Leserbrief: Was ist das wahre Drama im Bärenpark?
Dass Bernd Schildger als Tierparkdirektor emotional auf die offenbar schwere Verletzung des Bären Finn reagiert, ist nachvollziehbar. Plausibel scheinen auch die Hinweise von Schildger und Reto Nause, die Sicherheitsvorkehrungen im Bärenpark seien genügend.
Wenn Schildger allerdings darauf verweist, es seien mehrere Passanten neben dem bereits auf der Mauer zum Bärengehege kauernden Mann vorbeigegangen, ohne, so schliesse ich aus der Berichterstattung des «Bund», den Mann behutsam anzusprechen und zum Herunterklettern zu bewegen, wenn dieser Hinweis der Presse keine weitere Zeile wert ist, scheint mir das der Kern des Dramas zu sein.
Es gibt ja neben der «gesellschaftlichen Gesamtverantwortung gegenüber den Bären» auch eine solche gegenüber Menschen. Wer auch nur einmal erlebt hat, wie es schmerzt, wenn man in der Öffentlichkeit bedroht oder belästigt wird und niemand sich auch nur umdreht, wird bestätigen können, dass es mit der Wahrnehmung der entsprechenden Gesamtverantwortung nicht sehr weit her ist.
Es diskutiert sich leichter über technische Sicherheitsvorkehrungen wie die Mauerhöhe als über Zivilcourage: Was ist das? Kostet das etwas? Zivilcourage ist häufig weniger spektakulär und damit medial kaum interessant.
Sehr zum Nachteil von Bären wie Menschen, vor allem aber zum Nachteil einer Gesellschaft im Ganzen. Einer Gesellschaft kann kaum daran gelegen sein, dass Dramen für die Beteiligten blutig enden. Es sei denn, die mediale Vermarktung zähle mehr als die genannte Gesamtverantwortung...
Brigitta Stoll, Bern (Der Bund)
Erstellt: 25.11.2009, 09:30 Uhr
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