Pro Velo fordert Schnellrouten für Velopendler
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 12.02.2011
Was für London oder Kopenhagen gut ist, soll auch in Bern Fuss fassen: Pro Velo lanciert die Idee eines Netzes aus Velo-Schnellrouten. «Gegen Ende des fossilen Zeitalters muss sich die Region Bern ein Netz von Velobahnen leisten», schreibt die Vereinigung in ihrer Mitwirkung zum regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept. Wer dereinst auf einer Velo-Schnellroute von Worb nach Worblaufen fahre, orientiere sich nicht an einem gemütlichen «Durch-die-Landschaft-Gondeln». Er wolle vielmehr möglichst rasch vom Wohnort zum Arbeitsplatz gelangen.
Velo-Schnellrouten sind so breit, dass in jeder Richtung problemlos überholt werden kann. Zudem sollen die Zweiradpendler auf einem Weg von fünf Kilometern maximal dreimal von Rotlichtern oder Kreuzungen unterbrochen werden. «Es ist richtig, wenn der Autoverkehr auf dem Weg ins Zentrum dosiert wird. Weniger sinnvoll ist es aber, dass davon auch die Velofahrer betroffen werden», sagt Stefan Jordi, SP-Stadtrat und Präsident von Pro Velo.
Bundesgelder für Velos «abholen»
Gemäss den Vorstellungen von Pro Velo können Velo-Schnellrouten sowohl als Streifen entlang von Hauptverkehrsachsen als auch als eigene Pisten realisiert werden. Solche separaten Bahnen könnten entlang von Autobahnen und Bahnlinien errichtet werden. Eine Projektskizze von Pro Velo sieht ein Basisnetz für Velo-Hochleistungsverbindungen in einem Umkreis von 10 bis 15 Kilometern rund ums Stadtzentrum vor. Jordi weist auf die bereits bestehenden Routen Länggasse–Hinterkappelen, Gaswerkareal–Wabern und Zollikofen–Wankdorf hin und spricht von «Netzlücken», die geschlossen werden müssten. Einen Bedarf nach Velo-Schnellrouten gebe es insbesondere im Raum Ostermundigen und in Bern-Süd von Niederscherli über Belp und Münsingen bis Worb. Wie hoch der Bedarf an neuen Routen ist und welche Kosten dies verursachen würde, kann Jordi nicht sagen. «Dazu sind unsere Ideen noch zu wenig konkret.» Der Pro-Velo-Präsident hofft, mit der Aufnahme der Idee ins Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept von Bundesgeldern profitieren zu können. «Es wäre begrüssenswert, wenn Bundesgelder nicht nur in Grossprojekte wie den Wankdorfkreisel, sondern auch in den Veloverkehr fliessen würden.»
«Billiger als Zug, Bus und Tram»
Auslöser der Debatte über Velo-Schnellrouten ist die von der Regionalkonferenz prognostizierte Zunahme der Bevölkerungszahlen in der Region Bern um 6 Prozent bis 2030. Gemäss diesen Vorhersagen wird der Individualverkehr im gleichen Zeitraum um 25 und der öffentliche Verkehr gar um 60 Prozent zunehmen.
«Es ist falsch, sich nach diesen Prognosen zu richten. Sie müssen mit raumplanerischen Massnahmen bekämpft werden», sagt Stéphanie Penher, GB-Stadträtin und Co-Präsidentin der VCS-Regionalgruppe Bern. Der Bau von Velo-Schnellrouten trage aber nicht etwa zur Zunahme der Pendlerströme, sondern zum Umsteigen vom Auto aufs Velo bei. «Velo-Schnellbahnen sind zudem um einiges billiger als Zug, Bus und Tram», sagt Penher. Velo-Politikerin und Stadträtin Aline Trede (GB) wiederum findet Velo-Schnellbahnen speziell für E-Bikes interessant. «Mit einem E-Bike könnte man auf einer Velo-Schnellroute sogar von Worb nach Bern pendeln.» Allerdings brauchte es hierfür «zusätzliche Kampagnen», damit nicht die Velofahrer aufs E-Bike, sondern die Autofahrer aufs Velo umsteigen würden. Trede hat jüngst einen Vorstoss zum Thema eingereicht. Darin fordert sie den Gemeinderat auf, mit den Nachbargemeinden die Planung von «auf den Alltagsverkehr fokussierten Veloverbindungen» in Angriff zu nehmen.
SVP: Keine Sonderrechte für Velos
Auf bürgerlicher Seite stösst die Idee von Velo-Schnellbahnen auf wenig Begeisterung: «In Sachen E-Bikes muss etwas passieren», sagt Roland Jakob, Chef der SVP-Fraktion im Berner Stadtrat. Angesichts der hohen Geschwindigkeit dieser Vehikel müssten die Fahrer stärkere Helme tragen. Zum Schutz der Fussgänger sollte es E-Bike-Fahrern zudem verboten werden, Velowege auf Trottoirs zu benutzen.
Velo-Schnellrouten findet Jakob aber «nicht gut». Besonders stossend sei die unterbruchfreie Fahrt ins Zentrum für bloss eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern. «Die Verkehrsregeln gelten für alle. Es darf keine Sonderrechte für Velos geben», sagt Jakob. Falls die Idee trotzdem Schule machen sollte, werde die SVP ihrerseits Sonderrechte für den motorisierten Individualverkehr einfordern. «Für Autofahrer hätte eine Verbannung der Velofahrer vom Basisstrassennetz nur Vorteile», sagt Jakob. (Der Bund)
Erstellt: 12.02.2011, 10:37 Uhr
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