Umwelthistoriker setzt BKW weiter unter Druck

Der Streit zwischen dem Berner Umwelthistoriker Christian Pfister und dem bernischen Energiekonzern BKW um die Hochwassersicherheit des AKW Mühleberg hat sich am Wochenende noch verschärft.

Die Debatte um die Hochwassersicherheit beim AKW-Mühleberg spitzt sich weiter zu.

Die Debatte um die Hochwassersicherheit beim AKW-Mühleberg spitzt sich weiter zu. Bild: Stefan Anderegg (Archiv)

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Pfister gehört zu einem Team, das Mitte Juli eine Rekonstruktion der grössten Hochwasser publizierte, welche die Stadt Basel seit dem Jahr 1268 heimgesucht haben. In der Folge forderte Pfister, die BKW müsse diese Daten in ihre Berechnungen für die Hochwassersicherheit des AKW Mühleberg einbeziehen.

Die BKW winkte aber ab: Die Studie befasse sich ja mit Hochwassern in Basel. Die Erkenntnisse liessen sich nicht auf Mühleberg übertragen.

Das störte Pfister so sehr, wie er am Sonntag auf Anfrage sagte, dass er und sein Forscherkollege Oliver Wetter innerhalb von einem Monat ihre Erkenntnisse zu den westlichen Zuflüssen des Rheins nochmals gesichtet und sie in einem zehnseitigen Beitrag zusammengefasst haben.

Diese Weiterführung der Rhein-Studie wurde am späten Samstagabend auf der Internetseite der «Berner Zeitschrift für Geschichte» aufgeschaltet und am Sonntag von der «SonntagsZeitung» thematisiert.

Im Beitrag steht, dass beim verheerenden Hochwasser von 1480 in Basel die grössten Regenmengen im westlichen Alpenraum und Mittelland niedergingen und dass deshalb die Aare und etwa auch die Saane extrem hohe Pegel hatten. «Die 'Sündflut des Rheins' von 1480 stammte zur Hauptsache aus dem Einzugsgebiet der Aare», schreiben Wetter und Pfister.

BKW will prüfen

Für Pfister ist deshalb klar: Die BKW muss zusätzliche Abklärungen vornehmen. BKW-Sprecher Antonio Sommavilla sagte am Sonntag auf Anfrage, sein Konzern werde den neuen Beitrag studieren - bisher habe man noch keine Kenntnis davon. «Wenn relevante Aussagen drin stehen, werden wir das sicher berücksichtigen», sagte Sommavilla weiter.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) werde den neuen Beitrag von Pfister und Wetter ebenfalls prüfen und wenn nötig entsprechende Vorgaben machen, gab sich Sommavilla zudem überzeugt.

Auf andere Studie gestützt

Die BKW musste bis Ende Juni dem ENSI einen Bericht zum Nachweis der Hochwassersicherheit der Mühleberger Anlage abliefern. Sie stützt sich auf eine 2007 herausgegebene Studie des Berner Ingenieurunternehmens geo7 zu Extremhochwassern im Einzugsgebiet der Aare.

Darin untersuchten die Autoren unter anderem die Auswirkungen eines zwei- bis dreitägigen Intensivniederschlags im Einzugsgebiet der Aare kombiniert mit hohem Seestand im Berner Oberland, wie auf der Internetseite des Ingenieurbüros nachzulesen ist.

Auch einer der Autoren dieser Studie kritisierte Mitte Juli die BKW. Die in der Studie genannten Abflusszahlen dürften nicht einfach mit einem alle 10'000 Jahre einmal vorkommenden Extremhochwaser gleichgesetzt werden. Vielmehr müsse die BKW auch andere mögliche Ereignisse wie etwa Hangrutsche mitberücksichtigen.

Laut Sommavilla hätte sich die BKW gern einmal mit Pfister an einen Tisch gesetzt, doch sei ein Gespräch nie zustande gekommen. Pfister wiederum sagt, er habe von der BKW nie ein Mail und auch nie einen Anruf erhalten. (bs/sda)

Erstellt: 22.08.2011, 06:45 Uhr

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