Bern

Linke Empörung und bürgerliche Zufriedenheit nach Camp-Räumung

Aktualisiert am 21.06.2011 76 Kommentare

Die Polizei hat in der Nacht auf Dienstag das AKW- Protest-Camp vor dem Hauptsitz des Berner Energiekonzerns BKW geräumt.

1/5 Die Räumung erfolgte nachts um halb vier.
Bild: Dominik Steiner

   

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Bei der Polizeiaktion wurden 26 Aktivistinnen und Aktivisten angehalten. Atomkritische Kreise zeigten sich empört über die Aktion.

Die Verantwortlichen des Protest-Camps bezeichneten die Räumung als «populistisch, feige und mutlos». So schwenke die rot-grüne Berner Stadtregierung auf die Schiene der Atomlobby ein. Verschiedene Parteien aus dem links-grünen Spektrum verurteilten die «Nacht- und Nebelaktion».

Die SP der Stadt Bern zeigte zwar Sympathien für die Anliegen der Aktivisten, betonte aber auch dass diese ihre Forderungen nun zwei Monate hätten kundtun können. Nun sei eine andere Form des Protests angezeigt.

Von Bürgerlicher Seite her wurde die Räumung begrüsst. Die Freisinnigen etwa hätten eine solche Aktion bereits viel früher gewünscht, wie sie am Dienstag mitteilten.

Die SVP hatte bereits vor einiger Zeit einen Vorstoss zur Räumung des Areals eingereicht. Er wäre am kommenden Donnerstag im Stadtparlament traktandiert gewesen.

Gemeinderat in der Kritik

Tatsächlich geriet die rot-grüne Berner Stadtregierung im Zusammenhang mit dem Zeltlager immer stärker unter bürgerlichen Beschuss. Verschiedene Politiker warfen dem Gemeinderat vor, dem Treiben der Anti-AKW-Aktivisten untätig und führungsschwach zuzusehen.

Man habe viel Verständnis dafür gezeigt, dass nach der Katastrophe von Fukushima das Bedürfnis bestand, sich für die Abschaltung von Atomkraftwerken einzusetzen, rechtfertigte sich der Gemeinderat am Dienstag in einer Mitteilung.

Sogar eine Mahnwache, etwa in Form von Transparenten, hätte die Stadtregierung auf der kleinen Wiese vor dem BKW-Hauptsitz toleriert. Die Aktivisten seien aber nicht bereit gewesen, einzulenken.

Zuspruch nach Fukushima

Anti-AKW-Aktivisten hatten Anfang April nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ein zunächst kleines Zeltlager auf der Wiese vor dem BKW-Hauptsitz errichtet. Sie wollten so lange bleiben, bis der Konzern das AKW Mühleberg abschaltet.

In den Tagen nach Fukushima erhielten die Camp-Teilnehmer viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Aus den paar Zelten wurde rasch ein grösseres Zeltlager. Im Camp fanden regelmässig Konzerte, Lesungen und andere Aktivitäten statt.

Die Stadt Bern tolerierte das Zeltlager zunächst und versuchte im Gespräch mit den Organisatoren einen Zeitpunkt für den Abzug des Camps auszuhandeln. Einigen konnten sich die beiden Parteien aber auch nach wochenlangem Hin und Her nicht.

Polizeiaktion im Morgengrauen

Am frühen Dienstagmorgen nun fuhr die Polizei gegen 3.30 Uhr vor dem kleinen Parkareal auf. Alle Campierer wurden angehalten und einer Personenkontrolle unterzogen. Gegen 6.30 Uhr wurden sie wieder auf freien Fuss gesetzt.

Nach der Räumung bewachte die Polizei das abgesperrte Areal am Viktoriaplatz. Die Stadtgärtnerei machte sich unverzüglich daran, das Terrain umzugraben.

Bereits am Dienstagmittag versammelten sich rund 200 Personen vor dem abgesperrten Gelände, um gegen die Räumung des Camps zu protestieren. Die Aktion mit einem Konzert des Sängers Christoph Trummer verlief friedlich. Die Polizei war mit einem Aufgebot vor Ort.

Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen ihren Protest weiterführen, bis das AKW Mühleberg vor den Toren der Stadt Bern vom Netz genommen werde, betonte ein Sprecher.

Eine Protestkundgebung am Dienstagabend verlief weitgehend friedlich. Mehrere Hundert Personen solidarisierten sich mit den AKW- ade-Aktivisten und protestierten gegen die Räumung der Zelte. Die Organisatoren hatten zu einer bunten und friedlichen Demo aufgerufen, weil nur dies ihren Anliegen nütze. Eine weitere Kundgebung soll am Donnerstag folgen. (dam/sda)

Erstellt: 21.06.2011, 06:50 Uhr

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76 Kommentare

Peter Beutler

21.06.2011, 08:47 Uhr
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Die jungen Leute auf dem Camp sind bestintegrierte Jugendliche: Lehrlinge, Gymnasiasten, Studenten. Wahrscheinlich die meisten von ihnen um einiges intelligenter und gebildeter als die Urheber einiger Kommentare hier. Dereinst werden sie als Handwerker, Anwälte, Ärzte, Lehrer in unserer Gesellschaft eine massgebende Rolle spielen. Die Zeit der verkrusteten AKW-Enthusiasten ist abgelaufen. Antworten


Rahel Ruch

21.06.2011, 08:41 Uhr
Melden 40 Empfehlung 0

Zuerst einen auf Dialog machen und dann unangekündigt räumen. Nicht gerade die feine Art. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Leute über ein paar Zelte aufregen - und wie wenig über einen gefährlichen Schrottreaktor in nächster Nähe unserer Stadt. Und jetzt ist auch der Gemeinderat noch so feige. Mühleberg abschalten! Antworten



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