Locher wird als neuer Brückenbauer gehandelt
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 15.06.2010
Im Mai 2007 waren sie noch Gegner. Beide kandidierten für das Amt des Synodalratspräsidenten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Damals siegte Andreas Zeller aus Münsingen. Gestern nun freute sich Zeller sehr über Gottfried Lochers Wahl an die Spitze des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Seit zweieinhalb Jahren sind sie Kollegen; Locher hatte im Dezember in einer Ersatzwahl den Sprung in den Synodalrat, die siebenköpfige Kirchenexekutive, geschafft.
Aufgrund seiner Kompetenzen, vor allem in theologischer und sprachlicher Hinsicht – «Locher kann druckreif formulieren» –, sei seine Kandidatur die beste gewesen, sagte Zeller gestern auf Anfrage. Von Vorteil sei weiter das grosse Beziehungsnetz, über das Locher dank seiner früheren Tätigkeiten verfüge. Zeller traut es Locher zu, «dass er ein Brückenbauer sein kann».
Lochers Wahl an die SEK-Spitze ist laut Zeller «eine gute Wahl» – für den Synodalrat der Berner Reformierten stelle sie aber «einen grossen Verlust» dar. Nach reformierter Auffassung müsse man aber geeignete und gute Leute für wichtige Posten zur Verfügung stellen.
Als Verbindungsmann gefragt
Für die Berner Reformierten, die mitgliederstärkste Landeskirche, werde Lochers Wahl keine unmittelbaren Vorteile mit sich bringen, sagte Zeller. Locher werde für alle Reformierten in der Schweiz gleichermassen zuständig sein. Zeller hofft, er werde es schaffen, die Anliegen der kleinen und der grossen Kantonalkirchen in Einklang zu bringen. Hier dürfte ihm seine Erfahrung von Nutzen sein, die er im Synodalrat sammeln konnte: Die Kirchenregierung ist nicht nur zuständig für die Berner Reformierten, sondern auch für die kleinen Kirchen im Jura und in Solothurn.
Laut Zeller dürfte es Locher gelingen, «das Gesicht» der Schweizer Reformierten zu werden – weil er Intelligenz, theologische Kompetenz, jugendlichen Elan, aber auch Schalk zum Ausdruck bringe. Dadurch könnte die Kirche auch für Jugendliche wieder attraktiver werden.
Für heute Abend hat der Synodalrat die Mitglieder der Synode (Kirchenparlament) sowie die Mitarbeitenden der Kirchenverwaltung nach Bern zum Empfang des neuen SEK-Präsidenten geladen, um «Godi Locher die besten Wünsche mit auf den anspruchsvollen Weg zu geben». Auf der Einladung ist die Rede von einer «Zukunftswahl für die reformierte Schweiz». (Der Bund)
Erstellt: 15.06.2010, 07:32 Uhr
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