Bern

Solarkraft auf Oma Obamas Dach

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 26.04.2010

Im Profil: Andres Wirz (25) will mit einer Solarlampe Licht in einen Slum in Kenia bringen.

«Ich würde mich als Tüftler bezeichnen»: Andres Wirz (links). (zvg)

«Ich würde mich als Tüftler bezeichnen»: Andres Wirz (links). (zvg)

«Die Energiefrage wurde in meinem Elternhaus stets rege diskutiert. Ich bin zwar gelernter Schreiner, habe aber bereits im Alter von 16 Jahren mitgeholfen, eine Solaranlage auf dem Dach einer Mehrzweckhalle in Cudrefin VD zu errichten. Manche nennen mich einen Bastler, aber ‹Basteln› ist der falsche Ausdruck. Ich würde mich eher als Tüftler bezeichnen. In den Jugend-Solar-Projekten von Greenpeace lernte ich Kollegen kennen, die später die Solarfirma Megasol gründeten, an der ich beteiligt bin. Das Liegevelo mit Elektroantrieb, für das ich einst den Jugendpreis der Burgergemeinde Bern gewonnen hatte, erlangte aber nie die Marktreife, wie wir uns das damals in unserem jugendlichen Übermut erhofft hatten. Das von uns entwickelte portable Handy-Ladegerät Sunny war dann ein Erfolg, aber erst im zweiten Anlauf: Die erste Version des ‹Sunny-Walkers› war viel zu gross und hatte in etwa die Dimension einer Freitagstasche. Die zweite Version ist nun etwas grösser als ein iPhone und kommt gut an.»

«Seit anderthalb Jahren absolviere ich die Holzingenieurausbildung an der Fachhochschule Biel. An den Solarprojekten arbeite ich in den Ferien, meist ehrenamtlich. Mit einem kenianischen Kollegen habe ich die Non-Profit-Organisation Solafrica.ch gegründet. Für unser Projekt in Kibera, dem grössten Slum Nairobis, erhielten wir in diesem Frühjahr den Prix Nature, einen Preis für Nachhaltigkeit. In Kibera haben wir eine Produktions- und Reparaturwerkstätte für portable Solarlampen aufgebaut. Zurzeit produzieren dort fünf von uns ausgebildete Einheimische rund 200 Solarlampen im Monat. Die Solarlampen sollen die umweltschädlichen Petrollampen ersetzen, die immer wieder zu Unfällen führen. Die Anschaffung einer Solarlampe in Kibera ist für die dortigen Verhältnisse sicher nicht billig. Die Lampen sind aber nach acht Monaten amortisiert und haben eine Laufzeit von mehreren Jahren. Seit diesem Frühling werden die Lampen auch als Fairtrade-Produkte in der Schweiz verkauft. Im Tropenhaus Frutigen und im Pfadizentrum Kandersteg sowie bei Greenpeace sind sie zudem als Bausätze erhältlich. Kinder und Jugendliche können so lernen, dass die Montage von Solaranlagen nichts Kompliziertes ist.»

«Im Sommer letzten Jahres haben wir in Kenia Solarpanels auf dem Dach von Mama Sarah, der Grossmutter des amtierenden US-Präsidenten, montiert. Bei seiner Wahl hatte Barack Obama Mama Sarah versprochen, sich um die Beleuchtung in deren Haus zu kümmern. Das hat dann aber nicht geklappt. Greenpeace hat daraufhin auf Mama Sarahs Dach eine Solaranlage installiert. Zugleich wurde Obama aufgefordert, sich an der Konferenz in Kopenhagen für eine klimafreundliche Politik einzusetzen. Der US-Präsident hat auf das Schreiben nie reagiert. Mama Sarah hat ihren Enkel aber über die Montage der Panels informiert. Die Verständigung mit Mama Sarah war nur mittels Übersetzung möglich. Die Installation der Panels hatte für sie noch einen erfreulichen Nebeneffekt: Mittlerweile kommen die Leute von weit her, um bei Mama Sarah ihre Handys aufladen zu lassen.»

«Das Projekt in Kenia braucht im Moment viel Betreuung. Solafrica.ch will mit einer solarbetriebenen Station Kibera an der Fussball-WM teilnehmen lassen. Wie es mittelfristig für mich weitergeht, kann ich nicht sagen. Von der Ausbildung her hätte ich kein Studium der Elektrotechnik ergreifen können. Die Ausbildung zum Holzingenieur macht mir aber sehr viel Spass. Ich verstehe mich als Unternehmer. Ob die von mir geführte Firma in der Solar- oder in der Holzbranche tätig sein wird, ist letztlich nicht so wichtig. Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht 40 Jahre als Schreiner arbeiten möchte.» (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2010, 08:20 Uhr

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