Thuns Spitaldirektor geht – oder wurde er gegangen?

Thun verliert seinen langjährigen Spitaldirektor. Hinter dem Abgang von Christian Pfammatter könnte ein Machtkampf stecken.

Christian Pfammatter, Thuns Spitaldirektor und Vizedirektor der Spital Simmental-Thun-Saanenland AG (STS), verlässt das Berner Oberland Richtung Norden: Er wird per 1. Juni neuer Direktor des Bürgerspitals Solothurn und des Spitals Grenchen, die zur Solothurner Spitäler AG gehören.

«Nach 14 Jahren bei der STS und bald 51-jährig, ist für mich der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen», sagt Pfammatter auf Anfrage. Die Neubestellung der Führung in der STS sei für ihn Anlass gewesen, sich «neu zu besinnen», wie er sagt: «Die Aufgaben in den schönen Spitälern in Solothurn reizen mich.» Pfammatter bleibt mit seiner Familie vorerst in Thierachern bei Thun wohnen. Seine beiden erwachsenen Kinder wohnten noch daheim und studierten in Bern, und ausserdem: «Ich bin das Pendeln gewohnt.»

«Nicht sauber gelaufen»

Es ist im Oberland aber ein offenes Geheimnis: Pfammatters Abgang steht in Zusammenhang mit seiner Nichtwahl zum Direktor der STS. Für diese Funktion hätten ihn sich viele Leute aus dem Gesundheitswesen gewünscht – nicht zuletzt wegen Pfammatters vermittelnder Rolle im Simmentaler Spitalstreit. Einer dieser Leute ist FDP-Grossrat Hans-Jörg Pfister aus Zweisimmen. «Es dürfte schwierig werden, wieder einen so kompetenten Leiter des Spitals Thun zu bekommen, wie Pfammatter es ist», sagt Pfister.

Statt Pfammatter wählte der Verwaltungsrat der STS AG letzten November den im Oberland weitgehend unbekannten Bruno Guggisberg zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Pfister wittert in dieser Wahl einen «Deal, der nicht sauber gelaufen ist». Daraus ziehe Pfammatter nun die Konsequenzen, glaubt Pfister. Der Verwaltungsrat der STS sei befangen gewesen, sagt er – und kündigt einen Vorstoss im Grossen Rat zum Auswahlverfahren der STS an.

Ansprechen will Pfister das Thema auch, wenn kommenden Dienstag eine Regierungsratsdelegation in schlichtender Mission wegen mehrerer verschiedener Streitpunkte ins Simmental kommt, um sich mit den politischen Vertretern des Obersimmentals zu treffen. Einer der Streitpunkte ist der Plan der STS, in Saanenmöser ein neues Spital zu bauen – und dafür die heutigen Spitäler in Saanen und Zweisimmen zu schliessen.

STS bedauert

Hans Peter Schüpbach, Verwaltungsratspräsident der STS, weist die Spekulationen um die Wahl des neuen STS-Direktors weit von sich. «Unsere Wahl ist schlicht und einfach auf den am besten geeigneten Kandidaten gefallen», sagt er. Den Abgang Pfammatters bedaure er sehr. Nun müssten gleich zwei wichtige Funktionen in der STS neu besetzt werden.

Die Nachfolge im Spital Thun muss bald geregelt werden, da Pfammatter bereits auf Ende April abtritt. Laut Schüpbach prüft der Verwaltungsrat in den nächsten Wochen auch Zwischenlösungen, Änderungen in der Führungsstruktur und eine Neuaufteilung der Aufgaben. Einbezogen werden soll auch der künftige STS-Direktor Bruno Guggisberg, der aber erst Mitte Jahr seine Arbeit in der STS aufnimmt. (Der Bund)

Erstellt: 05.02.2010, 08:58 Uhr

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