«Lebende Bücher» in der Kornhausbibliothek

Aktualisiert am 09.03.2010

Bücher sind keine staubige Angelegenheit. Das beweist die Kornhausbibliothek mit einer Schweizer Premiere. Die Kunden können eine Sexarbeiterin, einen ehemaligen Obdachlosen oder einen Ex-Hooligan fürs Erzählen «ausleihen».

«Religion ist eine Wahl, keine Identität», sagt das «Lebende Buch» Elham Manea.

«Religion ist eine Wahl, keine Identität», sagt das «Lebende Buch» Elham Manea. (Bild: zvg)

Martin della Valle ist mit einem Mann verheiratet und Papi.

Martin della Valle ist mit einem Mann verheiratet und Papi. (Bild: zvg)

Angela Berlis gräbt als Kirchenhistorikerin alte Geschichten aus.

Angela Berlis gräbt als Kirchenhistorikerin alte Geschichten aus. (Bild: zvg)

Stichworte

Die Kornhausbibliothek bringt die Bevölkerung mit Menschen zusammen, die von der Gesellschaft nicht immer akzeptiert werden – sei es wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Arbeit, wegen ihrem sozialen Status oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Die Kundschaft der Kornhausbibliothek hat Ende März die Möglichkeit, «Lebende Bücher» mit ganz unterschiedlichen Biographien, Schicksalen und Berufen zu treffen.

Zur Auswahl stehen zum Beispiel eine Kirchenhistorikerin, ein ehemaliger Hooligan, ein homosexueller Familienvater, ein ehemaliger Obdachloser oder eine Sexarbeiterin.

Für 45 Minuten ausleihen

Normalerweise leiht die Kundschaft in den Kornhausbibliotheken Bücher aus. Die «Living Library» bietet ein Erlebnis, das über das Lesen eines normalen Buches hinaus geht. Die «Bücher» in der «Living Library» leben und schlagen Kapitel aus ihrem Leben auf. Wer mehr über sie erfahren möchte, darf sie «ausleihen». Konkret heisst das, dass man sich mit ihnen in der Bibliothek für ein 45-minütiges Gespräch unter vier Augen zusammensetzt. In gemütlicher Atmosphäre – ähnlich jener eines Kaffeehauses – erzählen sie Kapitel ihres Lebens.

Die Idee der «Lebenden Bücher» ist nicht neu und stammt aus Dänemark. In der Schweiz ist das Projekt jedoch eine Premiere. Die Kornhausbibliotheken konnten für dieses Projekt zehn Mitmenschen zum Mitmachen bewegen. Diese Menschen leben zwar Tag für Tag mit und unter uns – und dennoch wird ihnen oft mit Vorurteilen begegnet.

«Lebende Bücher» reservieren

Die «Lebenden Bücher» können ab dem 15. März bei der Medienauskunft im 3. Stock der Kornhausbibliothek Bern reserviert werden. Die «Living Library» ist schliesslich vom 23. bis 27 März, von 16 bis 19 Uhr geöffnet; am Samstag nur von 13 bis 16 Uhr. (cho/pd)

Erstellt: 09.03.2010, 16:44 Uhr

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