Lernen, besser mit Streit umzugehen
Von Walter Däpp. Aktualisiert am 16.06.2010
Auf dem Eis ist er ein harter Brocken, der Zweikämpfe nicht scheut. Doch als Gast bei den Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern im Berner Laubegg-Schulhaus, wo er von 1989 bis 1994 selber die Schulbank gedrückt hatte, war er gestern die Liebenswürdigkeit in Person: Mark Streit, erfolgreicher Berner Weltklasse-Eishockeyprofi mit Millionenvertrag bei den New York Islanders, war gekommen, um mit den Schülerinnen und Schülern den gewaltfreien Umgang mit Konflikten zu üben. Er tat dies im Rahmen des Gewaltpräventionsprojekts «chili» des Schweizerischen Roten Kreuzes. Und er tat es mit Ruhe, Übersicht, Charme und Humor.
Jonas fand es jedenfalls «toll», dass der grosse Star «gleich zu Beginn jedem von uns die Hand geschüttelt hat». Er glaubt, dass Streit «in einer Konfliktsituation nicht gleich dreinschlägt». Lena war beeindruckt, dass «er sich nicht so schnell aufregt». Für Loïe ist er «ein guter Typ, ein Vorbild». Und Rosanna will sich in Zukunft an Streits Rat halten: «Durchatmen – statt so zu reagieren, dass man es nachher bereut.»
«Im Team ist man stärker»
Streit räumte zwar ein, in gewissen Situationen auch schon «die Nerven verloren zu haben» – nicht nur im Eishockey. Doch mit der Zeit habe er gelernt, «Ärger und Wut besser zu bündeln», abgeklärter zu reagieren, Ruhe zu bewahren – «im Eishockey also möglichst nicht mit einem unüberlegten Foul, sondern mit einem fairen Check zu reagieren».
Streit vermittelte auf spielerische, gradlinige und sympathische Weise die Botschaft des «chili»-Präventionsprogramms des Schweizerischen Roten Kreuzes. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern fragte er nach möglichen Ursachen für Konflikte, hinterfragte Haltungen, Rollen und Muster in Konfliktsituationen und suchte nach Möglichkeiten, diese überlegt und unaufgeregt zu bewältigen. Und er verriet Kommunikationsregeln, die tauglich sein könnten, um Konflikte zu verhindern. Als Co-Trainer von Fritz Heuscher, dem «chili»-Trainer des SRK-Kantonalverbands Bern, war er auch Animator in Rollenspielen, in denen es unter anderem darum ging, Emotionen zu zügeln und in zufällig zusammengestellten Gruppen das Teamwork zu pflegen. Im Team sei man stärker, sagte Streit, doch: «Erfolg kann man nur haben, wenn der Stärkere dem Schwächeren hilft.»
«Zuhören, sich nicht dreinreden»
Der sportliche Kampf auf dem Eis sei zwar nicht direkt vergleichbar mit Konfliktsituationen im sonstigen Leben, sagte Streit, doch: Es gebe natürlich Parallelen. Und er sei überzeugt, dass das «chili»-Projekt die Jungen zum Nachdenken über den Umgang mit Wut, Ärger und Frustrationen anrege. Bemerkenswert sind übrigens die Regeln, die sie sich für die «chili»-Tage selber auferlegten – und auch einhielten: «Zuhören, sich nicht dreinreden; offen sein, sich nicht auslachen; Spass haben.»
«Es war lässig mit den Jungen», sagte Streit gestern. Es habe Spass gemacht, spielerisch mit ihnen über konstruktive Konfliktbewältigung nachzudenken: «Cool, wie sie reagiert und in den Gruppen funktioniert haben. Und wie sie erkannt haben, dass es Erfolg bringt, wenn man sich abspricht, bevor man loslegt.» Reizvoll sei auch gewesen, wieder einmal in sein altes Schulhaus zurückzukehren: «Ich wuchs hier auf, hatte in der Laubegg eine wunderschöne Schulzeit. Und wenn ich hier auch wieder Kollegen von damals treffe, merke ich, dass ich noch immer ein Heimwehberner bin.» (Der Bund)
Erstellt: 16.06.2010, 08:00 Uhr





