Pensionskasse Ascoop kündigt Hypotheken
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 09.11.2009
Die Pensionskasse Ascoop zieht sich aus dem Hypothekengeschäft zurück. Sie hat alle bestehenden Hypotheken gekündet, mit Brief von Ende Oktober. Offenbar pressiert es: «Das gesamte Hypothekarportfolio der Pensionskasse der Ascoop soll schnellstmöglich aufgelöst werden», steht im Brief. Am liebsten wäre es der Pensionskasse, wenn die Besitzer von Eigenheimen oder Wohnungen sich bereits auf Ende Jahr eine neue Bank suchen, welche die Hypotheken übernimmt. «Wir bitten Sie, beide Kredite bis spätestens Ende 2009 zurückzuführen bzw. von einem anderen Unternehmen ablösen zu lassen», steht in einem der Briefe, der dem «Bund» vorliegt. Dass dies als Bitte formuliert ist, hat einen Grund: Die Kündigungsfrist für die variable Hypothek beträgt sechs Monate.
«Es ist ein strategischer Entscheid des Stiftungsrates», sagt Stiftungsratspräsident André Jaeggi. Er wurde im Juni 2009 an der Delegiertenversammlung neu in das Amt gewählt. «Wir wollen alle Hypotheken aufheben, wir brauchen liquide Mittel, um flexibel zu bleiben.» Im Brief heisst es, dass Hypotheken «taktisch kaum beeinflussbar und daher relativ illiquide» seien. «Das bereitet uns hauptsächlich bei Austritten von Unternehmungen aus der Pensionskasse Ascoop Probleme», ist zu lesen. Allerdings gehe es auch darum, das Portfolio im Gleichgewicht zu halten, wenn die neue Sammelstiftung Symova gegründet werde, sagt Jaeggi. Sonst sei der Anteil des Hypothekargeschäfts im Anlagevermögen der verbleibenden Ascoop zu hoch. Wie viele Personen von der Kündigung der Hypotheken betroffen sind, will Jaeggi nicht sagen. Gemäss Geschäftsbericht 2008 macht der Bereich Hypotheken 223 Millionen Franken aus. Gesamthaft verfügt Ascoop über ein Anlagevermögen von 2,07 Milliarden Franken. Bei den Kreditnehmern handelt es sich in erster Linie um Angestellte von Privatbahnen in der Schweiz.
Keine Härtefälle erwartet
Immerhin haben die Kunden Glück. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die «Bähnler» plötzlich aus ihren Häusern ausziehen müssen, weil niemand die Hypotheken übernehmen will. Es werde wohl bei der derzeitigen Zinssituation nicht so schwierig sein, eine andere Bank zu finden, welche die Hypotheken übernehmen werde, sagt ein Betroffener. Im Brief wird in diesem Fall auf die Raiffeisen verwiesen, die «gerne bereit ist, die Übernahme Ihrer Hypothek zu prüfen». Unter Umständen werde der neue Zinssatz sogar günstiger ausfallen, sagt Jaeggi dazu.
Lage hat sich verbessert
Zu den rund 130 Unternehmen, deren Vorsorgewerke von der Ascoop geführt werden, gehören auch die BLS und der RBS. Von einem Aufstand düpierter «Bähnler» ist bisher nichts zu hören. Beide Unternehmen wollen in der geplanten neuen Sammelstiftung Symova mitmachen, die nächstes Jahr gegründet werden soll. Um sich dieser Sammelstiftung anschliessen zu können, braucht es einen minimalen Deckungsgrad von 81,23 Prozent per Ende Jahr. Im BLS-Verwaltungsrat werde im Dezember entschieden, sagt Mediensprecher Hans Martin Schaer. Falls dieser den Übertritt befürworte, werden die Versicherten nächstes Jahr definitiv entscheiden. Rund 2500 BLS-Angestellte sind bei der Ascoop versichert. «Für das Vorsorgewerk der BLS rechnen wir mit einem Deckungsgrad von 82 Prozent auf Ende Jahr», sagt Schaer. Die geforderte Minimaldeckung würde also erreicht.
Die Ascoop hat weiterhin grossen Sanierungsbedarf. Doch: «Der Deckungsgrad hat sich substanziell verbessert», sagt Stiftungsratspräsident Jaeggi. Ende 2008 lag er bei 72,8 Prozent. Die Performance betrug im laufenden Jahr 9,22 Prozent, im letzten Jahr (2008) machte die Kasse noch 10,6 Prozent minus. Wie hoch der Deckungsgrad Ende Jahr sein wird, will André Jaeggi nicht sagen. Geschätzt dürfte er ungefähr bei 80 Prozent liegen. Die Deckungslücke würde also nicht mehr 750 Millionen Franken, sondern noch rund 560 Millionen betragen.
«Ball wird hin und her geschoben»
Enttäuscht zeigt sich Jaeggi von der Politik. «Der Ball wird zwischen Bund und Kantonen hin und her geschoben, das enttäuscht und frustriert uns.» Anders als bei der Pensionskasse der SBB, die mit 1,1 Milliarden Franken unterstützt werden soll, will der Bund für die Ascoop kein Geld lockermachen. «Die öffentliche Hand versucht das Problem auszusitzen», sagt Jaeggi. Bund, Kantone und Gemeinden sind an vielen der Privatbahnen mitbeteiligt, deren Pensionskassen unterfinanziert sind.
Auch der SEV, der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband, fordert eine Gleichbehandlung von SBB und Ascoop. «Der Bund steht auch bei der Ascoop in der Pflicht. Das Problem ist akut», sagt Markus Fischer vom SEV. (Der Bund)
Erstellt: 09.11.2009, 08:14 Uhr
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