Bern

Urbaner Handschlag mit den Bauern

Von Marc Lettau. Aktualisiert am 03.03.2010 3 Kommentare

Wenn Bernerinnen und Berner einigen Biobauern zusichern, ab jetzt jede Woche einen Korb mit saisongerechter Ware abzunehmen, dann geht es um mehr als um eine neue Shoppingvariante.

Keine Berührungsängste vor gehörnten Mitarbeiterinnen und städtischen Konsumenten: Kurt und Annette Zaugg auf ihrem Iffwiler Bauernhof. (Adrian Moser)

Keine Berührungsängste vor gehörnten Mitarbeiterinnen und städtischen Konsumenten: Kurt und Annette Zaugg auf ihrem Iffwiler Bauernhof. (Adrian Moser)

Die Vertragslandwirtschaft. Alle verstehen das Wort. Aber die wenigsten wissen, was es wirklich meint. Vertragslandwirtschaft ist eben gerade kein Begriff aus der abgehobenen Agrarpolitik, sondern umschreibt die vielleicht konsequenteste Art der Direktvermarktung, wie sie jetzt – ziemlich gemächlich – auch das Bernbiet erreicht: Bauern schliessen direkt mit Konsumentinnen und Konsumenten Jahresverträge ab. Der Bauer verpflichtet sich, ein Jahr lang jede Woche einen Warenkorb mit saisongerechten Produkten zu liefern. Und die Empfängerinnen und Empfänger sichern vertraglich zu, den Korb Woche für Woche anzunehmen. Die übergeordnete Idee: Vertragslandwirtschaft will Stadt und Land wieder stärker vereinen und die Anonymität zwischen Konsument und Produzent zum Verschwinden bringen.

Zudem ist «Sicherheitsgewinn» für beide Seiten ein Ziel. Die Bauern erhalten mehr Sicherheit, weil der Absatz ihrer Ernte planbarer wird und der Erlös ohne den Umweg über den Zwischenhandel höher ausfällt. Und die Konsumentinnen und Konsumenten erhalten die appetitanregende Sicherheit, zu wissen, wo und unter welchen Bedingungen angebaut und geerntet wird, was auf ihrem Teller landet.

Die ersten Körbe treffen ein

In Bern wird der urbane Handschlag mit Bauern aus der Region heute Mittwoch definitiv besiegelt: Sechs bernische Biobauern liefern erstmals ihre Warenkörbe an Verteilpunkte im Breitenrain, der Sulgenau und in Bümpliz. Dort werden sie von den Vertragspartnerinnen und -partnern abgeholt. Die kleine Landwirtschaftsrevolution, die der Verein Soliterre für die Bundeshauptstadt und die Region Bern in die Wege geleitet hat, folgt auch einem politischen Credo: Angesichts der Landwirtschaftspolitik, in der Liberalisierungstrends immer mehr Raum einnähmen, bestehe «mehr und mehr ein gegenseitiges Interesse von Stadt und Land, zusammenzuarbeiten und so den Druck von aussen etwas abzufedern», sagt Marina Bolzli, die Konsumentinnenvertreterin im Vorstand von Soliterre.

Kann Vertragslandwirtschaft aber jemals mehr füllen als eine bescheidene Nische im schmalen Segment der Direktvermarktung? «Wenn wir nicht daran glauben würden, hätten wir uns nicht für Soliterre eingesetzt», sagt Bolzli und verweist auf die Erfolge in der Westschweiz.

Für eine überschaubare Nähe

Dort existiert die Vertragslandwirtschaft bereits seit gut 20 Jahren. Innerhalb der Fédération romande de l’agriculture contractuelle de proximité fliessen inzwischen – ganz grob geschätzt – weit über fünf Millionen Franken ohne Umweg über den Zwischenhandel aus der Geldbörse von 5000 Konsumenten direkt in die Betriebskassen von rund 80 Bauernbetrieben.

Das Westschweizer Exempel zeigt auch, dass die Vertragslandwirtschaft stetig wächst – aber nicht dank grösseren Strukturen, sondern dank immer neuen Vertragsbündnissen zwischen weiteren Landwirten und neu überzeugten Konsumentinnen und Konsumenten. Anders ginge die persönliche Nähe, die hierzulande die Vertragslandwirtschaft prägt, rasch verloren, argumentieren die Westschweizer Bauern. Auch Soliterre setzt aufs Überschaubare und will zunächst mit maximal 200 Konsumentinnen und Konsumenten Erfahrungen sammeln. Wachstum heisse wohl auch in Bern, dass neben Soliterre weitere Vertragslandwirtschaftsprojekte entstünden, sagt Bolzli: «Wir würden solche Anstrengungen sicher unterstützen.» (Der Bund)

Erstellt: 03.03.2010, 07:33 Uhr

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3 Kommentare

Bruno Vanoni

03.03.2010, 09:34 Uhr
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Vom „urbanen Handschlag mit den Bauern“, wie ihn Kurt und Annette Zaugg mit Konsumierenden praktizieren, können beide Seiten nur profitieren. Neben solch konkretem Handeln braucht es weiter politische Taten. Nicht von ungefähr kandidiert Annette Zaugg auf der Liste 9, Grüne Mittelland-Nord, für den Grossen Rat - wie andere Biobäuerinnen wie Kathy Hänni und Lilian Fankhauser! 2 x auf ihre Liste! Antworten


Nicole Meier

03.03.2010, 18:39 Uhr
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Es wäre besser wenn die Bauern gelich an die Hasutüre liefern würden und auch gleich abkassieren. Wie das Eeiermandli. Die Idee finde ich aber super. Antworten



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