Wie die FDP unter die Räder kam

Von . Aktualisiert am 24.11.2009

Der freisinnige Vorschlag, die Mindestklassengrösse zu erhöhen, ist gestern im Grossen Rat ganz schlecht angekommen.

Da hat sich die FDP «ein heisses Eisen angelacht», kommentierte FDP-Sprecherin Susanne Bommeli noch halbwegs ironisch, als sie ihren Vorschlag präsentierte. Sie finde es «schade, dass man so zusammengestaucht wird, wenn man eine Idee bringt», sagte sie etwas leidend, als sie später noch einmal ans Rednerpult trat, nachdem die ganze Welle der Ablehnung über ihr niedergegangen war.

Als eine von mehreren Ideen zur Finanzierung einer kleinen Steuersenkung hatte die FDP letzte Woche vorgeschlagen, die vorgeschriebene minimale Klassengrösse in allen kantonalen Schulen um zwei Schüler zu erhöhen. Berns Bildungssystem nun kennt keine eigentliche Mindestklassengrösse: Es gibt aber einen «unteren Überprüfungsbereich», und die Grenze dazu beträgt je nach Klassentyp 11 bis 16 Schüler. Heute liegen in der Volksschule gut 700 Klassen in diesem Bereich, mit dem FDP-Vorschlag wären es rund 1500. Betroffen wären vor allem Klassen in ländlichen Regionen (vgl. «Bund» von gestern).

FDP-Sprecherin Bommeli betonte nun, es gehe nur um die Überprüfung kleiner Klassen, nicht schon um Klassenschliessungen, und sie verband den Vorschlag – wohl das aufziehende Gewitter ahnend – nicht mehr explizit mit Steuersenkungen, sondern erklärte, mit dem eingesparten Geld könnten andere wichtige Vorhaben im Bildungsbereich finanziert werden, etwa Tagesschulen oder Projekte der Bildungsstrategie.

Ausser den Freisinnigen aber wollte gestern niemand die FDP-Idee goutieren. Der Präsident der Grünen, Blaise Kropf, sprach von einem «hemdsärmeligen, undifferenzierten Vorschlag», einem «Schnellschuss». Bisher sei er davon ausgegangen, der FDP als Wirtschaftspartei liege viel an guter Bildung.

Eine solche Massnahme sollte der Grosse Rat «nicht husch, husch in einer Budgetdebatte beschliessen», erklärte Therese Bernhard (bdp). Das Ganze sollte differenziert angeschaut werden, fand Jürg Iseli (svp): In Landregionen seien die Vergrösserung von Klassen und Klassenschliessungen weniger angezeigt, in den Agglomerationen seien sie eher möglich. Gewisse Berufsausbildungen könnte der Kanton bei Annahme des Vorschlags gar nicht mehr anbieten, warnte Finanzdirektor Urs Gasche. Und SP-Vizepräsident Roland Näf schimpfte, der FDP-Antrag sei «unüberlegt und arrogant gegenüber den Lehrpersonen». (sw) (Der Bund)

Erstellt: 24.11.2009, 11:03 Uhr

Bern

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