Progr: Neuorganisation aufgegleist
«Natürlich läuft noch nicht alles perfekt», sagte Peter Aerschmann, Präsident der Stiftung und Videokünstler, vor den Medien in Bern. Allerdings sei die neue Leitung auch erst seit einem Monat aktiv. Normalerweise habe man immer 100 Tage Zeit, bevor ein erstes Fazit gezogen werde.
Der Progr ist seit August des vergangenen Jahres in den Händen der Künstler. Am 17. Mai 2009 sprachen sich die Stadtberner Stimmberechtigten für den Verkauf des ehemaligen Progymnasiums an die Kunstschaffenden aus.
Das Gegenprojekt der Zürcher Firma Allreal zur Schaffung eines Gesundheitszentrums unterlag, obwohl diese Offerte in einem Wettbewerbsverfahren auf dem ersten Platz gelandet war. Beinahe in letzter Minute arbeiteten die Künstlerinnen und Künstler noch einen Gegenentwurf aus.
Bis Ende 2009 leitete noch die Abteilung Kulturelles der Stadt das Kulturzentrum interimsmässig. Danach wurden in der Bevölkerung und den Medien immer wieder Fragen laut, wie es nun konkret mit dem Progr weitergehe.
Finanzierung zurzeit gesichert
«Im Kern ist der neue Progr ganz der alte», versicherte Stiftungsrat und Musiker Matthias Kuhn. Das Kulturzentrum bleibe ein Atelierhaus. Rund 150 Künstler sind eingemietet. «Das Haus ist randvoll», sagte Kuhn.
Dank der daraus resultierenden Mieteinnahmen kann das Kulturzentrum seine laufenden Ausgaben und Unterhaltskosten decken, wie Günther Ketterer, Stiftungsrat und Immobilientreuhänder sagte. Die langfristige Finanzierung bleibe aber eine Herausforderung.
«Auf unserem Bankkonto liegen derzeit 1,7 Millionen Franken, die auf den Start der Sanierung warten», sagte Ketterer. Für die Sanierung sind 8 Millionen Franken budgetiert, die mit bereits garantierten Darlehen und Hypotheken gedeckt werden sollen.
Dem Kulturzentrum steht ein rund dreijähriger Umbau bevor. Im Mai will die Stiftung das Baugesuch einreichen.
Bei der Sanierung geht es vor allem um die «Hülle» des Kulturzentrums, primär um die Sandsteinfassaden und das Dach. Der Kunstbetrieb geht während der Bauarbeiten weiter. Der Beginn der Sanierung ist frühestens für November 2010 geplant.
Vom Umbau betroffen ist auch die Café-Bar «Turnhalle», die sich im Erdgeschoss des Kulturzentrums befindet. Hierfür rechnen die Barbetreiber mit einem sechstelligen Betrag.
Mit der Stiftung Progr verhandeln nun die «Turnhalle»-Betreiber nicht zuletzt auch über den künftigen Mietzins. Diesen möchte die Stiftung erhöhen.
Kinder-Progr geplant
Das Erdgeschoss des Progr soll bis im Sommer schrittweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hier sollen etwa private Galerien dazukommen. Im ersten Stock sind Kulturinstitutionen eingemietet. Im zweiten und dritten Stock sind die Künstler tätig, im Untergeschoss wird musiziert.
Nach wie vor verzichtet das Progr bewusst auf einen Kurator. «Wir sind ein Sammelsurium von Künstlern, und das ist ein Standortvorteil», sagte Stiftungsratsmitglied Matthias Kuhn dazu. Seit Anfang Jahr ist für die administrative und operative Leitung des Progr die Kulturmanagerin Susanne Ammann zuständig.
Zu den zukünftigen Projekten zählt etwa der Kinder-Progr. Damit will das Kulturzentrum Knaben und Mädchen im Alter von 6 bis 12 Jahren spielerisch Kunst und Kultur näher bringen. Zurzeit laufen die Verhandlungen für die Finanzierung dieses Projekts. (bs/sda/)
Erstellt: 05.02.2010, 13:03 Uhr

















