42 Uhr
Melden

Haben Sie schon mal einen Velofahrer gesehen, der sich an Verkehrsregeln hält? Wohl kaum. Hier bestünde wohl am ehesten Handlungsbedarf. Antworten



Bern

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Remund – für Ihr Fahrzeugdesign

Hier erhält jedes Fahrzeug eine individuelle Note. Car-Wrapping in Vollendung vom Spezialisten in der Nähe.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!