Kommentar: Die Presse überzeugen statt disziplinieren
Von Artur K. Vogel. Aktualisiert am 23.02.2010
Ausser dem Initial des Vierbuchstaben-Titels hat der «Bund» mit dem «Blick» nichts gemein. Trotzdem ist er mit dem Boulevardblatt quasi in einen Topf geworfen worden, und das ausgerechnet von der Berner Regierung. Diese reichte beim Presserat Beschwerde ein und warf dem «Bund» vor, gegen Grundregeln der journalistischen Ethik verstossen zu haben.
Dass wir froh darüber sind, jetzt vom Presserat recht bekommen zu haben, versteht sich von selbst. Auch wenn der Entscheid jeweils keine unmittelbaren rechtlichen Folgen hat, ist eine gutgeheissene Beschwerde vor dieser journalistischen Aufsichtsinstanz doch nie ein Ruhmesblatt für eine Zeitung oder einen Journalisten.
Aber im Gegensatz zu privaten Bürgerinnen und Bürgern müssen Politikerinnen und Politiker – die sich ja bewusst in der Öffentlichkeit exponieren – akzeptieren, dass ihnen erhöhte Aufmerksamkeit zuteilwird. Zudem gelten in der Politik andere Spielregeln als im Privaten: Die Bandagen sind hart, die Auseinandersetzungen unerbittlich, die Waffen mitunter unfair. Wer sich entschliesst, in die Politik zu gehen, muss sich dessen bewusst sein; wer dies nicht verträgt, soll nicht in die Politik gehen.
Auch über die Rolle der Presse in einer freiheitlichen Gesellschaft sollten die Politiker sich im Klaren sein: Die Presse ist dazu da, Regierenden auf die Finger zu schauen und notfalls auf die Finger zu klopfen. Sie sieht sich als Wachhund, Advocatus Diaboli, selbst ernannte Aufsichtsinstanz; sie gebärdet sich bisweilen besserwisserisch und arrogant; sie neigt zu vorschnellen Schlüssen und voreiligen Urteilen.
Und doch gehört die Presse zur Demokratie wie Wahlen und Abstimmungen. Statt sie disziplinieren zu wollen, sollte man sie überzeugen – genau dasselbe Verfahren, das Politiker auch bei der Wählerschaft anwenden. (Der Bund)
Erstellt: 23.02.2010, 08:53 Uhr
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