Lichterlöschen im Sous Soul und im Wasserwerk?

Die Berner Clubs Sous Soul und Wasserwerk stehen vor dem Aus. Schuld sei der radikale Kurs der Behörden, sagen die Betreiber.

Das Fumoir nicht bewilligt, verlängerte Öffungszeiten nicht möglich, Lärmbeschwerden: Das Wasserwerk hat Probleme. (Archiv/Martin Guggisberg)

Das Fumoir nicht bewilligt, verlängerte Öffungszeiten nicht möglich, Lärmbeschwerden: Das Wasserwerk hat Probleme. (Archiv/Martin Guggisberg)

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«Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende», zieht Sous-Soul-Betreiber Fire Widmer Bilanz. «Wenn wir auf unser Fumoir verzichten müssen und das Regierungsstatthalteramt wie angedroht die Lärmgrenzwerte senkt, sehen wir keine Zukunft mehr für das Sous Soul.» Damit bestätigt er Gerüchte, wonach der Club an der Junkerngasse 1 im April 2012 seine Tore endgültig schliessen will. «In Bern einen Club zu führen, ist ein Ding der Unmöglichkeit geworden», sagt Widmer, «seit Jahren machen uns diverse Faktoren das Leben schwer.» Dazu gehörten Lärmbeschwerden von Anwohnern und Auflagen des Regierungsstatthalteramts, das über die Betriebsbewilligungen von Nachtclubs entscheidet. «Wir können die Lautstärke nicht noch mehr drosseln, bereits bei den erlaubten 93 Dezibel ist ein normaler Konzertbetrieb kaum möglich.»

Erschwerend kommt nun hinzu, dass der Club um sein Fumoir bangen muss. Denn die Besitzer der Liegenschaft, Pfarrer André Urwyler aus Köniz und seine Frau, haben für den hinteren Teil des Lokals Eigenbedarf angemeldet. Sollte der Kanton das hängige Gesuch um Abberufung gegen Urwyler gutheissen, wird er das Fumoir als Büro für die selbstständige Pfarrtätigkeit nutzen. «Wenn ich in Köniz bleiben kann, steht der Raum weiterhin dem Club zur Verfügung», so Urwyler auf Anfrage. Für Widmer nur ein kleiner Hoffnungsschimmer: «Die Probleme mit den Behörden wären nicht vom Tisch.»

80 Dezibel im Wasserwerk-Club

Auch dem Wasserwerk-Club in der Matte mache das Regierungsstatthalteramt das Leben schwer, sagt Betreiber Albert Gomez. «Weder unser Fumoir wurde bewilligt noch das Gesuch um eine Verlängerung der Öffnungszeiten. So können wir nicht wirtschaftlich arbeiten.» Hinzu kommen auch hier Lärmbeschwerden von Anwohnern. Das Statthalteramt habe ihm empfohlen, die Musik nicht mehr über 80 Dezibel aufzudrehen. «Das ist ein Witz. Da können wir gleich dichtmachen.» Einstweilen ist der Club, der früher von Donnerstag bis Samstag betrieben wurde, nur noch am Samstag geöffnet. «Wenn sich nichts ändert, werden wir unser Lokal schliessen müssen. Und das nach 18 Jahren.»

Statthalter Christoph Lerch (SP) wehrt sich gegen die Vorwürfe: Das Regierungsstatthalteramt arbeite eng mit der Fachstelle für Lärmschutz zusammen. Sämtliche Massnahmen seien auf Lärmmessungen abgestützt. «Wir sind verpflichtet, verhältnismässige Entscheide zu treffen. Dabei berücksichtigen wir beides: die Wirtschaftsfreiheit der Betreiber und die Interessen der Anwohner.»

Von Gericht zurückgepfiffen

Dass die Verhältnismässigkeit nicht immer gegeben war, beweist indes ein Urteil des Verwaltungsgerichtes. Anwohner des Hotels National am Hirschengraben hatten beim Statthalter erwirkt, dass der Lärmgrenzwert im Theatersaal von 93 auf 87 Dezibel gesenkt wird. Das Hotel National legte Beschwerde ein, die im Juni teilweise gutgeheissen wurde: Die wirtschaftlichen Aspekte der Betreiber seien vom Statthalter zu wenig berücksichtigt worden. Christoph Lerch räumt ein, dass damit die Lärmpolitik des Statthalteramtes kritisiert worden ist. Man analysiere dieses Urteil nun ganz genau. «Allenfalls müssen wir unsere Praxis anpassen.»

Darauf hofft Christian Pauli, Präsident von Bekult, dem Dachverband der Berner Kulturveranstalter. Er habe in der Vergangenheit den Eindruck gewonnen, dass das Regierungsstatthalteramt einseitig die Interessen von Anwohnern berücksichtige, sagt er. «Ich vermisse beim Statthalter das Gehör für die Anliegen der Kulturschaffenden.» (Der Bund)

(Erstellt: 09.07.2011, 09:29 Uhr)

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