Statt «Pyros» nur Hanf konfisziert
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 01.03.2010
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Eine Stunde vor dem «Hochrisikospiel» zwischen YB und dem FC Zürich vor dem Gästesektor des Stade de Suisse: Der Extrazug aus Zürich ist angekommen, lautstark nähern sich die Zürcher dem Stadion. Was auffällt: Die Eingänge sind getrennt. Damen rechts, Herren links. Das ist neu und hat seinen Grund. Erstmals werden die Angestellten des privaten Sicherheitsdienstes, der die Einlasskontrollen durchführt, von einer Gruppe Polizisten unterstützt. Wenn vermutet werde, dass eine Person «pyrotechnisches Material» im Intimbereich ins Stadion schmuggeln wolle, können sie die Polizisten in einem dafür vorgesehenen Raum einer Leibesvisitation unterziehen, erklärt Dieter Schärer, der Einsatzleiter der Polizei an diesem Samstag. Frauen würden dabei von Polizistinnen untersucht, Männer von Polizisten.
Mit den verschärften Kontrollen wird ein zentraler Punkt erfüllt, auf den sich die Berner Klubs letzten November mit der Stadt geeinigt hatten. Sechs uniformierte Beamte stehen auf den Treppen zum Gästesektor, ebenso viele sind es vor Sektor D, wo die YB-Fans ins Stadion strömen. Die meiste Zeit tun sie nichts, ausser Präsenz zu markieren. «Händer Arbetsplätz gschaffe», höhnt ein Matchbesucher.
Hin und wieder erweisen sich die Polizisten als tüchtige Helfer der Sicherheitskräfte: Sie rollen auf den Treppenstufen Fahnen aus, um darin verborgene Gegenstände aufzuspüren, oder spähen durch hohle Fahnenstangenrohre. Und sie machen Stichproben: Zwei von ihnen bringen einen jungen Mann hinter die Sichtschutzwände, wo er seine Taschen leeren muss. Bei einigen Matchbesuchern sei Cannabis gefunden worden, sagt Schärer am Tag darauf. Sie müssen mit einer Busse rechnen. An die Unterwäsche gehen die Polizisten an diesem Abend allerdings niemandem. Laut Schärer wurden keine Leibesvisitationen im Intimbereich durchgeführt.
Beim Führungstor des FC Zürich wird gewiss: Auch die Polizisten konnten nicht verhindern, dass «Pyros» ins Stadion geschmuggelt werden. Zur Feier des Tores zünden die FCZ-Fans mehrere Fackeln. Noch nicht erloschen, werden diese auf die unteren Sitzreihen geworfen. Dort sitzt zwar zum Glück niemand, allerdings liegen meterlange Schriftbanner auf den Sitzen, die zu Beginn des Spiels in die Höhe gehalten worden waren. Nun drohen sie, durch die Fackelreste Feuer zu fangen. Doch ein paar Männer zertreten die Glut mit den Füssen, der Einsatz von zwei herbeigeeilten Feuerwehrmännern wird nicht nötig.
Die Ruhe nach dem Spiel
Mehr noch als das Auge werden die Ohren strapaziert. Das Publikum im Stadion schreckt zusammen, als ein sehr lauter Knallkörper gezündet wird. «Die Zutrittskontrolle ist Sache des Veranstalters», sagt Schärer, «dass Fackeln und Knallkörper ins Stadion kommen, kann die Präsenz der Polizei nicht verhindern». Bis kurz vor Spielende haben die Anhänger des FC Zürich allen Grund, ausgelassen zu sein – doch dann wendet sich das Blatt. YB gleicht zuerst aus, und in der Nachspielzeit erzielen die Berner gar noch den Siegestreffer. Die Frustration der Zürcher ist gross – und wird nicht kleiner dadurch, dass sie nach Abpfiff des Spiels noch warten müssen, bis sie das Stadion verlassen dürfen. Der Lärm von Hunderten von Händen, die an die Metallwände poltern und Auslass fordern, lässt wenig Gutes erahnen. Dann öffnen sich die Tore, die Menschen stürmen aus dem Stadion. Doch die Fantrennung funktioniert, die Zürcher werden durch die abgesperrte Gasse zu ihrem Extrazug begleitet, ohne dass es zu nennenswerten Scharmützeln mit Bernern kommt. Die Unterstützung eines Untersuchungsrichters ist an diesem Abend nicht nötig (siehe Interview unten). Der Zug fährt los, nach einem verhältnismässig friedlichen «Hochrisikospiel» kehrt die abendliche Ruhe ein. (Der Bund)
Erstellt: 01.03.2010, 07:40 Uhr
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