Bern

Unternehmer setzen ganz auf Sonnenenergie

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 06.01.2011 3 Kommentare

Solarstrom allein könne das AKW Mühleberg ersetzen, sagen Berner Unternehmer. Die BKW verschickt derweil eine Pro-AKW-Zeitung an 400'000 Haushalte.

Die Gegner eines neuen AKW führen die Sonnenenergie als Alternative zum Atomstrom an. (Archiv: Keystone)

Die Gegner eines neuen AKW führen die Sonnenenergie als Alternative zum Atomstrom an. (Archiv: Keystone)

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Die Frage, woher der Strom künftig in die Steckdosen fliessen soll, provoziert auch überraschende Antworten – zumal es nicht mehr lange dauert bis zum 13. Februar und damit bis zur kantonalen Abstimmung über ein neues Atomkraftwerk in Mühleberg. So sangen Vertreter von «Neue Energie Bern» gestern vor den Medien das Hohelied auf die Sonne, deren Energie die Versorgungsprobleme der Schweiz in Sachen Strom im Alleingang lösen könne. Die Gruppierung besteht aus rund 50 Unternehmern, die von einem Ausstieg aus der Atomenergie profitieren würden, und hat laut eigenen Angaben fast 150'000 Franken für den Abstimmungskampf gesammelt. Die Schweiz, einst Pionierin in Sachen Sonnenenergie, drohe abgehängt zu werden, weil der Markt im Inland nicht gross genug sei, sagte Solarunternehmer Urs Muntwyler. «Dabei verfügt etwa der Kanton Bern über beste Voraussetzungen für eine bezahlbare Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien und Energieeffizienz – ohne neue AKW.» Die Solarenergie habe laut der Bank Sarasin 2009 weltweit um 13 Prozent zugelegt, überhaupt stammten 62 Prozent der im Jahr 2009 neu installierten Leistung aus erneuerbaren Energien. Die Renaissance der Atomenergie hingegen sei ein «Märchen». In der Schweiz warteten im Moment über 8000 Solaranlagen auf staatliche Subventionen – würden sie und alle anderen Projekte, die auf der Warteliste seien, realisiert, wäre Mühleberg 2,6 Mal ersetzt. Würde die Schweiz die Solarenergie gar «gleich gut» fördern wie Deutschland, hätte sie 2009 eine Leistung von 900 statt «nur» 206 Megawatt installieren können.

«Die Subventionen für Solarstrom in Deutschland wurden in den letzten sieben Jahren zudem mehr als halbiert.» Dass die Deutschen trotzdem die Laufzeit ihrer AKW entgegen ursprünglichen Absichten verlängert hätten, hänge damit zusammen, «dass die Anlagen halt lukrativ sind». Im Kanton Bern sei Atomenergie aber unnötig, vor allem wenn noch zehn Windparks gebaut werden könnten. Windstrom müsse zumindest im Winterhalbjahr auch importiert werden, räumte Muntwyler ein. Dafür brauche es zuerst neue Leitungen.

«Keine Propaganda»

Ebenfalls gestern verkündete der Energiekonzern BKW, der Mühleberg II bauen will, er werde dieser Tage eine «Informationszeitung» an 400'000 Haushalte in den Kantonen Bern und Jura (auch dort wird über Atomenergie abgestimmt) verschicken. Kostenpunkt für Druck und Versand laut BKW: 100'000 Franken. In der Broschüre warnt die BKW vor der «Stromlücke» und erklärt, neue AKW seien unverzichtbar. Noch im September hatte das Unternehmen, dessen grösster Aktionär der Kanton ist, Zurückhaltung in Sachen Abstimmungspropaganda signalisiert – diese hatte ihr auch die Kantonsregierung nahegelegt. «Wir haben immer gesagt, dass wir unsere Kanäle nutzen und unsere Kunden informieren werden. Die Zeitung ist keine Propaganda», sagte gestern nun BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. (Der Bund)

Erstellt: 06.01.2011, 07:15 Uhr

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3 Kommentare

Ulrich Kaiser

06.01.2011, 08:20 Uhr
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Den Solarzellenbauern und Windrädchenproduzenten geht es nicht um die Sache, sondern um den Geldbeutel. Es ist wohl allen klar, dass in nächster Zukunft eine Versorgung von Energie ohne AKWs nicht geht. Und kommen noch die Elektroautos dazu, dann gute Nacht. Antworten


Benedikt Jorns

06.01.2011, 08:57 Uhr
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Innerhalb von 10 Jahren stieg der Stromanteil aus Fotovoltaik, Biomasse, Biogas, Windkraft und Abfallnutzung um 0,8% auf 2,0% (2009), wobei eher eine Verlangsamung des Anstiegs festzustellen ist (gemäss Statistik vom Bundesamt für Energie). Der Anteil der Fotovoltaik lag 2009 erst bei 0,08%. Deutschland fördert sie massiv und kam 2009 trotzdem erst auf 1,06% Anteil der Fotovoltaik. Antworten



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