Stadt will Altersheim verkaufen
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 26.03.2011
Informationsveranstaltung
Alterspolitik der Stadt Bern und Veränderungen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Engehalbinsel. Mit Gemeinderätin Edith Olibet (SP) und Rita Gisler, Leiterin Alters- und Versicherungsamt der Stadt Bern. Montag, 28. März, 17 Uhr, Kirchgemeindehaus Rossfeld.
Michael Bührer ist besorgt: «In der ganzen Schweiz ist der Mangel an Alters- und Pflegeheimplätzen ein Thema. Aber in der Stadt Bern ist dem offenbar nicht so», sagt das Mitglied des leitenden Ausschusses des Altersheims Bremgarten. Anlass für Bührers Bemerkung sind die Absichten der Stadt Bern, ihren Anteil am Alters- und Pflegeheim Bremgarten rückwirkend auf den 1. Januar 2011 für 730'000 Franken zu verkaufen. Bern und Bremgarten haben das Heim vor einem Vierteljahrhundert an der Bremgartner Kalchackerstrasse gebaut und teilen sich seither die Verwaltung. Jedes der beiden Gemeinwesen hat Anspruch auf die Belegung der Hälfte der insgesamt 44 Plätze.
«Versorgung ist garantiert»
Die Stadt Bern begründet ihre Verkaufsabsichten im Wesentlichen mit demografischen Argumenten. Entgegen dem Trend auf dem Land gebe es in den grösseren Städten nämlich keine Zunahme der älteren Bevölkerung, sagt Rita Gisler, Leiterin des Alters- und Versicherungsamtes. Die Wartelisten auf einen der 2500 Pflegeheimplätze in der Stadt seien rückläufig. «Die Heime haben zunehmend Mühe mit ihrer Auslastung.» Jede dritte Person über 80 Jahre habe in der Stadt Bern einen Pflegeheimplatz. «Das ist ein vergleichsweise hoher Versorgungsgrad.» Bei den über 65-Jährigen, von denen es rund 23'000 Personen gebe, sei bis ins Jahr 2025 bloss mit einer «minimen Zunahme» zu rechnen. Bei den über 80-Jährigen habe man sogar von einer Abnahme auszugehen. «Wir können heute die Versorgung mit Pflegeheimplätzen über Jahre hinaus garantieren», sagt Gisler.
«Nicht überprüfbare Zahlen»
«Für mich sind diese Zahlen nicht überprüfbar», sagt Bührer. So habe ihm bis heute niemand von der Stadt sagen können, wie viele Personen eines bestimmten Jahrgangs in Bern lebten. Die Stadtberner Sozialdirektion habe es zudem nie für nötig befunden, den leitenden Ausschuss des Altersheims oder die Altersheimkommission über ihre Verkaufsabsichten zu informieren. Obwohl er als Vertreter des Engehalbinsel-Leists in der Altersheimkommission einsitze, habe er durch die Vertreter Bremgartens von den Verkaufsabsichten der Stadt erfahren müssen. Bührer bezweifelt zudem, dass bloss jeder dritte über 80-Jährige einen Pflegeheimplatz brauche. «Was tun denn die anderen?», fragt er rhetorisch. Es sei wohl kaum anzunehmen, dass die grosse Mehrheit der Menschen in dieser Altersklasse noch in der Lage sei, selbstständig zu Hause zu wohnen, sagt Bührer
Zweite Priorität für Stadtberner
Altersamtsleiterin Gisler begründet die Stabilisierung der Anzahl Betagter in der Stadt Bern damit, dass die Tendenz zu einem höheren Anteil an älteren Menschen bereits vor zwei, drei Jahrzehnten begonnen habe. «Seither ziehen viele jüngere Familien in die Agglomeration. Die Betagten bleiben in der Stadt.» Gisler weist darauf hin, dass auch die Gemeinde Bremgarten vermutlich eine ähnliche demografische Struktur aufweise. Die Vorortsgemeinde könne die Plätze im Heim bei weitem nicht alleine belegen. «Leute von der Engehalbinsel können nach wie vor nach Bremgarten ins Altersheim», sagt Gisler.
Der Bremgartner Gemeindepräsident kann dies im wesentlichen bestätigen. «Leute von der Engehalbinsel werden bei der Vergabe der Plätze aber künftig zweite Priorität haben», sagt Dominique Folletête (FDP). Da die Plätze im Heim nicht nur mit Interessenten aus Bremgarten belegt werden könnten, seien Stadtberner jedoch weiterhin willkommen. Für die heutigen Bewohner wiederum gebe es ein Bleiberecht. Folletête weist auch auf einen weiteren möglichen Grund für den Ausstieg der Berner hin. Im Heim stünden grössere Investition wie der Ausbau des gesamten Ökonomiebereichs für insgesamt drei Millionen Franken an. Da sich der Kanton seit Anfang 2011 nicht mehr am Infrastrukturausbau in Heimen beteilige, hätte die Stadt Bern die Hälfte der Kosten übernehmen müssen.
Gemeinde entscheidet Ende Mai
Vorerst geht es in Bremgarten aber um den Kauf des Stadtberner Anteils am Altersheim. Die Gemeindeversammlung wird Ende Mai über einen Kredit in der Höhe von 980'000 Franken befinden. Darin inbegriffen sind 250'000 Franken, welche die Gemeinde dem Kanton für die von ihm subventionierten Investitionen zurückzahlen muss. Die Arbeiten am Kaufvertrag sind noch nicht fertig. (Der Bund)
Erstellt: 26.03.2011, 11:07 Uhr
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