Feiertagswünsche

Weihnachtspost aus Bethlehem

Seit mehr als 50 Jahren werden in der Berner Sonderpoststelle Bethlehem jährlich Tausende Weihnachtskarten gestempelt. Des Namens wegen.

Alle Jahre wieder erfreut sich der Sonderstempel Bethlehem grosser Beliebtheit. (Adrian Moser)

Alle Jahre wieder erfreut sich der Sonderstempel Bethlehem grosser Beliebtheit. (Adrian Moser)

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Bern-Bethlehem wurde schon mancher Stempel aufgedrückt. Ungefragt und unfreiwillig. Zur Vorweihnachtszeit aber pflegt sich das Blatt für das Quartier im Westen Berns zu wenden. Bethlehem wird zur beliebten Herkunftsbezeichnung – der Namensvetternschaft mit dem Geburtsort Jesu wegen. Der Ortsname tönt nicht nur gleich wie das hebräische «Brothausen» in Israel, sondern nimmt auch tatsächlich auf jene Stadt Bezug. Von nah und fern erreichen dieser Tage Tausende von Briefsendungen und Postkarten die temporäre Sonderpoststelle Bethlehem an der Waldmannstrasse: Der Sonderdatumsstempel soll die Feiertagswünsche zieren. Wer meint, es handle sich hierbei um die jüngste Marketingidee der Post, der täuscht sich. Der Bethlehem-Stempel geht auf das Jahr 1956 zurück und wurde erstmals in der temporären Poststelle im Keller des Schulhauses Bethlehemacker ausgegeben. Nach einem längeren Unterbruch nahm die damalige PTT die Sonderdatumsstempel-Idee 1978 wieder auf.

Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass sich der Bethlehem-Stempel auch im 54. Jahr nach seiner Einführung ungebrochener Beliebtheit erfreut. Die Kunden stehen Schlange, um ihre Umschläge mit dem Sonderdatumsstempel versehen zu lassen. Eine Postangestellte ist von 9 Uhr morgens bis 17 Uhr abends einzig damit beschäftigt, das Engelssujet auf die Couverts zu drucken. Maschinell, versteht sich. Zu gross ist die Flut von Briefumschlägen. 2008 wurden vor Ort binnen vier Tagen über 7000 Umschläge gestempelt. Zusätzlich gingen bei der Philateliestelle in Bern über 14 000 Stempelwünsche ein. Nicht nur Menschen aus der Umgebung von Bern nehmen den Weg ins Tscharnergut auf sich, auch Kunden aus der Ostschweiz, dem Welschland und dem nahen Ausland pilgern persönlich ins Quartierzentrum, um ihre Sendungen im improvisierten Postlokal abzugeben. Allein des Weihnachtszaubers wegen.

«Eh, grüessech Frou Mässerli – alle Jahre wieder», begrüsst die Postangestellte eine rüstige Rentnerin. Obwohl in der Poststelle reger Betrieb herrscht, nimmt man sich hier gerne Zeit für ein paar Worte. Schliesslich kennen sich die beiden Damen vor und hinter der Verkaufstheke bereits aus vorangehenden «Sondereinsätzen». «Ich bin hier fast ein bisschen daheim», sagt Jolanda Messerli. Kein Wunder: Die 66-Jährige wohnt seit 42 Jahren in Bethlehem. Jahr für Jahr suche sie die Poststelle auf – eine lieb gewonnene Tradition. Früher habe sie zusätzlich für Arbeitskollegen Sonderumschläge und Weihnachtsmarken eingekauft. Heute kauft sie Couverts und Marken ausschliesslich für den Eigengebrauch. Und zum Verschenken. Ihr Schwiegersohn sei ein begeisterter Philatelist, der sich immer besonders auf die weihnächtlichen Sondermarken freue.

Wie in den beiden Jahren zuvor funkelt heuer ein silberner Weihnachtsstern auf allen drei Sondermarken und lässt die Wertzeichen in speziellem Glanz erstrahlen. Zu etwas wirklich Besonderem macht sie aber erst der Stempel, der ihnen – gewollt und freiwillig – in Bern-Bethlehem aufgedrückt wird.

Die Sonderpoststelle Bethlehem im Café und Quartierzentrum Tscharni an der Waldmannstrasse ist noch bis Freitag 12 Uhr geöffnet. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag: 9–12 und 13–17 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 15.12.2010, 07:15 Uhr

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