Stadt Bern schreibt Plakatierung aus
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Wer auf öffentlichem Grund Plakatstellen errichten und deren Flächen vermarkten will, benötigt von der jeweiligen Gemeinde eine Konzession. In Städten wird dafür meist eine Submission durchgeführt. Derzeit ist auch in Bern ein solches Verfahren im Gang. Denn Ende 2009 läuft der Vertrag mit der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG), die Schweizer Tochter der Affichage Holding, aus. Der Vertrag gab der Schweizer Marktleaderin während sieben Jahren das ausschliessliche Recht, alle Plakatstellen auf Berns Strassen und Plätzen zu bewirtschaften. Dieser Konzession nicht unterstellt sind die Werbeflächen auf privatem Grund, die auch von anderen Firmen bewirtschaftet werden. Ausgenommen sind zudem Plakatstellen im Bahnhof und an Tram- und Bushaltestellen, sie wurden bereits früher von den SBB und Bern Mobil vergeben – allerdings ebenfalls an die APG.
Die aktuelle städtische Ausschreibung läuft unter der Federführung der Fachstelle Beschaffungswesen und des Tiefbauamtes der Stadt Bern (Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün). Interessierte Aussenwerbefirmen können diesen Amtsstellen nun bis Ende November ihre konzeptionellen und preislichen Angebote für die nächsten fünf Jahre vorlegen. Denn die neue Plakatkonzession, die wieder nur an einen Anbieter vergeben wird, soll von 2010 bis 2014 dauern, verbunden mit einer Option auf Verlängerung bis längstens 2017. Neben der APG wird wohl auch Clear Channel Outdoor Plakanda (CCOP), im Bereich Plakatwerbung die Nummer 2 in der Schweiz, mitbieten, allenfalls auch weitere Firmen.
Tausende von Plakatflächen
Wie viele Plakatstellen aktuell zur Diskussion stehen, geht aus den veröffentlichten Submissionsunterlagen nicht hervor. Und bei den zuständigen Ämtern gibt man sich bedeckt, «da wir in einem laufenden Beschaffungsverfahren stehen», erklärt Tiefbauamt-Sprecher Dieter Arnold. Einen Anhaltspunkt liefert aber die nach wie vor gültige Konzession, die zu Beginn (2003) knapp 2000 Plakatflächen verschiedener Formate umfasste. 46 dieser Flächen standen damals in der Altstadt, 1163 in den Aussenquartieren, 115 in den drei Bahnhofunterführungen Bubenberg, Christoffel und Neuengasse, 90 in den Hallen- und Freibädern und 509 waren an öffentlichen Gebäuden angebracht.
Heute dürften diese Zahlen allerdings tiefer liegen. Zwar hat sich Bern in den letzten Jahren stark verändert (Eröffnung Westside, Umgestaltung Bahnhofplatz), sodass zweifelsohne neue Flächen entstanden. Doch die APG hat aus Qualitätsüberlegungen schweizweit Plakatstellen abgebaut. Und auch die Stadt Bern bewilligt heute aufgrund des Reklamereglementes von 2004 neue Stellen zurückhaltender.
Für eine Stadt wie Bern ist die Plakatsubmission wichtig – zum einen weil ein Konzessionär das Stadtbild wesentlich mitgestaltet. Vor allem aber, weil er eine jährliche Konzessionsabgabe zahlt. Über deren Höhe erhält man zwar keine genauen Auskünfte, dennoch gibt es auch dazu Hinweise. So verlangte die Stadt Bern in der Submission von 2002 eine jährliche Grundgebühr von mindestens 1,3 Millionen Franken sowie zusätzlich eine prozentuale Beteiligung an jenen Werbeeinnahmen, die über die 2000 Plakatstellen erwirtschaftet werden. Die APG hat somit in den letzten Jahren schätzungsweise je etwa zwei bis drei Millionen Franken in die Berner Gemeindekasse abgeliefert. Mit der neuen Submission dürfte sich die Abgabe für den künftigen Konzessionär um etwa 30 Prozent erhöhen, dies zeigen Ausschreibungen in andern Schweizer Städten. Möglich ist aber auch, dass sich die Stadt Bern und der neue Konzessionär wegen der aktuellen Krise auf eine (vorübergehende) Spezialregelung einigen. Denn selbst Marktleaderin APG musste dieses Jahr zahlreiche Sparmassnahmen einführen, darunter Kurzarbeit für Afficheure.
So oder so, Plakatsubmissionen gelten als heikel. Denn häufig kommt es zu Rekursen und damit langwierigen Rechtshändeln. Die Berner Submission von 2002 verlief zwar reibungslos, vorher und nachher kam es aber in Basel, Luzern, Zürich und Genf zu eineinhalb bis sechsjährigen juristischen Streitereien zwischen Behörden und Plakatfirmen. Das kommt die Städte nicht nur teuer zu stehen, es entgehen ihnen auch erhoffte Mehreinnahmen. (Der Bund)
Erstellt: 10.11.2009, 07:29 Uhr
Bern
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