Noch steht die Wagenburg in der Lorraine

Aktualisiert am 09.03.2010

Die «Stadttauben», wie sich die Besetzer in der Lorraine nennen, haben ein Ultimatum verstreichen lassen. Die Behörden verlangen nun die Räumung der Wagenburg. Derweil ärgert sich der Leist, weil man zu wenig schnell vorwärts mache.

Seit Samstag besetzen  die «Stadttauben» ein Grundstück  am Centralweg. Nun hat die Stadt neben dem Puff im Hintergrund ein zweites Problem. (Andreas Blatter)

«Am Samstag um 15 Uhr brachen die Besetzer den Abgrenzungszaun auf», sagte gestern Gemeinderätin Barbara Hayoz (fdp) gegenüber der «Berner Zeitung». Hayoz ist oberste Chefin der städtischen Liegenschaftsverwaltung, welcher das Areal am Centralweg 9 gehört. Sie liess den «Stadttauben», wie sich die Besetzer mit den zehn Wagen nennen, ausrichten, dass sie bis am Montagmittag abziehen müssten.

Die Besetzer liessen sich davon nicht beeindrucken: «Wir gehen im Moment nicht weg», meinte einer. Hergekommen seien sie von der Murtenstrasse; weiterführende Pläne haben die Wagenbewohner keine.

Hayoz wird darum zusätzliche Schritte in die Wege leiten: «Wir werden bei der Polizei Anzeige erstatten und die Räumung verlangen», sagte sie gegenüber der BZ. Normalerweise überbringe anschliessend jemand die Weisung, und dann vergingen ein paar weitere Tage, bis etwas geschehe, so Hayoz. Die Polizei werde in Rücksprache mit dem Untersuchungsrichteramt handeln, so deren Pressestelle.

Verärgerter Leist

Die Besetzung empört den Lorraine-Leist. Er wirft der Stadt in einer E-Mail vor, sich ungenügend für die Entwicklung der Parzelle einzusetzen. Man habe bereits 2007 vor einer Besetzung gewarnt. «Wir haben befürchtet, dass die Stadt es wieder nicht fertigbringt, ein Projekt korrekt auf den Schlitten zu kriegen», sagte Vizepräsident Edwin Stämpfli. «Bevor der Neubau der Gewerbeschule realisiert wurde, besetzten damals die 'rollenden Möpse' die Brache.» Deshalb habe der Leist darauf gedrungen, den laufenden Mietvertrag mit der Erb-Garage so lange aufrechtzuerhalten, bis ein baureifes Projekt vorliege.

Puff um Bordell

Doch die Liegenschaftsverwaltung, die seit längerem im Clinch mit der Mieterin gelegen sei, habe die Einwände in den Wind geschlagen. Nun gehe es wieder nur schleppend vorwärts. Die Stadt habe zuerst das Puff am Lagerweg weghaben wollen. Sie habe gar den Leist zur Anzeige ermuntert. «Aber wir lassen uns dafür nicht einspannen», betonte Stämpfli. Das Bordell habe in den beinahe 25 Jahren seines Bestehens nie Probleme bereitet. Die Anzeige ging trotzdem ein. Von wem, kann Stämpfli nur vermuten. Ein erster richterlicher Termin vom 9. April 2009 hätten die Puffbetreiber nicht beachtet.

Fernand Raval, Leiter der Liegenschaftsverwaltung, führte auf Anfrage aus, dass im Sinne einer Gesamtplanung die Parzelle einst einbezogen werden sollte. «Es kam jedoch nie zu Verhandlungen.» Zurzeit versuche die Eigentümerschaft des Bordells, die heutige Nutzung über ein Baugesuchsverfahren zu legalisieren. Das zuständige Bauinspektorat bestätigte gestern, dass das Verfahren am Laufen sei. Die Entwicklung der Stadtparzelle sei dadurch jedoch nicht tangiert, so Raval.

Wohnungen geplant

Eigentlich hätte der Leist an dieser Stelle einen Park bevorzugt, berichtet die BZ weiter. Dieser wurde in der 2007 abgeschlossenen Gesamtplanung zum Quartier auch als wünschbar erwähnt. Doch nicht an den abweichenden Plänen der Stadt stösst sich Stämpfli: «Gegen Wohnungen sind wir sicher nicht. Was wir uns wünschen, sind saubere Planungsabläufe.»

Laut Hayoz wurde das Grundstück zuerst von Altlasten gesäubert. Im Frühsommer wird nun ein offener Wettbewerb ausgeschrieben. Vorgesehen seien 10 bis 20 Wohnungen und Ateliers. Bis Baumaschinen auffahren, wird es aber noch eine Weile dauern. Hayoz rechnet mit mindestens einem Jahr. Die jetzigen Besetzer werden bis dahin längst weg sein. Hayoz hat einschlägige Erfahrungen: «Normalerweise lassen sie es nicht auf eine Räumung ankommen.» (el)

Erstellt: 09.03.2010, 16:53 Uhr

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