Mehr Platz für Kulturplakate?
Von Patricia Götti. Aktualisiert am 17.11.2009
Noch bis Ende Jahr gehört der öffentliche Grund für die Werbeplakatierung der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG), dann läuft deren Nutzungskonzession aus. Zurzeit läuft die Ausschreibung für die nächsten fünf Jahre ab 2010. Es wird erwartet, dass erneut der Branchenriese APG den Zuschlag erhält.
Die Frage stellt sich nun aber: Wie geht die Stadt künftig mit Kulturplakaten um, die meist kleiner sind als das sogenannte Weltformat F4, auf dem bisher die APG das Monopol hatte? Solche Kleinformate würden «nach wie vor» aus dem Nutzungsvertrag ausgeschlossen sein, sagt der Berner Stadtingenieur Hans-Peter Wyss.
Stelen als Lösung?
Im Kleinformat hängt in Bern fast ausschliesslich die Promotionsfirma Passive Attack Kulturplakate aus – wenn auch nicht immer legal. Sie lieferte sich denn auch jahrelange Querelen mit der Stadt, welche die Wildplakatierung in Bern immer wieder zu stoppen versuchte: mit Bussen an «in flagranti» erwischte Plakatierer und mit regelmässiger Strassenreinigung, jedoch mit mässigem Erfolg, wie der Gemeinderat in einer Postulatsantwort im April 2008 selbst einräumen musste. Im Sommer vor einem Jahr kam Bewegung in die verfahrene Situation: Die Stadt liess auf öffentlichem Grund insgesamt 50 Plakatstandorte für Kultur-Affichen errichten – Säulen und Stelen. «Das ist aber zu wenig», sagt Thomas Baumgartner, Geschäftsführer von Passive Attack. Seine Firma habe deshalb schon kurz darauf beim städtischen Tiefbauamt in Hinblick auf 2010 den Bedarf von 160 zusätzlichen Standorten angemeldet. Für diese könne auf bestehendes Mobiliar zurückgegriffen werden, betont Baumgartner: «Auf Mauern etwa oder Strom-Kästen.»
Seither aber sei von städtischer Seite wenig gelaufen, sagt Baumgartner. Zwar habe einmal eine Stadtbegehung mit Verantwortlichen vom städtischen Tiefbauamt, der Denkmalpflege und Passive Attack stattgefunden, um mögliche weitere Orte für den Aushang von Kulturplakaten zu finden. «Gleichzeitig flatterten aber bis diesen Frühling neun Bussen bei mir auf den Schreibtisch – ein janusköpfiges Vorgehen der Stadt.» Baumgartner reichte gegen diese Bussen Einsprache ein.
«Kein Monopol» für Kulturplakate
Die Kultur-Plakatierer von Passive Attack erhoffen sich nun im Dezember neue Gespräche. «Die Stadt Bern behandelt das Thema Kulturplakatierung im Gegensatz zu Städten wie Genf und Zürich stiefmütterlich – es wird Zeit, dass das aufhört», sagt Baumgartner. Trotz mehrmaligem Nachfragen habe er von städtischer Seite aber bisher keine Lösungsvorschläge angesichts der neuen Ausgangssituation nächstes Jahr gehört. Mit der neuen Konzession solle die Plakatierung in Bern grundsätzlich wie bis anhin geregelt werden, sagt Stadtingenieur Wyss. Die Stadt prüfe daneben aber die Errichtung weiterer Stelen für Kulturplakate. Mehr will er dazu zurzeit nicht sagen: Erst müsse der Gemeinderat zwei überwiesene Vorstösse aus dem Stadtrat zur Plakatierung beantworten. Explizit bescheinigte die Stadtregierung aber bereits in erwähnter Postulatsantwort im April den Bedarf nach mehr Flächen für Kleinkulturplakate und kündigte an, dafür mehr Platz zu schaffen.
Laut Wyss wird der Gemeinderat bis im Dezember dem Stadtparlament die noch hängigen Prüfungsberichte abliefern. Sie werden zwei Postulate beantworten – eines der SP/Juso-Fraktion, eines von Linksaussen Luzius Theiler (gpb) –, die der Stadtrat vor einem Jahr überwiesen hatte und die Auskunft über neue Aushangstellen für Kleinplakate verlangen.
Theiler doppelt zudem in einer kürzlich für dringlich erklärten Interpellation nach, mit der er eine klare Zusicherung vom Gemeinderat will, dass Kleinplakate im neuen Vertrag auch wirklich nicht der Konzession unterliegen. Noch etwas anderes treibt Theiler um: «Neue Stelen für Kleinplakate müssen allen zur Verfügung stehen, die ein Plakat aufhängen wollen», sagt er dem «Bund». Passive Attack dürfe kein Monopol auf die Kulturplakatierung in Bern erhalten. (Der Bund)
Erstellt: 17.11.2009, 08:51 Uhr
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