Spätere Schulzeiten – um Nerven der Pendler zu schonen
Von Simon Thönen. Aktualisiert am 25.11.2011 4 Kommentare
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Die kantonale Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) lancierte die Idee vor einem Jahr: Gewisse Schulen könnten den Unterricht später beginnen, um den öffentlichen Verkehr zu den Stosszeiten zu entlasten. Parteikollegin und Grossrätin Flavia Wasserfallen doppelte mit einem Vorstoss im Kantonsparlament nach – und die Idee stiess gestern im Grossen Rat auf breite Zustimmung: Mit 102 Ja gegen 18 Nein bei vier Enthaltungen wurde der Vorstoss an den Regierungsrat überwiesen. Dies allerdings nur in der schwachen Form eines Postulats. Konkret bedeutet dies: Die Mehrheit des Kantonsparlaments will, dass die Regierung die Idee prüft.
«Nerven der Pendler schonen»
SP-Grossrätin Wasserfallen verwies darauf, dass um acht Uhr morgens die absolute Spitzenbelastung im öffentlichen Verkehr sei. Eine Stunde vorher oder nachher sind die Busse, Züge und Trams nur halb so voll. Eine ähnliche Stosszeit im ÖV gibt es dann wieder zur Feierabendzeit. «Zu den anderen Zeiten sind meistens noch Sitzplätze frei», sagte Wasserfallen. «Wenn Schülerinnen und Schüler, die jeden Morgen in die Zentren pendeln, eine Stunde später reisen würden, könnten die öffentlichen Verkehrsmittel besser genutzt werden.» Dies würde zum einen «die Nerven von vielen Pendlerinnen und Pendlern in vollgestopften Verkehrsmitteln schonen», betonte Wasserfallen. Vor allem aber würde der sehr teure Ausbau des ÖV-Angebots zu den Spitzenzeiten ein bisschen weniger massiv ausfallen. «Bevor man für die Beseitigung von ÖV-Engpässe wieder Geld in die Hand nimmt, sollte man solche weichen Massnahmen prüfen.»
Für den Regierungsrat ist ein Verschieben der Schulzeiten «ein interessanter Ansatz». Denkbar wäre ein späterer oder auch ein früherer Unterrichtsbeginn. Die Massnahme beträfe bloss jugendliche Schüler wie Gymnasiastinnen und Berufsschüler. Denn Schulkinder sind kaum mit dem ÖV unterwegs.
«Idee mit Freiwilligen testen»
Der Berufsverband Lehrerinnen und Lehrer Bern (Lebe) habe diese Idee noch nicht diskutiert, sagte Sprecher Michael Gerber auf Anfrage. Mit den kantonalen Sparmassnahmen im Bildungsbereich habe Lebe momentan andere Sorgen. Der Sprecher fand, dass man die Idee zumindest testen könnte. «Man könnte mit Testklassen prüfen, wie sich eine Verschiebung der Schulzeiten auf den Unterricht und die Betroffenen auswirkt.» Die Voraussetzung ist für Gerber, dass die Tests ohne Zwang stattfänden. «Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrpersonen müssten freiwillig mitmachen», forderte er. (Der Bund)
Erstellt: 25.11.2011, 07:17 Uhr
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