Bern

Leserbriefe: Kann Bern Mobil auf Bedürfnisse eingehen?

Von Urs Bräm und Jürg Schneeberger. Aktualisiert am 23.10.2009

Zwei Leser äussern ihre Meinung zur Ask-Force im «Bund» vom 19. Oktober.

Stichworte

Berner Büffel-Mentalität

Liebe «Ask-Force», ich weiss nicht, ob Ihr Artikel über Bern Mobil ironisch gemeint war, dies konnte ich nicht herauslesen.

Auf jeden Fall hat die fragende Frau Wick recht, und sie ist nicht allein mit ihrer Einschätzung, das können Sie ihr also sagen. Man muss ja nur ins nicht allzu weit entfernte Zürich fahren, um Servicekultur im öffentlichen Verkehr zu erleben.

In Bern gehört das büffelhafte «Vor-der-Nase-Wegfahren» regelrecht zur Betriebskultur, vielleicht der «Phase» wegen, aber wohl einfach aus Firmenkultur, die nicht kundenorientiert ist: Nicht der Fahrplan ist für die Passagiere da, sondern diese sollen den Fahrplan nicht stören.

Wir haben schon alles erlebt, bis hin zu einem Chauffeur, der versuchte, meine schwangere Partnerin in der Türe einzuklemmen.

Es geht ja nicht darum, dass der Fahrer einfach abfährt, sondern dass er das beispielsweise tut, während jemand noch ein Ticket zu lösen versucht oder mit einem Kinderwagen herangerannt kommt – nur, um 50 Zentimeter vorzusetzen und dort mit eiserner Miene auf das definitive Abfahrtssignal zu warten.

Vom ruckartigen Fahrstil in den Bussen nicht zu reden, der darauf ausgerichtet zu sein scheint, möglichst viele Stehpassagiere flachzulegen – vor allem in den neueren Erdgasbussen, die die Chauffeure anscheinend nicht so leicht in den Griff kriegen.

Im Stil der Bern-Mobil-Chauffeure wie auch – sofern ich da nicht einige Ironiesignale verpasst habe – in Ihrem Artikel kommt also letztlich hauptsächlich Berner Büffel-Mentalität zum Ausdruck. Schade; Bern ist ja so eine wunderbare Stadt. Aber der öffentliche Verkehr erinnert eher an Büffel als an Bären.

Urs Bräm, Bern

«Ask-Force wird rotzfrech und beweist schlechten Geschmack»

Eigentlich sollten Sie ja eher eine «Answer-Force» sein. Aber das gelingt Ihnen schon im Fettgedruckten nicht. Meinten Sie Kundenbedürfnisse? Bedürfnisse gibt es ja vielerlei, zum Teil auch dringende, wofür aber selbst die umweltfreundlichsten «Bern-Mobi­le» nicht ausgestattet sind.

Ob Verkehrsbetriebe Bern oder Bern Mobil, die Einstellung gegenüber den Kunden und Kundinnen hat sich anscheinend mit dem neuen Kleid (oder um es zeitgemäss auszudrücken: dem neuen Auftritt) nicht geändert, doch das Bedürfnis nach Mobilität besteht nach wie vor. Typisch schweizerisch, werden die Fahrgäste erst einmal belehrt. Aber zuerst ist man beleidigt, weil das Publikum sich immer noch nicht an das unnatürliche Bern Mobil gewöhnt hat.

Dann droht man, dass Busfahrer und Busfahrerinnen (noch?!) unfreundlicher werden würden, wenn sie in Zukunft nicht mit «Herr Bern Mobil» oder «Frau Bern Mobil» angesprochen werden.

Darauf wird die Ask-Force rotzfrech und unterstellt der armen Fragerin Frau Wick und den Fahrgästen Begriffsstutzigkeit und fehlenden Anstand, ja sogar, dass sie es wagen würden, dem abfahrenden Bus noch hinterherzu­fluchen!

Es mag zwar in einigen Fällen zutreffen, dass eher unschöne Ausdrücke verwendet werden, aber im Allgemeinen bleiben die Zurückgebliebenen «cool».

Und schliesslich zeugt es schlichtweg von schlechtem Geschmack, den Text mit einem Bibelzitat zu beenden, das Männern und «Frauen» mit Krücken oder Kinderwagen helfen soll, sich trotz der Flut der Aussteigenden in eine günstige Wartestellung zu bringen, um dann als Erste oder Erster den pressanten Einsteigern zuvorzu­kommen!

Entschuldigung! Ich behaupte meinerseits, dass die impertinente Antwort auf die Anfrage von Frau Wick lediglich aus den Tasten einer inkompetenten Ask-Force stammt, die Antworten geben möchte, die kaum jemand zu geben wagt, und nicht von Bern Mobil! Aber auch dazu braucht es Sachverstand und Anstand. Begriffen?

Jürg Schneeberger, Bern (Der Bund)

Erstellt: 23.10.2009, 08:50 Uhr


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