Romands in Biel als Verlierer einer Jura-Vereinigung
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Autor des 120-seitigen Berichts ist Martin Schuler, Professor an der ETH Lausanne und Generalsekretär der Communauté d'études pour l'aménagement du territoire (CEAT). Die Studie ergänzt den Schlussbericht der Interjurassischen Versammlung (IJV) aus Sicht der Stadt Biel. Die IJV hatte 2009 einen neuen Jura-Grosskanton zur Diskussion gestellt.
Die französischsprachige Gemeinschaft war in Biel schon immer in der Minderheit. Ihre Wurzeln hat sie in der industriellen Entwicklung ab dem 19. Jahrhundert, wie der Bericht aufzeigt: Damals zogen die Uhrmacher aus dem Jura in die Stadt.
Heute ist jeder dritte Schweizer in der Stadt Biel französischer Muttersprache. Der Anteil ist seit Jahrzehnten konstant. Bei den Ausländern ging dieser Anteil hingegen stark zurück und beläuft sich derzeit noch auf gut 50 Prozent.
Würde die Kantonsgrenze südlich des Taubenlochs verlegt, hätte dies aus Arbeitsplatz-Sicht nicht unbedingt negative Folgen, heisst es im Bericht. Gewisse Umstrukturierungen seien in der Gegend sowieso im Gang - manche Einrichtungen gäbe es vielleicht nur noch im Berner Jura, andere dafür nur noch in Biel.
«Im Vergleich zur bestehenden Situation könnten diese Verlagerungen Biel weitere Arbeitsplätze bescheren», hält der Bericht fest. Weniger optimistisch sehe die Entwicklung bei einer Abspaltung des Berner Juras hingegen für die Bieler Zweisprachigkeit aus.
Politischer Wille nötig
«Für den Kanton Bern und für Biel wäre es sehr schwierig, die zweisprachigen Strukturen zu erhalten», betont der Autor. Ausschlaggebend wäre, welche politische Massnahmen der Kanton Bern für die französischsprachige Minderheit ergreifen würde.
Denn die institutionellen Massnahmen, die heute zum Schutz der Minderheit bestünden, würden bei einem Abgang des Berner Jura ja teilweise abgeschafft. Ohne gezielte Unterstützungsmassnahmen hätte die verbleibende Minderheit der Romands «weder das Gewicht noch die Mittel, um ihre Interessen langfristig verteidigen zu können».
Die Vertretung der Frankophonen im Kanton Bern würde demnach von 7 Prozent auf 2 Prozent sinken. Der Präsident des Rats für französischsprachige Angelegenheiten in Biel (RFB), Philippe Garbani, stellt sich deshalb die Frage, ob die 98 Prozent der Berner Bevölkerung Investitionen für die Zweisprachigkeit befürworten würden.
Keine politische Analyse
Die bernische Regierung hat noch keine politische Analyse zum vorliegenden Bericht durchgeführt. Regierungspräsident Philippe Perrenoud (SP) erinnerte jedoch am Freitag vor den Medien daran, dass kein Entscheid über die Zukunft des Berner Juras getroffen werde, ohne die Auswirkungen auf Biel zu prüfen.
Die bernische Regierung habe stets festgehalten, dass eine Trennung vom Berner Jura problematisch für den Kanton und die ganze Schweiz sein könnte, sagte überdies der bernische Vizestaatsschreiber Michel Schwob.
Die Stadt Biel hat noch keine offizielle Stellungnahme zum Bericht abgegeben, wie ihr Stadtpräsident Erich Fehr sagte. Er hob aber die engen Verbindungen zwischen den beiden Regionen hervor.
Die Stadt Biel will sich zwar nicht in die «Jurafrage» einmischen. Doch die Behörden sind der Ansicht, dass die Zukunft der zweisprachigen Stadt in die Erwägungen der Interjurassischen Versammlung einbezogen werden müssen. (bs/sda)
Erstellt: 15.04.2011, 10:15 Uhr
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