Polizei verbietet Glace-Velo
Von Patricia Götti. Aktualisiert am 21.08.2009 3 Kommentare
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Gerne hätte Lukas Harder den Bernerinnen und Bernern «eine kühle Überraschung verschafft». Nein, der notorische Weltverbesserer will nicht etwa die ehemalige Kulturoase Paradisli im Schönbergpark wieder besetzen, die im Frühling 2008 polizeilich geräumt worden war. Und mit «kühler Überraschung» meint der erfolglose Stadtratskandidat der November-Wahlen auch nicht, aus spätem Frust über die zu dieser Gelegenheit erzielten spärlichen Stimmen (1774 an der Zahl) das Berner Rathaus mit Trockeneis-Raketen zu stürmen. Denkbar friedfertig ist Harders Ansinnen diesmal: Er möchte mit einem Dreirad-Velo in Bern umherfahren und Passanten Glacen und kalte Getränke verkaufen.
Spielverderberin ist jedoch die Gewerbepolizei, die Harder die Bewilligung verwehrt. Ein Glace-Velo schränke die «Zirkulationsmöglichkeiten» der Fussgänger ein, die verkauften Glacen und PET-Fläschli führten zu Littering. Und ausserdem, so die polizeiliche Befürchtung, würden weitere Velo-Händler angelockt, wenn einem von ihnen die Bewilligung erteilt würde.
Der streitbare Lukas Harder reicht daraufhin Beschwerde ein bei der Sicherheitsdirektion: Die Polizei scheine die Gesetze nicht zu kennen, berufe sich auf antiquierte Marktreglemente und messe mit verschiedenen Ellen. «Ich habe nämlich an einem heissen Tag im Juni gesehen, wie von Nestlé angeheuerte Leute auf Fahrrädern in der Altstadt massenhaft Getränkeflaschen verteilten», sagt Harder. Dazu Stellung nehmen wollen weder die Gewerbepolizei noch die städtische Sicherheitsdirektion. Es handle sich schliesslich um ein laufendes Verfahren, sagt Generalsekretär Martin Albrecht. Der Entscheid über die Beschwerde werde «so rasch als möglich» fallen, «in den nächsten Wochen». Noch vor Ende der Sommersaison also.
Bis dahin will Harder ungerührt mit seinem Velo durch Bern tingeln. «Ich verteile sporadisch Gratis-Sirup in der Innenstadt und an der Aare, Sirup, den der ,Sirupier de Berne‘ gesponsert hat», sagt er. Vorgestern, gestern und heute. Mit polizeilichen Problemen rechnet Harder nicht: «Gratis verteilen braucht ja offenbar keine Bewilligung.» Und im Fahrverbot schiebe er sein Velo einfach oder fahre im Schritttempo. (Der Bund)
Erstellt: 21.08.2009, 10:25 Uhr
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3 Kommentare
Also manchmal frage ich mich schon wo der gesunde Menschenverstand bleibt. Jeder sieht nur gerade bis zum eigenen Gartenzaun und nicht weiter (und das in der jupi globalisierten Welt). Ja es ist ein Unterschied ob Nestle oder Jekami Glace oder so verteilt. Erstere kann bei Problemen zur Verantwortung gezogen werden, bei zweiteren wer wüsste später noch bei wem er die verd. Ware gekauft hat! Antworten
Es ist erstaundlich, dass ein einzelner Mann mit einer kreativen umweltfreundlichen Idee so aufsehenerregend ist. Die Umweltverschmutzung dagegen ist ja nicht sehr interessant. Was nützt eine funktionierende Wirtschaft und Gier nach Konsum, wenn wir dann wegen all den Auto- Abgasen nicht mehr atmen können ? Antworten
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René Müller
Die Berechtigung ist sehr schwierig zu beantworten. Ja = Würstchen-Sandwitch-Blumen-Zeitung-Bonbon-Kaffee-Gebäckrad- usw. Wo wäre dann die Grenze zu ziehen? Was wenn plötzlich dutzernde von Verkaufsdreiräder in der Stadt sind? Obwohl ich die Idee gut finde, die abweisenden Begründungen sind eher Fadenscheinig. Antworten