Bern

Mit «Nullenergie» in eine klimabewusste Zukunft

Von Klaus von Muralt. Aktualisiert am 05.06.2011

Das erste Schweizer Haus mit Minergie-A-Eco-Standard steht in Rosshäusern.

1/4 Das erste Haus in der Schweiz, welches das Label Minergie-A-Eco verliehen bekommen hat.
Bild: Manuel Zingg

   

Die Solar- und Fotovoltaikanlagen auf dem Dach liefern Energie für Warmwasser und häuslichen Strombedarf, eine Holzpelletfeuerung dient zur Heizung, und die Komfortlüftung sorgt für ideales Raumklima mit geringstmöglichem Energieverlust. Kombiniert führen diese Baueigenschaften dazu, dass das kubisch kompakte Doppeleinfamilienhaus am Sagiweg 12 in Rosshäusern seinen Energiebedarf gänzlich selbst deckt und keinerlei CO2 verursacht: Es ist ein sogenanntes Nullenergiehaus und verdient somit den derzeit höchsten Minergie-Gebäudestandard: A-Eco.

Das Interessante an der Sache: Rosshäusern ist Teil der Gemeinde Mühleberg, in deren Verwaltungsbereich auch das umstrittene AKW fällt. Gemeindepräsident Kurt Herren sieht darin jedoch kein Problem: «Ein Miteinander ist auf jeden Fall sinnvoller als ein Gegeneinander. Erneuerbare Energien und Atomstrom müssen sich ja nicht gegenseitig ausschliessen.» Ausserdem freue es ihn, dass seine Gemeinde für einmal auch ohne das AKW Mühleberg Schlagzeilen mache.

Strom im Überfluss

Gestern nun überreichte Minergie-Schweiz-Präsident Heinz Tännler den Bewohnern und Bauherren des Hauses – Ingrid Kempf und Stef Kormann – das entsprechende A-Eco-Zertifikat. «Wir waren lange auf der Suche nach einem geeigneten Ort für den Bau unseres Hauses, und hier in Rosshäusern sind wir vor gut zwei Jahren fündig geworden», erzählt Ingrid Kempf. Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie das Baukonzept entworfen und erst zur Realisierung einen Architekten beigezogen. «Wir hatten einfach Lust, das selber zu machen», erklärt sie ihren Antrieb. Die Wahl der Gemeinde Mühleberg als Wohnort habe nichts mit der Nähe zum AKW zu tun, sie hätten damit in keiner Weise ein politisches Zeichen setzen wollen, vielmehr seien sie von der «wunderbaren ländlichen Idylle» angezogen worden.

Stef Kormann betont, das Haus produziere nicht nur genug Energie für den Eigenbedarf, sondern weise darüber hinaus ein Plus an Energie auf, das in der Folge ins Stromnetz eingespeist werden könne. Dass bei Minergiehäusern gemeinhin das Problem der trockenen Raumluft auftauche, entspreche nicht den Tatsachen. Aber: «Einen Luftbefeuchter braucht es natürlich schon», ergänzt Kormann. Von der A-Eco-Zertifizierung verspricht sich das Hausbauerehepaar nebst dem Beitrag an die Umwelt eine Wertsteigerung und günstigere Hypothekarzinsen.

Kanton Bern liegt zurück

Betrachtet man die gesamtschweizerische Übersicht der Minergiebauten mit tieferen Gebäudestandards als A-Eco, fällt auf, dass der Kanton Bern mit derzeit 2136 registrierten Häusern weit hinter anderen Kantonen zurückbleibt, beim Spitzenreiterkanton Zürich etwa liegt die Zahl bei 5044. Heinz Tännler, zusätzlich zu seinem Engagement für Minergie auch Regierungsrat und Baudirektor des Kantons Zug, sieht den Grund dafür in der relativ tiefen Bautätigkeit im Kanton Bern. Zug zum Beispiel stehe bezüglich prozentualem Anteil von Minergiebauten am Gesamthausbestand viel besser da und liege hinter Zürich auf Platz 2. «Bern liegt im Hintertreffen, weil es sich bei Minergiehäusern oft um Neubauten handelt, und wo weniger gebaut wird, hat es folglich auch weniger Minergiehäuser.» Über die ganze Schweiz verteilt sind aktuell 20 586 Häuser vom Verein Minergie Schweiz offiziell zertifiziert worden.

Ulrich Nyffenegger, Leiter der Energiefachstelle beim kantonalen Amt für Umweltkoordination und Energie, zeigt sich seinerseits erfreut über den fortschrittlichen Charakter des Bauunterfangens: «Solche Projekte sind wichtig – für den Kanton Bern wie auch für die gesamte Schweiz. Sie zeigen, dass die Technik vorhanden ist, um Nullenergiehäuser zu wirtschaftlichen Preisen zu realisieren.» Weiter rechnet Nyffenegger vor: «Würden alle Gebäude in der Schweiz nach diesem Standard gebaut oder saniert, könnte der schweizerische Gesamtenergiebedarf um mindestens ein Drittel reduziert werden. Und das wäre eine durchaus brauchbare Lösung für den sich in Zukunft abzeichnenden Energieengpass in der Schweiz.» (Der Bund)

Erstellt: 05.06.2011, 12:15 Uhr

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