Bern

Spital Netz Bern braucht Stadtspital

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 14.05.2010 1 Kommentar

Ohne den Bau eines neuen Stadtspitals und die Schliessung der Spitäler Ziegler und Tiefenau wäre die Spital Netz Bern AG in acht Jahren am Ende, sagt Direktor Fredy Furrer.

Muss massiv Kosten einsparen: Fredy Furrer, Direktor der Spital Netz Bern AG, vor dem Tiefenau-Spital. (Valérie Chételat)

Muss massiv Kosten einsparen: Fredy Furrer, Direktor der Spital Netz Bern AG, vor dem Tiefenau-Spital. (Valérie Chételat)

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Bisher kaum Gewinn erzielt

Die Spital Netz Bern AG ist ein grosser Player im kantonalen Gesundheitswesen: 2009 wurden 13 Prozent aller stationären Patienten an einem der sieben Standorte behandelt. Die Spital Netz Bern beschäftigt 2700 Personen, was 11 Prozent aller Beschäftigten im Spitalwesen entspricht.

Mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 268 Millionen Franken schwankten die Betriebsergebnisse der letzten drei Jahre um null. Das letzte Jahr schloss man mit 450?000 Franken Gewinn leicht positiv ab. Im Zuge des Spardrucks konnte die Zahl der stationären Patienten um 2 Prozent verringert werden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer pro Patient sank von 8,1 auf 7,5 Tage. Im Akutbereich war letztes Jahr ein Gewinneinbruch von 5,8 Millionen Franken zu verzeichnen. «Den Akutbereich müssen wir im Auge behalten», sagte Finanzchef Reto Flück.

Kelten und Römer im Areal

Auf dem Areal des Spitals Tiefenau liegen Überreste von keltischen und römischen Siedlungen. Die Funde könnten den Neubau des Stadtspitals neben dem heutigen Hauptgebäude verunmöglichen. «Im Extremfall könnte die ganze Zone mit einem Bauverbot belegt werden», sagt Fredy Furrer, Direktor der Spital Netz Bern AG.

Gemäss den bisherigen Sondierungen sind die Funde jedoch ungleichmässig verteilt. Laut Furrer ist es auch denkbar, die Pläne für den Neubau entsprechend anzupassen. Die Spitalverantwortlichen erwarten das Obergutachten der Kantonsarchäologie für Ende Mai. Auch wenn der Spital-Neubau möglich sein sollte, könnten die Notgrabungen zu einer Verzögerung führen. «Wir stehen zeitlich schon unter einem gewissen Druck», sagt Ann-Brita Dähler, Kommunikationsverantwortliche der Spital Netz Bern AG. (bob)

Ab 2012 wird im Spitalwesen alles anders. Anstelle einer Defizitgarantie erhalten die Spitäler von Kantonen und Krankenkassen nur mehr einen einheitlichen Pauschalpreis pro Behandlung ausbezahlt. Mit diesen sogenannten Fallpauschalen soll der Anreiz wegfallen, Patienten länger als nötig im Spital zu behalten. Die Spitäler gelangen mehr denn je unter Rentabilitätsdruck. «Im Gesundheitswesen weht ein rauer Wind der Marktwirtschaft», sagte gestern Fredy Furrer, Direktor der Spital Netz Bern AG, vor den Medien. Die Spital Netz Bern AG betreibt die Akutspitäler Tiefenau, Ziegler, Aarberg, Riggisberg und Münsingen sowie die Heime Elfenau und Belp. Im Jahr 2009 betrugen die durchschnittlichen Fallkosten in diesen Häusern 10 120 Franken. Ab 2012 herrsche «grosse Verunsicherung», sagte Spital-Netz-Finanzchef Reto Flück. Für 2012 gehe man von einem Mittelwert pro Fall von 8800 Franken, für 2013 von 8500 Franken aus. Die Fallpauschale der privaten Spitäler wiederum liege bei 7500 Franken. In den Häusern der Spital Netz Bern AG sind die stationären Kosten pro Patient demnach viel zu hoch. «Diese Preisentwicklung zwingt uns, die Kosten rasch und deutlich zu senken», sagte Flück.

Stadtspital senkt Personalkosten

Im Zuge dieses Kostendrucks hat die Spital Netz Bern AG in den ersten drei Jahren ihres Bestehens Dienstleistungen zentralisiert und Personal abgebaut (siehe Zweittext). In diesem Zusammenhang werden auch die Schliessung des Akutspitals Belp und die Umwandlung in eine geriatrische Rehabilitation von Direktor Furrer als Erfolg verbucht. Angesichts der sinkenden Preise könnten die dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur der Spitäler Ziegler und Tiefenau aber nicht mehr vorgenommen werden. «Mit zwei Standorten in der Stadt haben wir keine Überlebenschance», sagte Furrer. Die Häuser Ziegler und Tiefenau müssten zugunsten eines neuen Stadtspitals geschlossen werden. Der Verwaltungsrat habe ihm den Auftrag erteilt, bis 2015 ein bezugsfertiges Spital zu erstellen. Entgegen den ursprünglichen Plänen soll das neue Haus aber nicht mehr 300, sondern 250 Betten enthalten. Das Investitionsvolumen sinke von 300 auf maximal 250 Millionen Franken. «Mit dem neuen Stadtspital können wir 15 bis 25 Prozent der Personalkosten einsparen», sagte Furrer. Der Spareffekt ergebe sich etwa aus dem Abbau von Doppelspurigkeiten, zum Beispiel im Notfall. In einem Interview mit dem «Bund» hatte der ehemalige Verwaltungsratspräsident Daniel Pauli vor Jahresfrist versichert, dass der Abbau «langsam und über natürliche Fluktuationen» erfolgen soll. «Ohne den Bau des neuen Stadtspitals wäre die Spital Netz Bern AG in acht Jahren am Ende», sagte Furrer. Das neue Haus soll ausschliesslich durch Private finanziert werden. Unter den Interessenten sind laut Furrer zwei Schweizer Grossbanken sowie institutionelle Anleger wie zum Beispiel Pensionskassen. Als mögliche Standorte für den Neubau seien nach wie vor das Areal Tiefenau oder das Insel-Areal im Gespräch. «Ich rechne mit einem Neubau in der Tiefenau, bin aber auch offen für die Insel», sagte Furrer. Ein Neubau neben dem bestehenden Tiefenau-Spital könnte aber durch die Archäologie verunmöglicht werden (siehe Kasten rechts).

Fusion mit Insel in Projektphase

Mit der Schliessung der Akutspitäler Belp, Tiefenau und Ziegler und dem Bau eines neuen Stadtspitals wird die Spital Netz Bern AG die Zahl ihrer Akutspitäler von sechs auf vier verringert haben. Die drei Landspitäler Aarberg, Münsingen und Riggisberg «müssen aber weiter bestehen», wie Furrer versichert. So werde zum Beispiel die Renovation des Operationsbereichs in Aarberg vorangetrieben. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfe das Spital Riggisberg, das sowohl im medizinischen als auch im chirurgischen Bereich zu hohe Kosten pro Patient aufweise.

Der Bau des neuen Stadtspitals werde durch die vom Kanton gewünschte Fusion von Spital Netz Bern AG und Inselspital nicht beeinflusst, sagte Furrer. Der Projektausschuss zur Fusion habe bereits getagt. Die Fusion sei eine «wichtige und interessante Möglichkeit». Mehr dürfe er aber nicht sagen. «In Sachen Fusion liegt die Informationshoheit bei der Gesundheitsdirektion», sagte Furrer. (Der Bund)

Erstellt: 14.05.2010, 07:46 Uhr

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1 Kommentar

Andreas Arnold

14.05.2010, 12:24 Uhr
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Die Fallpauschalen werden die Qualität der Medizin für den Patienten spührbar einschränken. Ob für einen Patienten noch Hoffnung besteht wird in Zukunft von der Wirtschaftlichkeit abhängig gemacht. Je nach Verdienst des Spitals an der Gesamtbehandlung wird dann therapiert werden oder passiv sterbegeholfen. Toll!! Antworten




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