Bern

Unkonventioneller Organist

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 20.01.2012

Jürg Brunner hat mit Vorliebe ausgetretene Pfade verlassen. Zum Abschied des «Hausorganisten» spielen neun Organisten in der Heiliggeistkirche.

Von Jazz bis Trinklieder spielte er fast alles auf der Orgel: Jürg Brunner, Organist der Heiliggeistkirche und experimentierfreudiger Musiker.

Von Jazz bis Trinklieder spielte er fast alles auf der Orgel: Jürg Brunner, Organist der Heiliggeistkirche und experimentierfreudiger Musiker.
Bild: Adrian Moser

Abschiedskonzert

Heiliggeistkirche, heute Freitag um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Kollekte.

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Alle erweisen Jürg Brunner die Reverenz: der frühere Münsterorganist Heinz Balli und sieben weitere Berner Organistinnen und Organisten – und Brunners Nachfolger Marc Fitze. Natürlich wird Bach gespielt, aber auch Eigenkompositionen, Text-Musik-Kollagen, ein «Berner Marsch à la française», ein Appenzeller Zäuerli. Das ungewöhnliche Programm passt zu Jürg Brunner, der als Organist selber gerne Konventionen durchbrach und Experimente wagte.

Jazz und Evergreen auf der Orgel

Als sechsjähriger Bub erhielt er Klavierunterricht bei der Mutter. Mit zehn Jahren nahm er Orgelstunden, und schon als 14-Jähriger spielte er regelmässig im Gottesdienst. Als junger Mann baute er Orgelinstrumente. Er habe der «Königin der Instrumente unter den Rock geschaut», scherzt Brunner. Er holte alte geistliche Lieder sowie deftige Trink- und Spottlieder aus der Versenkung und spielte sie auf Truhenorgel und Cembalo. Auch schuf er eine Komposition, in der Appenzeller Kuhglocken ein Zwiegespräch mit der Orgel halten.

2002 verliess er seine Heimatstadt St. Gallen, in der er während zweier Jahrzehnte eine breite Konzerttätigkeit entfaltet hatte, um in Bern ab 2003 etwas Neues zu beginnen. Er möge die Berner Mentalität, die Sprache und die Ambiance, sagte er dem «Bund» vor seinem Antrittskonzert in der Heiliggeistkirche. Damit die Berner merkten, dass sich sein musikalisches Schaffen nicht in Schubladen einordnen liess, spielte er den «Berner Marsch» im Stil von Bach. Mit «Zibelesounds» bewies Brunner, dass man auch auf einer «heiligen» Orgel Jazz, Folk oder Evergreens spielen kann. Er initiierte den Orgelspaziergang, bei dem das Publikum mit den Interpreten durch die Stadt wandert und sich so verschiedene Instrumente anhören kann. Bei aller Experimentierfreude betont Brunner aber, dass drei Viertel seiner Tätigkeit das ganz «normale» Orgelspiel in Konzerten und Gottesdiensten gewesen sei. Ende Januar geht er in Pension. Sein Nachfolger ist der 37-jährige Marc Fitze, bisher an der Johanneskirche tätig. Untertauchen wird Brunner nicht. Er wird Konzerte geben – und Fitze vertreten, wenn dieser dienstfrei hat. (Der Bund)

Erstellt: 20.01.2012, 10:19 Uhr

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