Bern

Die Anti-AKW-Camper kommen der Stadt teilweise entgegen

Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 29.04.2011 12 Kommentare

Wie es mit der Zeltstadt vor der BKW weitergeht, war am Donnerstag zweimal ein Traktandum. Einmal im Büro von Sicherheitsdirektor Reto Nause und einmal im Camp.

Bis Donnerstagabend sollen einige Zelte des Anti-AKW-Camps abgebaut werden. (Adrian Moser)

Bis Donnerstagabend sollen einige Zelte des Anti-AKW-Camps abgebaut werden. (Adrian Moser)

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Wer sich auf einen längeren Kampf einstellt, errichtet ein Zeltlager. Das war schon bei den alten Römern so und hat sich bis heute nicht geändert. Auch nicht im Kampf gegen Atomstrom: Um der Forderung, das AKW Mühleberg abzuschalten, Nachdruck zu verleihen, campieren in Bern seit drei Wochen AKW-Gegner vor dem BKW-Hauptsitz. Dass sich die Protestierenden häuslich eingerichtet haben, ist Sicherheitsdirektor Reto Nause aber ein Dorn im Auge: «Der Gemeinderat will kein ständiges Camp auf Stadtboden, in dem geschlafen, gekocht und gegessen wird.» Am Mittwoch verlangte die Stadtregierung deshalb, dass das Camp in den nächsten Tagen abgebaut werde.

«Konstruktives» Gespräch geführt

Um die Zukunft des Camps zu besprechen, traf sich Nause Donnerstag Vormittag mit den Aktivisten in seinem Büro. Wie bereits in den vier vorhergehenden Gesprächen habe er den Campern den Vorschlag gemacht, das Lager durch eine «ständige Mahnwache» zu ersetzen, so Nause. Es sei ein «konstruktives» Gespräch gewesen: Erstmals sei es den Parteien gelungen, «materiell» über den Vorschlag zu sprechen: «Es wurde nicht mehr einfach gesagt, ‹wir bleiben vor der BKW, bis Mühleberg abgeschaltet wird›. Erstmals zeichnete sich eine gewisse Kompromissbereitschaft ab.» So willigten die Aktivisten ein, noch am gleichen Tag jene Zelte abzubauen, die über Ostern entlang der Böschung zum Kursaal aufgebaut worden waren.

Für den Gemeinderat ist eine Mahnwache ein Protest ohne befestigte Infrastruktur. Dass der Begriff auch anders ausgelegt werden könnte, stellt Nause nicht in Abrede: «Möglicherweise gehen die Vorstellungen darüber, was eine Mahnwache ist, auseinander.»

Die Camper halten sich bedeckt

Ob und in welcher Form die Camper dem Vorschlag einer Mahnwache entsprechen wollen, diskutierten sie am Abend an der Vollversammlung. Nur zu gern hätte der «Bund» an dieser Stelle die Diskussion um die Forderungen der Stadt abgebildet. Nach einer halbstündigen basisdemokratischen Entscheidungsfindung wurde uns aber beschieden, dass Medienvertreter nicht willkommen seien – der Aufschrift «alle sind willkommen» am Camp-Eingang zum Trotz. Informiert werden die Medien stattdessen an der Pressekonferenz vom Freitag.

Dass die Camper ohne weiteres von ihrer Absicht abrücken, weiterhin vor der BKW auszuharren, ist zu bezweifeln: Als zweites Traktandum wurde im Plenum die Camp-Organisation besprochen: Wer kümmert sich als Nächstes ums Putzen, Kochen, «Fötzelen». Und wo ein Ämtliplan ist, ist das Fort meistens nicht weit. (Der Bund)

Erstellt: 29.04.2011, 07:13 Uhr

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12 Kommentare

Tom Locher

28.04.2011, 14:16 Uhr
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Wann endlich stellt sich der Gesamtgemeinderat hinter die Forderungen des AKW-ADE-Camps und verlangt von der BKW ultimativ die sofortige Abschaltung des Schrottreaktors Mühleberg? Zwei Drittel der Stadtbevölkerung habt schliesslich deutlich Nein zum nuklearen Risiko in Mühleberg gesagt! Antworten


Tobias E. Muff

28.04.2011, 13:43 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

Gratiskurs in Basisdemokratie an U.P. Kaiser: an einer Vollversammlung bestimmt nicht eine Mehrheit über eine Minderheit, sondern man sucht den Konsens, dem alle zustimmen können. Kann mühsamer sein, ist aber befriedigender. Antworten



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