Landwirtschaft nachhaltig und chic
Infos
Gartenausstellung auf dem Kardenhof in Kerzers, 5. und 6. Juni 2010, Samstag, 12 bis 19 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr,kostenloser Busbetrieb zwischen Bahnhof Kerzers und Kardenhof. www.blumenflair.ch.
Fast ist es, als käme man von der Blumenwiese auf Grosis Dachstock, erhasche von dort einen Blick in die prall gefüllte Vorratskammer und stehe vor einem entspannten Nachmittag auf dem Land. Da ist zunächst der betörende Duft, gefolgt von ebensolcher Farbenpracht, angerichtet auf allerlei Mobiliar aus vergangenen Tagen und ohne Umweg zu Auslagen voller feiner Lebensmittel führend. Doch ist weit und breit kein Bauernhof in Sicht, hier, mitten in der Stadt, an der Kramgasse 60. Dafür umso mehr von seiner Ernte, genauer: der Ernte vom Kardenhof in Kerzers. Judica und Urs Altmann sind es, die in den beiden Blumen- und Hofboutiquen Flair in der Altstadt und im Westside dafür sorgen, dass die Stadtmenschen die Schätze der Natur nicht gänzlich aus den Augen verlieren.
Der Natur verpflichtet
Die Esswaren – vorwiegend Sirupe, Konfitüren, Würste und Eingemachtes – stammen allesamt aus eigener Produktion, die Blumen kommen zur Hauptsaison «zu rund 80 Prozent von unseren eigenen Wiesen und Gärten», schätzt Judica Altmann. Der Rest wird von Selbstpflückanlagen aus der Region, im Schweizer Blumengrosshandel oder an Italiens Blumenküste Sanremo eingekauft. Blumen aus Übersee hingegen fehlen gänzlich. Lieber hegt und pflegt man in Kerzers die einheimische Blütenpracht, füllt die Vasen mit ökologisch unbedenklichen Blumen und trotzt so jeder Jahreszeit Erinnerungen für die nächste ab, etwa in Form von getrockneten Sommerblumen oder Beeren. Ebenso biologisch der Ansatz bei der Fleisch- und Gemüseproduktion: Gejätet wird von Hand, gepflügt nur mit einem sogenannten Parapflug, der im Unterschied zu herkömmlichen Geräten «die Erde nicht kehrt, sondern nur auflockert und so viel zum Gleichgewicht der Erdstruktur beiträgt». Und Tiere werden nur so viele gehalten, wie mit auf dem Hof angebauten Futtermitteln versorgt werden können.
Starke Wurzeln
Dass ein solches Schaffen bisweilen ein enormer Krampf ist, daraus macht Judica Altmann keinen Hehl. Tauschen möchte sie dennoch mit niemandem. Zu sehr liegt ihr die Natur am Herzen, zu sehr geniesst sie es, Blumen verkaufen zu können, die frühmorgens frisch vom Feld gepflückt worden sind, zu sehr prägte der sorgsame Umgang mit Mutter Erde bereits ihre Kindheit. Ihre Eltern waren es, die einst auf dem Grossen Moos in Kerzers siedelten und dem heutigen Kardenhof den Boden bereiteten. Seit Januar 2000 nun führt sie den Hof zusammen mit ihrem Mann, und dass sie für den Vertrieb ihrer Ernte vornehmlich auf Direktverkauf setzen, hat seinen Grund: «Wer im Geschäft mit dem Grosshandel dem Kostendruck standhalten will, muss zu oft seine Berufsehre verhöhnen. Da wollten wir nicht mitmachen», so Urs Altmann.
Die kunterbunte Ausnahme
Der Öffentlichkeit zugänglich ist der Hof indes nur an insgesamt zwei Tagen pro Jahr. Dann nämlich, wenn, wie am kommenden Wochenende, zum grossen Sommerfest geladen wird, die Blumen- und Hofboutiquen draussen und unter freiem Himmel aufgestellt sind. Das Fest ist eine Hommage an die Natur und ihre Herrlichkeiten, die sich jedes Jahr in neuem Kleid präsentiert. Mal sind es aus getrockneten Blüten gefertigte Desserts, aufgereiht zu einem Buffet, eingebettet in eine Szenerie unterschiedlich aufgedeckter Tische mit passender Blumendekoration, mal Kindheitserinnerungen weckende Blumenhüte und -accessoires im Stile Ernst Kreidolfs, die im Zentrum des Geschehens stehen. Heuer gehört der Fokus dem «möblierten Garten» – von Judica Altmann und ihren beiden «Flair-Teams» mit romantischer Floristik und verspielten Bepflanzungen für den besonderen Tag hergerichtet . (Der Bund)
Erstellt: 04.06.2010, 08:25 Uhr
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