Bern

Pflegeheime: Kanton will Geld zurück

Von Simon Wälti. Aktualisiert am 06.09.2010

Über 80 Wohn- und Pflegeheime im Kanton Bern müssen insgesamt 140 Millionen Franken an Investitionsbeiträgen zurückzahlen – bei der Stiftung Tilia allein geht es um 53 Millionen Franken.

Ins Heim der Tilia-Stiftung in Köniz sollen in den nächsten Jahren 38 Millionen investiert werden. (Valérie Chételat)

Ins Heim der Tilia-Stiftung in Köniz sollen in den nächsten Jahren 38 Millionen investiert werden. (Valérie Chételat)

Erst Ende März hat der Regierungsrat einen Kredit von 53 Millionen Franken für die Sanierung der Tilia-Heime in Köniz und Ittigen bewilligt. Wie und wie viel davon wirklich fliessen wird, ist offen. Wie mögliche Rückzahlungsmodalitäten aussehen, wird demnächst in Gesprächen zwischen Kanton und der Tilia-Stiftung ausgehandelt. Die Stiftung für Langzeitpflege Tilia muss sich auch anderweitig nach Geld umsehen. Grund dafür ist die «Neuordnung der Infrastrukturfinanzierung» des Kantons. «Wir betreten Neuland», sagt Tilia-Direktionspräsident Dieter Hannich. «Die Realisierung des grossen Renovationsprojekts wird für Tilia nun schwieriger. Es wird eine Herausforderung.»

Beide Heime werden saniert

Die Stiftung könnte auch Geld bei einer Bank beschaffen und beim Kanton um ein Darlehen nachsuchen. Die Bauprojekte und grösseren Investitionen würden nun noch einmal überprüft, sagt Hannich. «Dann schauen wir, wie und in welchen Zeiträumen die Bauarbeiten ausgeführt werden und wie sie abschliessend finanziert werden.» Weil der Kanton sich aus der direkten Finanzierung verabschiedet, sind gewisse kantonale Auflagen und Richtlinien (zum Beispiel betreffend Minergievorschriften oder Erdbebensicherheit) nicht mehr absolut zwingend. Dies soll in den anstehenden Verhandlungen mit dem Kanton berücksichtigt werden.

Für die umfassende Erneuerung und Erweiterung der rund 40-jährigen Gebäude in Köniz sind 38 Millionen Franken vorgesehen. Knapp 15 Millionen Franken sind es für einen Neubau und Anpassungen am Hauptgebäude in Ittigen, wo zusätzlich auch gegen 60 Alterswohnungen erstellt werden sollen. Die Umbauten müssten aufeinander abgestimmt werden, sagt Hannich. «Es wird auch Provisorien brauchen.» Der Baubeginn ist 2011 geplant, wird aber nach erfolgter Auslegeordnung möglicherweise noch leicht angepasst. Der Bezug der renovierten und neuen Räumlichkeiten verläuft gestaffelt ab 2013.

Über 80 Heime sind betroffen

Zwischen 80 und 90 der insgesamt 330 Heime im Kanton Bern erhalten vom Kanton eine Rechnung. Rund 140 Millionen Franken will der Kanton zurück (siehe Kasten). Die Rückzahlung soll bereits bis Ende Januar 2011 erfolgen. Am stärksten betroffen sind Institutionen, die erst vor kurzem eine Sanierung oder einen Umbau vorgenommen haben, wie das Seelandheim Worben, welches 9,3 Millionen Franken zurückzahlen muss. Vor allem der Umbau und die Sanierung des Sunnehus schlagen hier zu Buche. Der Vorstand des Heims wird nun bei Banken anklopfen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Heim Sanierungsbedarf ausweist – weitere Investitionen sind nötig. Trägerschaft des Seelandheims ist ein Gemeindeverband. Auch Domicil, das 15 Heime in Bern und eines in Hinterkappelen führt, muss Geld zurückzahlen – insgesamt 5,6 Millionen Franken, wie Beat Brand, Direktor Finanzen, sagt. «Das sollte machbar sein.» Brand rechnet damit, dass die Beschaffung des Geldes keine grösseren Probleme aufwirft. Zudem liegen die Zinsen derzeit bei günstigen 1,5 bis 2,0 Prozent. Brand sieht sogar einen Vorteil bei der neuen Regelung: Weil bei der Planung von Umbauprojekten weniger Partner involviert seien als bisher, werde diese weniger aufwendig und zeitintensiv ausfallen.

Hohe Investitionen in Frienisberg

Paul Hirsiger, seit August neuer Direktor des Wohn- und Pflegeheims Frienisberg, will mit dem Kanton über die Höhe der Rückzahlung verhandeln. Bei der Selbstdeklaration, die alle Heime einreichen mussten, kam er auf eine Summe von 310 000 Franken, es ist aber gut möglich, dass der Kanton einen höheren Betrag fordern wird. «Bisher durften wir gemäss Tarifregelung keine Rückstellungen vornehmen, da setze ich schon ein Fragezeichen hinter die neue Regelung.» Auf das Heim mit seiner historischen Klosteranlage kommen grosse Investitionen zu. «Ich rechne mit 20 Millionen Franken in den nächsten fünf Jahren.» Die Anforderungen an die Heime seien komplexer geworden: «Es gibt mehr Pflegefälle mit hohem Betreuungsaufwand, zum Beispiel wegen Altersdemenz», erklärt Hirsiger. Es sei aber positiv, dass die Betreiber der Heime mit dem neuen System nun selber die Verantwortung trügen. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2010, 07:22 Uhr

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