«Rauchverbot gefährdet 1400 Jobs»
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 02.12.2009 8 Kommentare
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Die strenge Auslegung des Nichtraucherschutzes im Kanton Bern drücke bei 59 Prozent der bernischen Gastronomiebetriebe auf den Umsatz: Die Einbusse betrage im Schnitt sieben Prozent. Die Zahl hat der kantonale Wirteverband Gastro Bern in einer Umfrage erhoben. 3500 Beizen gibt es im Kanton. 2300 sind Mitglieder des Verbands. Davon füllten 673 den Fragebogen aus – eine Rücklaufquote von einem Drittel. Das sei ein guter Wert, hiess es gestern an einer Medienorientierung in Bern. Der Verband räumte ein, dass die Umfrage nach den reinen Regeln der Sozialwissenschaft nicht repräsentativ sei.
«Der Stammtisch ist tot»
Die Umsatzeinbussen fallen sehr verschieden aus. So melden knapp vier von zehn Wirten, sie hätten seit der Einführung des Rauchverbots überhaupt keinen Rückschlag erlitten. Speiserestaurants kamen mit einem blauen Auge davon, da sich feines Essen und Rauch schlecht vertragen, wie auch Gastro Bern findet: Nur 41,3 Prozent sind von einem Umsatzrückgang betroffen. 71,5 Prozent der Dorf- und Quartierrestaurants beklagen einen Rückgang, in der Kategorie Café/Tea-Room/Bistro sogar 84,3 Prozent. Bei den klassischen Raucherlokalen, den Bars und Pubs, blieb von zehn Betrieben nur gerade einer von Einbussen verschont.
Es fällt auf, dass Betriebe in Tourismusorten mit 45 Prozent markant weniger betroffen sind als jene in Stadt und Region oder in ländlichen Gebieten. Ausländische Touristen seien Rauchverbote bereits aus ihren Heimatländern gewohnt, vermutet Gastro Bern.
Bis zu 60 Prozent weniger Umsatz
In der Umfrage gaben die Wirte an, um wie viel ihr Umsatz zurückgegangen sei. Kantonsweit sagten fast drei von zehn, der Rückgang liege unter 5 Prozent. Fast jeder fünfte Beizer sagte, er habe bis zu 10, bis zu 15 oder gar bis zu 20 Prozent weniger Kasse gemacht. Fast jeder sechste Wirt beklagte gar einen Verlust von mehr als 20 Prozent. Laut Gastro Bern verbergen sich hinter dieser Ziffer Einzelfälle mit 40, 50 oder gar über 60 Prozent Umsatzeinbussen.
Die Zahlen wurden für die Periode Juli bis Oktober 2009 erhoben. Während der schönen Sommertage hätten die Gäste im Garten rauchen können, weshalb das seit 1. Juli geltende Rauchverbot wenig Probleme bereitet habe. Mit Beginn der kalten Jahreszeit habe sich die Lage verschärft, sagte Casimir Platzer, Präsident von Gastro Bern. Die bei den Wirten erhobenen Zahlen zeigten somit eher ein zu positives Bild.
Der Verband hat die Folgen des Verbots errechnet. Geht der Umsatz der bernischen Gastronomie – 2,17 Milliarden Franken – um sieben Prozent zurück, ergibt das eine Umsatzeinbusse von fast 152 Millionen Franken. Rechnet man pro Arbeitsplatz mit einem Jahresumsatz von 107 000 Franken, sind wegen des Rückgangs etwa 1400 Arbeitsplätze nicht mehr finanzierbar. Will heissen: Gemäss Gastro Bern gefährdet das Rauchverbot 1400 Arbeitsplätze.
Wirte akzeptieren Rauchverbot
Gastro Bern unterstütze einen vernünftigen Nichtraucherschutz für Gäste und Belegschaft. Er fordere aber «eine praktikable, vernünftige und verhältnismässige Auslegung, welche die Branche nicht noch weiter unter Druck setzt». Am liebsten hätte Gastro Bern, wenn Bern das etwas liberalere Bundesgesetz übernähme. Bediente Fumoirs und eine Ausnahmeregelung für kleine Einraumbeizen müssten möglich sein. Gastro Bern war in dieser Sache nach Lausanne gezogen und hatte Beschwerde gegen das kantonale Rauchverbot erhoben. Diese hat das Bundesgericht vor wenigen Tagen abgewiesen.
Verordnung aus der Schublade?
Der Entscheid, dessen schriftliche Begründung noch nicht vorliegt, sei «nicht nachvollziehbar und falsch», findet Platzer. Es sei «staatspolitisch fragwürdig», wenn der Regierungsrat nachträglich Verschärfungen in eine Verordnung einbaue, die weiter gingen als das vom Grossen Rat beschlossene Gesetz. Die Verordnung verbietet Ausschankanlagen in Fumoirs und untersagt Jugendlichen unter 18 Jahren den Zutritt. Bussen können laut Platzer nicht verhängt werden, da der entsprechende Passus im Gesetz fehle. Mit diesem Vorgehen habe der Regierungsrat Gastro Bern ausgetrickst, so Platzer, denn hätte schon das Gesetz solche Verschärfungen enthalten, hätte der Verband das Referendum ergriffen. Die Verordnung habe zum Zeitpunkt der zweiten Lesung im Grossen Rat bereits fixfertig in der regierungsrätlichen Schublade gelegen, ist Platzer überzeugt. In den falschen Hals geraten ist ihm auch das Votum von Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (sp), der das Verdikt aus Lausanne mit Genugtuung zur Kenntnis genommen hat. (Der Bund)
Erstellt: 02.12.2009, 08:12 Uhr
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8 Kommentare
Gibt Man bei Google die drei Worte "Rauchverbot, Italien, Unsatzeinbussen" ein, so erhält man fast ausschliesslich Seiten, welche darüber berichten, dass in Italien seit 2007 kaum ein Gastrobetrieb Umsatzeinbussen, zumindest nicht von Dauer, zu verzeichnen hatte. Ähnliches gilt für Irland. Warum es ausgerechnet hier völlig anders sein soll, bleibt unerklärt und offen. Doch die Wirtschaftskrise? Antworten
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