Bern

Laute Partys im Wald stören das Wild

Feste mit lauter Musik, Grillabende mit viel Abfall oder Biker setzen den Wäldern um die Stadt Bern zu und fürt beim Wild zu Stress. Förster Michel von Fischer stören in erster Linie die lauten Partys

Mit dem Auto werden Generatoren herangekarrt und dann wird die ganze Nacht durchgetanzt. (Christoph Lenz)

Mit dem Auto werden Generatoren herangekarrt und dann wird die ganze Nacht durchgetanzt. (Christoph Lenz)

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Waldbrandgefahr in Bern

Durch den Niederschlagsmangel steigt in einigen Gebieten des Kantons Bern die Waldbrandgefahr kontinuierlich an. Besonders betroffen sind das Seeland und der Jurasüdfuss, wo im ersten Halbjahr 2010 weniger Regen gefallen ist als andernorts. In den anderen Gebieten des Kantons – auch in der Stadt Bern – ist von einer mittleren Waldbrandgefahr auszugehen. Das Amt für Wald empfiehlt, sorgfältig mit Feuer umzugehen:

• Grillfeuer nur in Feuerstellen entfachen.

• Feuer beobachten und Funkenwurf sofort löschen. Kein Feuer bei starkem Wind.

• Keine brennenden Zündhölzer und Raucherwaren wegwerfen.

• Bricht trotzdem Feuer aus, muss sofort die Feuerwehr alarmiert werden. (reh)

An einem Sonntagmorgen in einer Waldlichtung nahe der Stadt Bern. Elektronische Musik dröhnt aus den Lautsprechern, das Brummen des Generators wird längst übertönt. Die letzten Nachtvögel tanzen zum Sonnenaufgang oder liegen schlafend unter einem Baum. Die ersten Morgenmenschen joggen an der Lichtung vorbei oder führen ihren Hund spazieren. Man betrachtet sich verwundert, versucht das gegenseitige Kopfschütteln zu deuten oder winkt sich belustigt zu. Unterschiedlicher könnten die Bedürfnisse nicht sein. Trotzdem zieht es die Menschen – besonders im Sommer, wenn es in der Sonne kaum auszuhalten ist – in die schattigen Wälder rund um Bern.

Wild leidet unter dem Lärm

Man habe nichts dagegen, dass der Wald im Sommer viel genutzt werde, sagt Michel von Fischer, zuständiger Förster für die Stadtwälder der Burgergemeinde Bern. «Wenn die Leute ein paar Bier trinken und bis spät in die Nacht Lieder singen, ist das kein Problem», findet er. Problematisch werde es erst, wenn Stromgeneratoren aufgestellt und laute Musik abgespielt werde. Solche illegalen Partys würden in letzter Zeit zunehmen. «Mittlerweile gibt es schon fast an jedem schönen Sommerwochenende eine Party im stadtnahen Wald», sagt er.

Besonders für das Wild sind diese Lärmemissionen sehr belastend. Durch den Stress würden die Rehe aggressiv und verursachten Schlag- und Verbissschäden an Bäumen und Pflanzen, erklärt der Förster. Das heisst, dass sie mit dem Geweih Bäume beschädigen und Knospen von jungen Pflanzen essen. Auch Leute, die in der Nähe des Waldes wohnen, fühlen sich durch den Lärm belästigt und melden die Störung bei der Polizei. In der Sommerzeit gibt es immer mehrere Telefonate und Anzeigen wegen illegaler Partys, bestätigt die Kantonspolizei Bern. Von einer Zunahme könne man aber nicht reden.

Die illegalen Partymacher riskieren im schlimmsten Fall eine Anzeige oder werden gebüsst, falls sie mit den Autos in Fahrverbote hineinfahren, um zum Beispiel das technische Material zu transportieren. Grundsätzlich müssen Waldpartys mit lauter Musik durch das Amt für Wald des Kantons Bern und den Waldbesitzer bewilligt werden, wie von Fischer sagt. Man habe schon öfters Bewilligungen vergeben. Doch wegen der Zunahme illegaler Feste sei man strenger geworden. Trotz Illegalität und Lärmemission gibt es aus Sicht des Försters auch etwas Positives zu sagen. «Nach den Partys ist immer tipptopp aufgeräumt.»

«Jeder Besucher ist Gast im Wald»

Ganz im Gegensatz zu anderen Plätzen, die nach einem schönen Wochenende ein eher chaotisches Bild abgeben. Deshalb werden die offiziellen Grillstellen von der Stadt regelmässig und bedarfsgerecht kontrolliert und aufgeräumt, wie Patric Schädeli, zuständig für Betreib und Unterhalt beim Tiefbauamt der Stadt Bern, sagt. Trotzdem stellt von Fischer fest, dass rund 90 Prozent aller Besucher ihren Abfall mitnehmen. Auch Sportler und insbesondere Biker müssen Rücksicht auf den Wald nehmen. Diese würden oft lieber neben den bezeichneten Wegen fahren, stellt von Fischer fest. Das sei ein zunehmendes Problem, zumal die Fahrradfahrer schlecht ansprechbar seien. Sie seien schon an einem vorbeigeflitzt, ehe man überhaupt zu Wort komme.

Bei ihren Waldbesuchen sind sich viele Leute gar nicht bewusst, dass der Wald kein öffentlicher Raum ist. Denn jeder Flecken davon gehöre jemandem – oft Gemeinden oder Privatleuten – die das Stück Wald der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, sagt Gerold Knauer, Bereichsleiter Planung beim Amt für Wald des Kantons Bern. Zwar sind die Eigentümer laut Artikel 699 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches verpflichtet, «das Betreten von Wald und Weide in ortsüblichem Umfange jedermann zu gestatten». Trotzdem sagt Knauer: «Jeder Besucher ist ein Gast im Wald.» (Der Bund)

Erstellt: 13.07.2010, 07:31 Uhr

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1 Kommentar

Herbert Meier

13.07.2010, 13:08 Uhr
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Was mir im Wald einfach immer auffällt, wieviele Hundehalter sich nicht an die Leinenpflicht halten. Nichmal während der kurzen Zeit im Frühling, wenn die Tiere Nachwuchs haben. Die Gefahr kontrolliert oder gebüsst zu werden, ist gleich null. Und offenbar fehlt es an Einsicht. Antworten



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