Bern

Schüler putzen Berns Lauben sauber

Im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes waren gestern Dienstag 240 Schüler des Wankdorf-Schulhauses als Putzequipen unterwegs. Ziel des Aktionstages war, die Jungen für ein saubereres Bern zu sensibilisieren.

Putzequipe unter dem Baldachin: Valeria Linsi (links) und Denise Biedermann säubern den Bahnhofplatz. (Valérie Chételat)

Putzequipe unter dem Baldachin: Valeria Linsi (links) und Denise Biedermann säubern den Bahnhofplatz. (Valérie Chételat)

Ein ungewöhnlicher Schultag für die Siebtklässler des Wankdorf-Schulhauses: Ausgerüstet mit Papierzangen, Müllsäcken und Handschuhen, ziehen sie «verkleidet» als Reinigungsequipen in leuchtgelben und orangen Warnwesten durch die Berner Innenstadt. Der Reinigungseinsatz der Klasse 7a beginnt am Morgen auf der Grossen Schanze. Am Nachmittag dann ziehen sie vom Waisenhausplatz Richtung Bundeshaus- und Bahnhofplatz weiter. Wegen des Regens weichen die Schülerinnen und Schüler unter den Baldachin und die Lauben der Altstadt aus. Die 7a ist eine von zwölf Schulklassen, welche gestern im Rahmen des Benevol-Aktionstages von «Subers Bärn – zäme geits!» die städtischen Reinigungsequipen einen Tag lang in den Strassen von Bern, auf Plätzen und auch im Bremgarten- und Könizerbergwald unterstützten.

Eine Menge Zigarettenstummel

In Zweier- und Dreiergruppen seien sie mit Papierzangen und Abfallsäcken ausgerüstet am frühen Morgen losgezogen, sagt die 13-jährige Valeria Linsi. Bereits am Mittag seien die drei Säcke, welche sie bekommen hätten, halb voll gewesen: Vor allem Plastik, PET-Flaschen, Zeitungen und Bierdosendeckel hätten sie gesammelt – und jede Menge Zigarettenstummel.

«Ja, Zigaretten – viele Zigarettenstummel mussten wir vom Boden aufheben», bestätigt ihr Mitschüler Mark Tinaj. Das sei anstrengend gewesen. Er habe nicht gedacht, dass so viel Dreck auf der Strasse liege. «Man merkt, wie viel Arbeit darin steckt, die Stadt sauber zu halten», sagt der Zwölfjährige. Man mache sich schon seine Gedanken, wenn man den ganzen Tag den Abfall, welchen die Leute einfach auf den Boden werfen, aufheben müsse.

Anfangs habe es noch Spass gemacht, sagt Denise Biedermann, auch sie eine Schülerin aus der Klasse 7a. Mit der Zeit dann sei es anstrengend geworden. Es sei «mässig motivierend», den Abfall der anderen aufzuheben. Sie selber habe auch schon Abfall auf den Boden geworfen. Das mache sie aber jetzt bestimmt nicht mehr.

Eine «ideale» Lernmethode

Während die Schüler unter dem Baldachin am Berner Bahnhof den Boden säubern, bleibt ein Mann Mitte zwanzig stehen. Erstaunt beobachtet er, wie die Schüler mehr oder weniger motiviert mit den Papierzangen hantieren. Er ist vom Schülerprojekt sichtlich angetan: Es sei richtig, bei den Jungen anzusetzen, diese seien noch lernbereit.

Als «ideal» bezeichnet Klassenlehrer Heinz Scheurer den Aktionstag: Einerseits sei es eine Abwechslung zum alltäglichen Unterricht. Andererseits aber sehe er das Projekt als «Eins-zu-eins-‹Learning by Doing›». Der sinnvolle Anlass trage zudem zur Sozialerziehung der Jungen bei. Scheurer – der im Vorfeld mit der 7a eine Doppellektion zum Thema Abfallentsorgung und Recycling durchgeführt hatte – will, dass die Schüler merkten, in welcher Abfall- und Wegwerfgesellschaft sie lebten. Auch sei ihm wichtig, dass ihnen bewusst werde, wie aufwendig das Sauberhalten der Stadt sei und was das schliesslich für den Steuerzahler bedeute.

«Früh genug sensibilisieren»

Wäre das Wetter besser gewesen, hätte sich nach der Mittagspause weit mehr Abfall angesammelt, und der Effekt wäre grösser gewesen, sagt Marcel Jungo, Verantwortlicher der Strassenreinigung. Er finde das Projekt «sehr wichtig und gut». Und er hoffe, dass es dabei helfe, die Jungen «früh genug zu sensibilisieren», den öffentlichen Raum sauber zu halten.

«Die Stimmung ist gut gewesen», bilanziert Doris Widmer, Geschäftsleiterin von Benevol Bern. Der Verein Benevol, eine Agentur für Freiwillige, organisierte den gestrigen Aktionstag. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein ganzes Schulhaus mit zwölf Klassen bei einem Freiwilligeneinsatz mitgemacht habe. Der finanziell und personell aufwendige Aktionstag müsse nun ausgewertet werden, sagt Widmer. Für die Schüler sei es jedenfalls eine gute Erfahrung ausserhalb des gewöhnlichen Schulalltags gewesen. (Der Bund)

Erstellt: 08.09.2010, 07:41 Uhr

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