Wältis Welt: Ist die Latte das Problem?

Der Verein für und wider das Für und Wider des Videobeweises im Fussball (VFWFWVBF) hat eine Podiumsdiskussion veranstaltet, die leider kaum Beachtung gefunden hat, weil sie nur im Verbandsorgan «Lattenknaller» angekündigt war, das erst Mitte August erscheinen wird.

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Kleinere Postillen mit quartalsweiser Erscheinungsweise stellen an die Planung generell hohe Anforderungen. Besagter Verein hatte also im Montevideo-Club zur Diskussion geladen. Uns liegt ein Videoband vor.

«Seit der Ball rollen kann, gab es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Seit die Bilder laufen lernten, ziehen die Diskussionen immer weitere Kreise. Die WM in Südafrika führt es uns vor Augen. Brauchen wir den Videobeweis? Was meinen Sie? Vielleicht Sie zuerst Herr Knuppen-Sager.»

«Wir müssen uns vor Augen halten, dass es nicht in erster Linie ein Schiedsrichterproblem ist.»

«Ach was, so, wie es Problembären und Problemkrähen gibt, gibt es eben auch Problemschiedsrichter!»

«Bitte lassen Sie mich ausreden, Frau Hagenbruch. Es ist kein Schiedsrichterproblem. Es ist ein Lattenproblem. Ich habe Ihnen Bilder aus meiner Sägerei mitgebracht. Sehen Sie: Wenn wir die Latte entzwei- oder besser entdreisägen und daraus zwei Mittelpfosten sowie einen Ersatzpfosten fertigen, ist das Problem gelöst. Gab es denn schon je einmal Probleme mit den Pfosten?»

«Die Spieler könnten sich den Kopf anstossen.»

«Ich bitte Sie, Herr Quer-Stange. Es geht hier um den Ball, nicht um die Köpfe, der Ball springt vom Pfosten immer eindeutig zurück ins Feld oder ins Netz. Jeder halbwegs intelligente Achtklässler kann Ihnen das mit seinem Geodreieck beweisen. Darum müssen wir auf die Latten verzichten.»

«Blödsinn. Und woran befestigen wir das Netz, hängt es einfach in der Luft?»

«Man muss es nur straff genug spannen, damit es nicht durchhängt. Das ist das kleinste Problem.»

«Die Problemschiedsrichter müssen an die Leine genommen werden.»

Nun ergriff wiederum die Diskussionsleiterin das Wort. «Traditionalisten sagen, durch den Videobeweis gehe das Spiel kaputt. Bei uns ist Herr Sir Moresby-Pitch, ein Fussballfunktionär der ersten Stunde. Was meinen Sie?» «Der Herr Sir ist eingeschlafen.»

«Könnten Sie seine Hand sanft schütteln, Herr Quer-Stange?»

«Hoppla, jetzt ist ihm die Hand abgefallen. Aber wenigstens ist er jetzt wach.»

«Oh, no problem. It’s nur eine Attrappe. Eine alte Kriegsverletzung. Bloody huns. Was war die question?»

«Macht der Videobeweis das Spiel kaputt?»

«Wir wollen back to the roots. Uhren sind überflüssig. Ein guter Referee spürt, wenn es time ist, abzupfeifen. Als wir im 1. Weltkrieg im No Man’s Land an Christmas gegen die Germans spielten, hatten wir keine Referees.»

«Aber Herr Sir. Wir sprechen hier von Video, nicht von Uhren.»

«Sie meinen, wie es 1930 in Montevideo war? Die WM hätte bei uns in London stattfinden müssen und nicht in Uruguay.»

«Es kommt noch so weit, dass der Platzwart den Rasen wieder von Hand mähen muss.»

«Ein bisschen Respekt, Frau Hagenbruch. Sir Moresby-Pitch hat sich um den Fussball sehr verdient gemacht. Auf seine Initiative geht der Doppelknoten bei der Netzknüpfung zurück.»

«Mit den zusätzlichen Pfosten kann man auch zwei gleichschenklige und kongruente Dreiecke bilden. Dies ergibt ein grosses M. Wenn Sie vier Streichhölzer zur Hand nehmen . . .»

«Ein schwerer Denkfehler, Herr Knuppen-Sager. Das Tor wäre dann nicht mehr 2,44 Meter hoch und 7,32 breit.»

«Die Mittelpfosten müssen sich an ihrer Basis nicht unbedingt berühren, Herr Quer-Stange. Das Zeitalter der Latten ist endgültig vorbei.»

«Bei einer Neigung von 45 Grad müsste der Pfosten etwa 3,45 Meter lang sein, um die nötige Höhe zu erreichen.»

«Kleinigkeiten. In unserer Sägerei, einem Familienbetrieb in vierter Generation, lösen wir jedes Problem.» (Der Bund)

Erstellt: 30.06.2010, 09:29 Uhr

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