Kommentar: Rückhalt ist da, jetzt braucht es Mut
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 16.05.2011
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Bern ist eine Kulturstadt. Gestern hat sie sich das Prädikat wahrlich verdient. Die Zustimmung zu den Kulturverträgen ist erstaunlich hoch. Man führe sich etwa vor Augen: Sogar Bümpliz/Bethlehem sagt Ja zur Dampfzentrale (wenn auch knapp), einem Haus notabene, das sperriges, avantgardistisches Nischenprogramm bietet. Dass Kultur gefördert gehört, auch jene, die nicht allen gefällt – das ist in Bern inzwischen offenbar breiter Konsens.
Das führt zur zweiten Feststellung: Dass erstmals einzeln über die Verträge der «grossen fünf» abgestimmt worden ist, war für jene ein Glücksfall, die sich am stärksten darüber beklagt hatten – für die Kulturinstitutionen nämlich. Offenbar war die Drohkulisse nötig. Im Vorfeld hat zumindest ansatzweise eine Debatte stattgefunden. Und es gab die Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Das wäre nicht geschehen, wäre wieder ein Gesamtpaket vorgelegt worden. Das fünffache Ja ist ein stärkeres Bekenntnis als das pauschale Abnicken früherer Jahre. Beachtlich auch: Die Einzelvorlagen wurden höher angenommen als vor vier Jahren das «Päckli». Damals lag die Zustimmung «nur» bei 69,5 Prozent.Jetzt, da Berns Kulturhäuser einen so starken Rückhalt haben wie nie zuvor, wird es Zeit für mutige Beiträge zur künftigen Kulturpolitik.
Jetzt braucht es Leute, die sich exponieren. Die kritischen Stimmen aus der Kulturszene haben sich zurückgehalten, um die Abstimmung nicht zu gefährden. Wohin soll das Konzert Theater Bern hinsteuern? Ist das altehrwürdige Stadttheater als Spielstätte noch funktional? Themen gibt es zur Genüge. (Der Bund)
Erstellt: 16.05.2011, 07:58 Uhr
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