Rachmaninows Vesper
Eine knappe Stunde dauert das Konzert in der Französischen Kirche – ungewöhnlich kurz. Und doch hätte es nicht länger sein dürfen. Dirigent Patrik Ryf sagt über die «Ganznächtliche Vigil» von Sergei Rachmaninow: «Da ist kein Platz für ein Vor- und Nachher.» Die Vesper ist sehr anspruchsvoll – für die Zuhörenden und die Sängerinnen und Sänger. Die A-cappella-Vesper des russischen Komponisten wurde 1915 uraufgeführt und stiess auf gewaltige Begeisterung.
In der Folgezeit wurde das Werk aber nur noch selten auf einem Konzertprogramm gefunden – aufgrund der Aufführungsforderungen der Kirchenbehörden, aber auch wegen der ideologischen Ausrichtung des kulturellen Aufbauprozesses in der Sowjetunion. Nur wenige Monate später verliess Rachmaninow Russland. Die Anarchie hatte die brutale und sinnlose Zerstörung aller künstlerischer Organisationen zur Folge. Dadurch wurde Rachmaninow die Hoffnung auf ein normales Leben verwehrt. Seine «Ganznächtliche Vigil» ist als Symbol für die vor der Revolution und dem Kommunismus in den Westen geflohenen Russen in die Geschichte eingegangen. Der von den Solothurner Vokalsolisten verstärkte BernChor21 hat das geschichtlich wie musikalisch aussergewöhnliche Werk für sein Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen gewählt. Den beiden Chören gelang es unter der Leitung von Patrick Ryf und Patrick Oetterli vortrefflich, einen homogenen, raumfüllenden Gesamtklang zu erzeugen. Langsame Tempi sangen die Musizierenden spannungsvoll aus, schnelle schienen nur selten überhetzt. Nur die Solisten liessen einige Wünsche offen: Der Tenor Sergey Aksenov forcierte seine Stimme teilweise zu sehr, das Volumen der Altistin Jane Tiik erlaubte dem Ton nicht, den Bühnenrand zu verlassen.
Der Chor hätte sich kaum mehr zurücknehmen können. Bemerkenswert war der tragfähige und dunkle Bass Ismael Arroniz, der die Stimme des Diakons sang. Vieles wurde richtig gemacht, und doch fehlte dem Konzert der glühende Funke, der den Abend zu einem unvergesslichen Ereignis hätte werden lassen. (Der Bund)
Erstellt: 15.03.2010, 09:02 Uhr
Bern
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.



