Muri bekommt ein volkseigenes Fähribeizli – oder eine «FDP-AG»?

Muri verkauft das Fähribeizli an eine Aktiengesellschaft, die dem Volk gehört.

Das Fähribeizli wird verkauft - die Gäste werden allerdings nicht viel davon merken. (Archiv/Valérie Chételat)

Das Fähribeizli wird verkauft - die Gäste werden allerdings nicht viel davon merken. (Archiv/Valérie Chételat)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Fähribeizli am Aareufer wird verkauft. Keine Angst: Wer den idyllischen Ort aufsucht, um Fisch zu essen oder etwas zu trinken, wird davon nichts merken. Selbst die Wirtin bleibt mit Renate Meier, die den Betrieb seit Jahren führt, die gleiche. Weshalb wird der Gastrobetrieb also verkauft? Die Gemeinde kam 2008 in den Besitz der Liegenschaft, als ein Baurechtsvertrag auslief. Die Freisinnigen fanden – nicht überraschend –, Wirten sei keine Gemeindeaufgabe. 2009 reichten sie eine Motion ein mit dem Begehren, die Liegenschaft zu verkaufen, den Baugrund aber zu behalten. Weiter schlugen FDP/Jungfreisinnige die Gründung einer Aktiengesellschaft mit einer breiten Trägerschaft vor. So könne der beliebte Treffpunkt erhalten werden.

Erfolgreiche Aktienzeichnung

Inzwischen haben viele Beizli-Liebhaber Aktien gezeichnet im Betrag von über 350'000 Franken. Da in gleicher Höhe ein Darlehen gewährt wird, stehen der Firma für den Betrieb 700'000 Franken zur Verfügung.

An der Sitzung des Grossen Gemeinderates (GGR) gestern Abend zeigte sich die FDP erfreut, dass ihre «Bieridee» auf derart gute Resonanz gestossen sei. Die SVP teilte die Freude, sagte aber, die AG sei weniger eine Volks-AG als «eine FDP-AG», aber trotzdem eine gute Sache. Es müsse im Baurechtsvertrag sichergestellt werden, dass aus dem öffentlichen, populären Beizli während der 60-jährigen Laufzeit kein exklusiver Schickimicki-Club werde oder es gar geschlossen werde. Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer (FDP) versprach, sich für «eine schlaue Formulierung» einzusetzen. Der Verkauf des Gebäudes an die Fähribeizli-AG wurde einstimmig genehmigt.

«Fall Visana» war einmalig

Ebenso einstimmig, mit 37 zu 0 Stimmen, billigte der GGR die Rechnung 2010 mit einem Aufwandüberschuss von 5,5 Millionen Franken. Saxer sagte, statt des budgetierten Defizits von 2,3 Millionen Franken habe man zuerst gehofft, ein solches von lediglich 1,5 Millionen einzufahren. Doch dann habe der «Fall Visana» das Ergebnis «verhagelt».

Für die SVP sagte Beat Grütter, es habe keinen Sinn, in der vergangenen Rechnung Details zu bekritteln. Vielmehr müsse man Schlüsse für das Budget 2012 ziehen, das in Vorbereitung sei. Es reiche nicht mehr, dem «Muriger Luxus» mit der Nagelfeile zu begegnen, so Grütter. In Anspielung auf ein berühmt-berüchtigtes Diktum des SVP-Ständerats Adrian Amstutz sagte er, er plädiere nicht für die Motorsäge, aber wenigstens für «plastische Chirurgie».Das grössere Defizit entstand, weil die Krankenversicherung Visana ihren Sitz – mit Billigung der kantonalen Steuerverwaltung – rückwirkend auf 2003 verlegte. Die von der Visana abgelieferte Steuermillion sei nicht leicht zu ersetzen, sagte Saxer. Es schlummerten aber keine ähnlichen Fälle mehr in der Schublade. (Der Bund)

(Erstellt: 25.05.2011, 09:41 Uhr)

Artikel zum Thema

Aus dem Muriger Fähribeizli soll eine «Volks-AG» werden

Das Restaurant Fähribeizli in Muri soll nach dem Willen des Gemeinderats in den Besitz der breiten Öffentlichkeit übergehen. Das Interesse an den Zeichnungsscheinen ist in der Bevölkerung gross. Mehr...

«Fähribeizli dem Volk»

Das Fähribeizli soll an eine private Trägerschaft übergeführt werden. Dies schreibt der Gemeinderat von Muri in seiner Antwort auf die Motion der FDP «Fähribeizli dem Volk». Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Die Welt in Bildern

Pretty in pink: Mitglieder der UMNO (United Malays National Organisation) erwarten die Ankunft von Parteipräsident Najib Razak an der Generalversammlung in Kuala Lumpur in Malaysia. (27. November 2014)
(Bild: Vincent Thian (AP, Keystone)) Mehr...