Tribüne: Nur Spitäler schliessen hilft nichts

Unbestritten ist, dass die Spitallandschaft im Kanton Bern zu bereinigen ist, um die Belastung der Prämienzahler zu reduzieren. Im Zusammenhang mit der schweizweiten Einführung von Fallpauschalen und der Neufestlegung der kantonalen Spitallisten laufen auch im Kanton Bern solche Reformvorhaben.

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Die aus dem Ärmel geschüttelte Forderung von Santésuisse, das Spital Thun zu schliessen («Bund» vom 7.10.2009), ist unausgegoren und sendet falsche Signale aus. Das hohe Prämienniveau im Kanton Bern sowie das überdurchschnittliche Wachstum der Kosten zulasten der Grundversicherung sind im Wesentlichen auf die verfehlte Spitalpolitik der vergangenen Jahre zurückzuführen. Überkapazitäten in den Spitälern und die überdurchschnittliche Spezialarztdichte kosten den Prämienzahler Jahr für Jahr Millionen von Franken zu viel.

Das einzig Positive am Vorschlag von Santésuisse ist, dass mit der Schliessung des Spitals Thun Überkapazitäten abgebaut würden. Wobei möglicherweise am falschen Ort. Denn das Spital Thun gilt, nicht nur bei den Kantonsbehörden, als ein Vorzeigespital. Unbestritten ist, dass die Landkarte, die Distanz zum nächsten Spital, nicht alleiniges Kriterium für die künftige bernische Spitallandschaft sein darf. Allein schon aus zwei Gründen sind die Zeiten vorbei, da jede Region über ein eigenes, voll ausgebautes Spital verfügen konnte. Zum einen lässt die Kostenentwicklung dies nicht zu. Zum anderen sprechen aber auch qualitative Gründe dagegen: Die Fallzahl in den medizinischen Disziplinen ist das entscheidende Kriterium, um eine qualitativ hochstehende Versorgung sicherstellen zu können.

Spitäler, insbesondere in der Peripherie, werden inskünftig nur noch die Basisversorgung sicherstellen. Komplizierte medizinische Fälle müssen an Zentrumsspitäler, spezialisierte Kliniken oder das Inselspital überwiesen werden.

Es genügt aber nicht, den Hebel nur bei den Spitalinfrastrukturen anzusetzen. Damit die Kosten langfristig nicht weiter aus dem Ruder laufen, kommt einer integrierten, umfassenden medizinischen Versorgung der Bevölkerung ein hoher Stellenwert zu. Die Ansprüche der Patienten erfordern die Vernetzung der Leistungserbringer, damit Fachunterstützung jederzeit vorhanden ist. Die Patienten wollen kompetente Beratung und Behandlung und haben auch ein Recht darauf.

Entscheidend ist die Kooperation zwischen Hausärzten, Spezialisten, Spitälern, Pflegeheimen und Spitex, die aus einem Patientenbedürfnis entsteht. Nur die Zusammenarbeit sichert langfristig die Grundversorgung. Dabei soll der Hausarzt zum «Gesundheitsmanager» werden. Er kümmert sich um die Aufgaben, die nicht vom Spezialisten übernommen werden können, und überweist die Patientinnen und Patienten im Bedarfsfall zur kompetenten Behandlung an Fachärzte oder in stationäre Einrichtungen.

Mit der von Santésuisse erhobenen Forderung, das Spital Thun zu schliessen, werden nicht nur die laufenden Reformvorhaben torpediert und falsche Signale ausgesandt, sondern auch die Zielsetzungen der neuen Spitalfinanzierung untergraben. Mit dieser wollte der Gesetzgeber Wettbewerb zwischen den Spitälern einführen und so sicherstellen, dass leistungsfähige Kliniken bestehen bleiben und ineffiziente verschwinden.

Überlassen wir es dem Wettbewerb, welche Spitäler künftig welche Leistungen erbringen: Der Kanton hat dafür zu sorgen, dass zwischen allen Institutionen gleich lange Spiesse herrschen. Egal ob öffentlich oder privat, egal ob in der Bundesstadt oder in den Regionen, jedes Spital soll eine faire Chance bekommen, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Dieses Recht hat – wie alle andern Spitäler auch – das Spital Thun. Es wird sich aufgrund des vom Regierungsrat zu erarbeitenden Leistungsauftrags dem Wettbewerb stellen und seine Stärken beweisen müssen. Überleben sollen jene Institute, die ihren Patienten hohe Qualität zu fairen Preisen bieten. (Der Bund)

Erstellt: 14.10.2009, 07:47 Uhr

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