Bern

Nur die schönsten Zwiebelzöpfe bestehen

Zehntausende besuchten gestern den Zibelemärit in Bern. Für die einen ist der Märit Volksfest, für andere auch Geschäft. Dem Gemüsebauer Fritz Blaser wird sein 36. Zibelemärit in guter Erinnerung bleiben.

Über 600 Marktstände lockten die Frühaufsteher schon vor dem Morgengrauen in Berns Innenstadt. (Adrian Moser)

Über 600 Marktstände lockten die Frühaufsteher schon vor dem Morgengrauen in Berns Innenstadt. (Adrian Moser)

Gemüsegärtner Fritz Blaser. (Adrian Moser)

Gemüsegärtner Fritz Blaser. (Adrian Moser)

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Bärendreck-Preis

Den traditionellen Bärendreck-Preis erhalten heuer die Bewohner des Blocks B im Gäbelbach-Quartier. Sie machten die TV-Produktion «La Bohème» möglich.

Die Stiftung Bärentrust zeichnete gestern die Bewohner des Gäbelbach-Hochhauses in Berns Westen mit dem traditionellen Bärendreck-Preis aus. Der Block B stand Ende September im Scheinwerferlicht der TV-Produktion «La Bohème». «Selten hat eine Kulturveranstaltung im In- und Ausland ein so grossartiges Echo ausgelöst», sagte ­Bärentrust-Mitglied Verena Bürki in ihrer Laudatio. Stellvertretend für die Bewohner des Gäbelbachs nahmen Hauswart Werner Spori, Sekretärin Irene Enggist, der Präsident des Gäbelbachvereins Thomas Gerber, Statistin Mireille Gerber und Quartierarbeiterin Regine Strub den Preis entgegen.

Die «Gäbelbächler» hätten gezeigt, dass im Westen von Bern die Zukunft eingezogen sei, sagte ein euphorischer Stadtpräsident Alexander Tschäppät. «Es macht Spass, dass der Bärendreck-Preis nicht nur an Prominente vergeben wird», meinte er.

Besonders verdient hätten den Preis die Leute, welche für die Produktion «nicht nur ihr Herz, sondern auch ihre Wohnungstür geöffnet haben», sagte Bürki. Die Bewohnerin Mireille Gerber, die als Statistin einen Opernauftritt in der Waschküche hatte, nahm den Preis stolz entgegen. Selbstbewusst ging sie mit Tschäppät offenbar nicht ganz darin einig, dass die «Gäbelbächler» keine Prominenz seien. «Anders als all die Schlagerstars, die um Preise buhlen, haben wir es in nur einem Anlauf geschafft», sagte sie.

Für das Quartier sei die Opernaufführung ein grosser Erfolg gewesen, sagte Hauswart Werner Spori. «Das Gäbelbach-Quartier ist jetzt in ganz Europa bekannt.» Die unabhängige Vereinigung Bärentrust mit ihren zwölf Mitgliedern vergibt die Auszeichnung in Form einer Ehrenurkunde seit 1985 alljährlich anlässlich des Zibelemärit. (mra)

«So ein Zwiebelzopf ist eine Liebhabersache», sagt Fritz Blaser an seinem Gemüsestand auf dem Bundesplatz. Daran, dass die «Züpfe» fest gebunden sei, erkenne man gute Qualität. Blaser greift nach einem Exemplar auf seiner Auslage. «Das Blümchen obendrauf ist gewissermassen die Krönung», sagt er. Am Zibelemärit geht es eben nicht allein um Zwiebeln. «Die könnten die Kunden anderswo kiloweise günstiger kaufen», sagt Blaser.

Kein Ansturm auf die Zwiebel

Blaser ist seit Viertel nach drei am Bundesplatz. Bis die Besucher des Zibelemärit um fünf Uhr aufgetaucht sind, hat der 63-jährige Gemüsegärtner aus Riedbach zusammen mit Frau Margrit und Sohn Christian die Ware angerichtet: neben Zwiebelzöpfen auch Knoblauch, Meerrettich und Karotten. Der Zibelemärit gehört für den Marktfahrer seit 35 Jahren zum Programm.

Die Ausgabe 2009 beginnt gemächlich. Bis kurz vor sechs Uhr hat es zeitweilig geregnet. Ob das der Grund ist, weshalb frühmorgens rund ein Viertel weniger Menschen gekommen sind als im Vorjahr, wie die Gewerbepolizei später mitteilen wird? «Den grossen Ansturm auf die Zwiebeln gibt es nicht mehr», sagt Blaser. Die Leute würden heute gezielt und überlegt einkaufen. Viele der Frühaufsteher schlössen sich erst einmal dem Menschenstrom entlang den Ständen an, um das Angebot und die Preise zu begutachten. 609 Marktstände hat die Gewerbepolizei heuer bewilligt – 194 führen Zwiebeln. Bunte Zwiebelkränze und allerlei andere Knollenkreationen sind dort zu sehen. Den Fotokameras wird zur frühen Stunde viel abverlangt. Doch das Zwiebelangebot ist laut der Gewerbepolizei gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf rund 46 Tonnen gesunken, wegen der andauernden Trockenheit.

Keine Angst vor Konkurrenz

Blaser begrüsst viele Stammkunden. Der Mann hinter der Auslage «gsprächlet» gerne. «Die Leute kaufen oft da ein, wo sie schon im vergangenen Jahr waren», sagt er. Das gelte nicht nur für seinen eigenen Stand. Eine Frau hat ihm nur einen Zettel mit einem Namen hingestreckt. Sie suche «ihren» Händler. Der Gemüsegärtner nimmt die Konkurrenz am Markt gelassen: «Wenn jemand meine kleinen Zöpfe zu teuer findet, schicke ich ihn einen Stand weiter. Da kosten sie einen Franken fünfzig weniger.» Er lacht. Die Leute sollten doch da einkaufen, wo es ihnen am besten gefalle, meint er. Und man glaubt es ihm.

Der Preis bleibt seit Jahren gleich

Erst am Vormittag füllen sich die Lücken zwischen den Marktständen an Bundes-, Bären- und Waisenhausplatz. Jetzt strömen auch Angereiste aus anderen Landesteilen heran: Tessiner, Luzerner. 154 Reisecars machen halt in Bern, 32 aus dem Ausland, wie die Polizei am Nachmittag mitteilen wird. Der Pflastersteinboden hat sich im Tageslicht als expressionistischer Konfettiteppich entpuppt. Am Stand von Fritz Blaser herrscht viel Betrieb.

Unter der Leitung von Sohn Christian Blaser hat sich das Familienunternehmen vor zwei Jahren fast vollständig von der Eigenproduktion verabschiedet. Die zum Verkauf angebotenen Zwiebeln stammen heute von zwei anderen Berner Produzenten. Der Knoblauch kommt aus Frankreich.

Weniger bauen selber an

Blasers Werdegang vom Produzenten zum Händler ist am Zibelemärit nicht ungewöhnlich. «Früher haben hier noch mehr Anbieter ihre Ware selbst produziert», sagt er. Um die Verarbeitung der Zwiebeln angemessen entlöhnen zu können, müssten die Zöpfe nämlich um einiges teurer sein. Ihre Preise haben sich aber in dreissig Jahren kaum verändert. Angesichts des breiten Angebots haben die Kunden für Selektion gesorgt. «Nur die schönsten Zwiebelzöpfe können sich hier behaupten», meint Blaser.

Um fünf Uhr nachmittags hat er fast alle Zwiebeln verkauft. Auf dem Heimweg von der Schule zünden Jugendliche in den belebten Gassen noch einmal ein Konfettifeuerwerk. «Ein guter Markt», sagt Blaser beim Aufräumen. Wer gekommen sei, habe gekauft. «Das entschädigt für Jahre, in denen sich Aufwand und Ertrag nicht gerechnet haben», sagt er. Es geht eben doch nicht nur um schöne Zwiebeln am Zibelemärit in Bern. (Der Bund)

Erstellt: 24.11.2009, 08:36 Uhr

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