Thun: FDP wählte die falschen Partner
«Nicht die falschen Partner gesucht»
FDP-Parteipräsident Doch was sagt man eigentlich bei der FDP zur Feststellung, bei den Thuner Wahlen auf die falschen Parteipartner gesetzt zu haben? Parteipräsident Beat Schlatter sagt, er sei sich dieses Umstandes mittlerweile bewusst. «Uns war nach den Wahlen auch klar geworden, dass wir mit den Mitteparteien EVP und CVP ein besseres Resultat erzielt hätten.» Aber die Konstellation habe sich deshalb nicht ergeben, «weil unsere Bedürfnisse und Ansichten und jene wiederum der Mitteparteien nicht zusammengepasst haben».
Die Parteien hätten vor den Wahlen eingehend diskutiert, und die FDP sei dann zum Schluss gekommen, dass die Partei inhaltlich mit der SVP besser übereinstimme. Zudem hat gemäss Schlatter auch der frei werdende Sitz des Stadtpräsidenten eine Rolle gespielt: «Wir haben nicht auf die falschen Partner gesetzt, sondern vor allem auf die Partner, die einen bürgerlichen Stadtpräsidenten stellten.»
Mit ihrem Stimmenanteil von 9,6 Prozent bei den Gemeinderatswahlen hat die FDP einen Sitz bei weitem verpasst – die bis dahin amtierende Gemeinderätin Jolanda Moser wurde abgewählt. Für ein volles Mandat wären 16,7 Prozent nötig gewesen. Wie die vorliegenden Zahlen der Thuner Wahlen aufzeigen, hätte es für die FDP nur einen Weg zur Rettung ihres Mandats gegeben: eine Listenverbindung nur mit der EVP oder aber mit der EVP und der CVP. FDP und EVP zusammen kamen auf einen Stimmenanteil von 15 Prozent, was genug gewesen wäre, um ein Restmandat zu erobern. Das Trio FDP/EVP/CVP holte insgesamt 19,3 Prozent, was bequem für ein volles Mandat ausgereicht hätte.
Und mit der CVP alleine?
Hätte auch eine Listenverbindung zwischen FDP und CVP, eine wohl realistische Variante, Erfolg gehabt? Nach den vorliegenden Zahlen nicht, diese beiden Parteien kamen zusammen auf 13,9 Prozent der Stimmen – zu wenig für ein Restmandat. Allerdings war die Liste der CVP bei den Gemeinderatswahlen nicht auf Stimmenmaximierung angelegt: Mit Konrad Hädener stellte sie nur einen einzigen Kandidaten. Hätte die CVP wie die anderen bürgerlichen Parteien mindestens drei Kandidaten nominiert, hätte sie mit Sicherheit mehr Stimmen geholt, und zusammen mit der FDP wäre ein Mandatsgewinn durchaus möglich gewesen. Mehr CVP-Kandidaten hätten aber auch der tatsächlich eingegangenen Listenverbindung der «christlichen» Parteien EVP, EDU und CVP, die auf einen Stimmenanteil von 13,6 Prozent kam, zum Sitzgewinn verhelfen können. Wenn dabei weiterhin die EVP in diesem Trio die stärkste Partei geblieben wäre, hätte ihr Spitzenkandidat Marc Jost das Mandat geholt.
Mit ihrem Stimmenanteil von 15,9 Prozent hat auch die BDP mit Ursula Haller nur ein Restmandat geholt. Im Falle einer Koalition FDP/EVP oder FDP/EVP/CVP wäre aber nicht sie die Leidtragende gewesen, sondern die SVP, deren Stimmenanteil von 29,8 Prozent nur für einen Sitz ausgereicht hätte. Hingegen hätten SP und Grüne, die zusammen auf 30,7 Prozent der Stimmen kamen, ihr zweites Mandat – ebenfalls ein Restmandat – behaupten können.
Moser schnitt gut ab
An Jolanda Moser lag es nicht, dass die FDP ihren Gemeinderatssitz verloren hat. Das zeigt die Tabelle, in der die Kandidaten nach ihrer Popularität aufgeführt sind. Um diesen Vergleich parteiübergreifend zu ermöglichen, bildet dabei die Zahl der Panaschierstimmen, nicht etwa das Stimmentotal die Grundlage (nach dem Stimmentotal würden die Kandidaten der stärkeren Parteien und die vorkumulierten Kandidaten vorne liegen). In dieser Rangliste liegt Moser mit 110 Panaschierstimmen auf 1000 Listen auf dem guten vierten Platz. Klar an der Tabellenspitze liegt mit 175 Stimmen Raphael Lanz (SVP), vor seinen schärfsten Rivalen für das Amt des Stadtpräsidenten Peter Siegenthaler (SP, 157 Stimmen) und Ursula Haller (BDP, 150 Stimmen). Nicht nur Jolanda Moser war populär, wurde aber wegen der Schwäche ihrer Partei nicht gewählt, das gleiche gilt auch für Konrad Hädener (CVP), der auf 81 Stimmen kam. Danach gibt es eine grössere Lücke von 32 Stimmen bis Platz 6, den die ebenfalls nicht gewählte Andrea de Meuron (Grüne, 49 Stimmen) belegt.
SVP: Kein Stimmenfang
Die Tabelle zeigt auch, dass man der SVP kaum vorwerfen kann, sie habe Carlo Kilchherr, der nun sein Amt nicht antritt, nur als Stimmenfänger eingesetzt: Kilchherr liegt in dieser Tabelle mit bloss 30 Stimmen auf Rang 9, unter den fünf Gewählten war er der am wenigsten populäre Kandidat. Auch Roman Gimmel (SVP), der den Sitz von Kilchherr einnimmt, hat mit 17 Stimmen nicht gerade ein herausragendes Resultat erzielt. Die FDP wählte die falschen Partner Wäre die FDP bei den Thuner Wahlen zum Beispiel eine Listenverbindung mit der EVP statt mit der SVP eingegangen, hätte sie ihren einzigen Sitz im Gemeinderat nicht verloren. (Der Bund)
Erstellt: 10.12.2010, 09:57 Uhr
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