Truber Solarstrom
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 29.07.2011
Es sieht aus wie eine Parkscheibe, ist aber ein Solarenergy Calculator, eine Sonnenenergie-Rechenscheibe. «Sie enthält recht viele Tools», schwärmt Gabriel Hünerfauth. Der 19-jährige angehende Umweltingenieur aus dem aargauischen Niederlenz vermisst zusammen mit Albert Lozada oberhalb von Trub die Dachfläche eines Bauernhauses. Lozada ist 33 Jahre alt und kommt von den Philippinen. Er ist dort bei der Umweltorganisation Greenpeace Jugendsolarkoordinator. Diese Woche weilt er in der Schweiz. Er will lernen, wie man mit einfachen Mitteln das Potenzial eines Hausdaches für Solarenergie berechnen kann.
Hünerfauth und Lozada lesen mithilfe der Rechenscheibe den Neigungswinkel des Daches ab, berechnen dessen Fläche und bestimmen, wie das Haus bezüglich der Himmelsrichtungen in der Landschaft liegt. Nun können sie mit einer Formel das Energiepotenzial für diesen Standort ermitteln. Selbstverständlich berücksichtigen sie, ob Berge, Hügel, Bäume, andere Gebäude oder Aufbauten vorhanden sind, die Schatten werfen. Bei der Familie Scheidegger auf der Balmegg sieht es gut aus. Hünerfauth spricht von «hochgeeignet».
Anton Küchler, Projektleiter bei der Interessengruppe Oil of Emmental, rechnet derweil schon aus, dass auf diesem Dach Strom für über sieben durchschnittliche Haushalte produziert werden könnte. «Oder für 15 energieeffiziente Haushalte», wie Kuno Roth ergänzt. Roth ist bei Greenpeace Koordinator der internationalen Jugendarbeit.
Oil of Emmental, eine Organisation, die nichts mit Öl, dafür viel mit erneuerbaren Energien zu tun hat, führt das Solarcamp zusammen mit Greenpeace durch. Daran nehmen 20 Jugendliche zwischen 15 und 22 Jahren aus der Schweiz und 8 etwas ältere Personen aus dem Ausland teil – solche wie Albert Lozada, die ihr neu erworbenes Wissen daheim weitervermitteln wollen.
Vom Land- zum Energiewirt
Greenpeace organisiert bereits seit 13 Jahren Solarcamps. In dieser Zeit haben Jugendliche unter der Anleitung von Fachleuten bereits gegen 200 Solaranlagen aufgebaut. Dies ist das «Kerngeschäft» des Camps. Dieses Jahr montieren die Jugendlichen eine Anlage in der Nähe von Sumiswald. Besonders ist diesmal jedoch die Arbeit in der weitläufigen Gemeinde Trub: Hier sind die Jugendlichen in Zweiergruppen (mit Elektrovelos) unterwegs und suchen die Wohn- und Bauernhäuser auf, um deren Solarpotenzial zu ermitteln. Morgen Samstag wird das Resultat an einem Buure-Zmorge in Trub präsentiert. Bereits jetzt stehe fest, sagt Küchler, dass das Potenzial «riesig» sei. «Trub könnte sich vermutlich zu einem grossen Teil mit Solarstrom selbst versorgen.»
Noch seien aber viele Herausforderungen zu meistern, sagt er. Die Finanzierung sei eine davon. Dann spiele der Denkmalschutz eine wichtige Rolle, und schliesslich müsste auch das Stromnetz angepasst werden. «Da wird es politisch», sagt er.
Die Jugendlichen sind laut Küchler, der selber in Trub wohnt, in den meisten Fällen «mit grossem Interesse» empfangen worden. Ihn verwundere es nicht, denn Energieproduktion stelle für Bauern zunehmend eine interessante Nebenerwerbsmöglichkeit dar. Kuno Roth verwendet gar den Begriff vom «Land- und Energiewirt». Das Ziel sei, einheimische Energieressourcen zu nutzen und dadurch in der Region Wertschöpfung zu generieren. Allein aus dem Emmental flössen jährlich rund 200 Millionen Franken ab. Dieses Geld wird für Energie bezahlt, die von auswärts kommt. Überspitzt gesagt habe ein Bauer von einem Atomkraftwerk nichts, sagt Roth. Wenn aber auf seinem Haus eine Solaranlage erstellt werde, erziele er einen Ertrag – «und es ist der lokale Elektriker, der beim Bau der Anlage die Schrauben eindreht».
«Man muss rechnen»
Er wisse es schon seit einer Weile, dass sein Hausdach geeignet wäre für die Produktion von Solarstrom, sagt Fritz Scheidegger, Bauer auf der Balmegg. Solarstrom sei eine gute Sache, gerade wenn man bedenke, was in jüngster Zeit alles geschehen sei. Er wäre nicht abgeneigt, etwas zu tun in dieser Richtung. Aber, sagt er, es bleibe halt eine Frage der Finanzen. «Man muss rechnen.» Scheidegger bestätigt, das Interesse an solchen Anlagen habe bei Bauern in jüngster Zeit deutlich zugenommen. (Der Bund)
Erstellt: 29.07.2011, 08:13 Uhr
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