Bern

Schlagen, abtun, Hörner sammeln

Von Claudia Blasimann. Aktualisiert am 02.08.2010

Die Hornusser-Gesellschaft Bern-Beundenfeld blickt auf eine 90-jährige Geschichte zurück, und eine sehr erfolgreiche dazu. Nur in dieser NLA-Meisterschaft lief es nicht wie gewünscht.

1/6 Schlagen, abtun, Hörner sammeln
Hornusser Christoph Marti beim Abschlag.
Bild: Manuel Zingg

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Die Sonne brennt vom Himmel auf die Kleine Allmend. Nur am Horizont, über den Alpen, türmen sich einige Wolken. Doch das perfekte Hornusser-Wetter ist es nicht: Weil der Himmel statt stahl- nur fahlblau ist, sehen die Spieler den Nouss beim Abtun nur schlecht. Und so kommt es, dass die Lysser, die Gegner von Bern-Beundenfeld in dieser vorletzten Meisterschaftsrunde der NLA, die schwarze Scheibe schon früh im Spiel einmal im Ries zu Boden gehen lassen und «ein Nummero kassieren».

Auf Jubelschreie oder -gesten von Beundenfeld wartet man vergeblich: Der Respekt vor dem Gegner verbietet dies. Nur der dumpfe Schlag, der sonst ertönt, wenn der Hornuss von der Gegnermannschaft mit der Schindel in der Luft abgefangen wird, bleibt aus. Und ein Handheben der Lysser zeigt an, dass der Hornuss innerhalb des Feldes zu Boden ging.

Prominente auf beiden Seiten

Die Stadtberner liegen nach dem ersten Umgang, wenn jeder der 19 Spieler zwei Mal geschlagen und die Mannschaft danach im Feld verteidigt hat, um 3 Punkte und eben diese Nummer vorne. Im zweiten legen sie beim Schlagen sogar noch einen Zacken zu, beim Abtun bleiben sie weiterhin tadellos. 1330 zu 1304 lautet das Endresultat zugunsten von Bern-Beundenfeld. Stucki Christian, der Spitzenschwinger in den Reihen der Berner, hat neben 18 und 14 auch zwei Mal 22 Punkte dazu beigesteuert, den Nouss also über 320 Meter weit geschlagen (1 Punkt pro 10 Meter ab 100 Metern). Auf der Lysser Seite schlägt ein anderer Prominenter am weitesten: Eishockey-Profi Philipp Rytz, der zusammen mit zwei Brüdern, Vater und Onkel in der Mannschaft spielt, kommt gar noch 20 Meter weiter und hat am Schluss mit 84 die meisten Punkte von allen auf dem Konto.

Hörner – Zeugen des Erfolgs

Im Klubhaus, auf der gegenüberliegenden Strassenseite, wird nach der Partie die Gegnerschaft abgelegt. Gemeinsam essen die Mannschaften nachmittags um vier Uhr Teigwaren, Geschnetzeltes mit Pilzen und Salat. Im Hüsli zeigt sich der ganze Stolz der Hornusser-Gesellschaft: An einer Stirnseite sind die Vitrinen bis unter den Dachgiebel mit Hörnern gefüllt, ein paar weitere hängen sogar noch über der Theke und warten auf ihren endgültigen Ehrenplatz. So wird der Erfolg (Hörner gibt es für den 1. bis 3. Rang, am Eidgenössischen auch für Platz 4 bis 6) langsam zum «Problem»: «Ich weiss gar nicht mehr, wohin ich mit diesen noch soll», sagt Niklaus Gerber, Präsident und NLA-Spieler in Personalunion. Denn hinter dem Glas sind auch noch Krüge und Teller aus Messing sowie drei Pokale zu sehen. Diese «unförmigen Kübel» (Gerber) sind die Auszeichnungen für den Gewinn der Meisterschaft; den letzten holte Bern-Beundenfeld im Jahr 2007.

Jetzt, vor der letzten Runde am Samstag gegen das direkt vor ihnen platzierte Gerlafingen-Zielebach, liegen die Stadtberner auf Rang 7. «Heuer ist es überhaupt nicht gelaufen», sagt Gerber. «Es war wohl die schlechteste Saison seit der Einführung der Meisterschaft 1992.» Die Gründe kennt er: «Wir hatten ein unglaubliches Verletzungspech und konnten so nicht oft in Topbesetzung antreten.» Darunter habe auch das Zusammenspiel im Ries, bei der Abwehr, gelitten. «Und manchmal haben wir auch einfach durch Unvermögen oder wegen blöder Nummern verloren.»

Trotzdem will man auch im letzten Match noch einmal alles geben. «Wir wollen immer gewinnen», sagt Gerber. Seit 2001 setzt er als Präsident die Tradition der Orientierung am Erfolg fort. «Früher gab es auf dem Platz Bern sieben oder acht Gesellschaften. Bier, Zigarren und das Beisammensein zählten da mehr als der Sieg», erzählt Gerber. Die ehrgeizigen Spitzenleute hätten sich dann zusammengetan, und daraus sei das Eliteteam Bern-Beundenfeld entstanden, das zu Beginn noch auf der Grossen Allmend beheimatet war und vor vierzig Jahren im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn auf die Kleine übersiedelte. Acht Mal gewannen die Stadtberner seit der Gründung der Gesellschaft 1920 das Eidgenössische, das alle drei Jahre ausgetragen wird. Die letzten beiden, 2006 und 2009, beendeten sie jeweils auf dem 2. Rang.

Der Landsport in der Stadt

Der Hintergrund der meisten Spieler sei zwar auch bei Bern-Beundenfeld ein ländlicher, sagt Gerber, der selber aus Bowil stammt. Trotzdem sei die Gesellschaft gut aufgehoben und integriert in der Stadt. «Der Quartierverein hat uns beispielsweise geholfen, die Parkplätze auf der Kleinen Allmend zu verhindern», so Gerber. Und das Nebeneinander mit den «Hündelern» und «Parkierern» bei YB-Matches, während der BEA oder während Konzerten klappe gut. Den Rasen mäht der Präsident übrigens meist persönlich. Freiwillig – und gratis. Bei den Aktiven stellt Bern-Beundenfeld drei Mannschaften, neben derjenigen in der NLA auch eine in der NLB sowie in der 3. Liga. Auch Nachwuchsprobleme bekundet die HG Bern-Beundenfeld nicht, jedenfalls nicht dauerhaft. «Es wilet sech», so Gerber. Manchmal, wenn sich ein tonangebender Jugendlicher im Quartier für diesen Sport entscheide, könne man eine eigenes Team stellen. Sonst wird die Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften angestrebt, aktuell ist der Partner Utzigen.

Nun gilt das Augenmerk von Gerber aber der nächsten Runde am Samstag. Nicht nur will man einen positiven Abschluss der Meisterschaft. Der Match gilt auch als Hauptprobe für die zwei Feste, die Ende August folgen. (Der Bund)

Erstellt: 02.08.2010, 09:30 Uhr

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