Bern

Kino Kunstmuseum ist «akut gefährdet»

Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 20.12.2010

Das Kino Kunstmuseum steckt in einer desolaten Situation: Nach der Stadt, die ihre Subventionen um einen Drittel kürzen will, streicht nun auch das Kunstmuseum Bern seinen Beitrag ans Kinoprogramm.

Das Kino Kunstmuseum kämpft ums Überleben. (Adrian Moser)

Das Kino Kunstmuseum kämpft ums Überleben. (Adrian Moser)

Bleibt das Kino im Museum?

Die Situation für das Kino Kunstmuseum ist umso delikater, als unklar ist, ob und wie lange es noch im Kunstmuseum bleiben kann. Ausschlaggebend ist der geplante Umbau für die Abteilung Gegenwart. Immer deutlicher zeigt sich, dass das Kino an der Hodlerstrasse keine Zukunft hat. Im neuen Subventionsvertrag ist das Kunstmuseum vom bisherigen Kino-Auftrag befreit. «Wir sind das Opfer des Traumas, unter dem das Kunstmuseum durch das Scheitern seiner bisherigen Anbaupläne leidet», sagt Peter Erismann, Präsident des Trägervereins Cinéville. Heute wollen Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee informieren, wie die Kooperationsmodelle evaluiert werden sollen – der Kanton verlangt eine engere Zusammenarbeit der beiden Institutionen.

Podium zu den Programmkinos: 28. 2. um 18.30 Uhr im Kino Kunstmuseum.

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Peter Erismann, Präsident des Trägervereins Cinéville, und Rosa Maino, Leiterin des Kinos Kunstmuseum, sind konsterniert. Am Freitag teilte ihnen das Kunstmuseum Bern mit, dass «aus Spargründen» der jährliche Beitrag ans Kino von 20'000 Franken gestrichen werde. Mit diesem Betrag hat das Kunstmuseum bisher die ausstellungsbegleitenden Programme abgegolten. «Das zeigt das Desinteresse des Kunstmuseums am Kino mit aller Deutlichkeit», sagt Erismann. Noch gravierender sind die Kürzungen der städtischen Subventionen: In den neuen Kulturverträgen 2012 bis 2015 wird das Kino jährlich nur noch mit 120'000 statt wie bisher 170'000 Franken unterstützt. Damit fehlen jährlich insgesamt 70'000 Franken in der Kasse, ein massiver Betrag bei einem Budget von 430'000 Franken. Für Maino ist klar: «Ein Programm auf bisherigem Niveau ist nicht mehr möglich, unsere Existenz ist akut gefährdet.»

«Verraten und verschaukelt»

«Wir kommen uns verraten und verschaukelt vor», sagt Erismann. Er kritisiert nicht nur die Entscheide, er ist auch erschüttert über die Umgangsformen: «Die städtische Kultursekretärin Veronica Schaller und das Kunstmuseum Bern übten sich uns gegenüber in Nicht-Kommunikation.» Erismann wirft Schaller in einem Schreiben an den Kulturdachverband Bekult zudem vor, sie habe eine mündliche Abmachung nicht eingehalten. In dieser war eine abgefederte Kürzung der städtischen Subventionen (zwei Jahre 145'000 Franken, zwei Jahre 120'000 Franken) vorgesehen. Schaller weist diesen Vorwurf entschieden zurück: «Ich habe Verständnis dafür, dass sich das Kino Kunstmuseum wehrt, aber man sollte dabei fair bleiben. Wir haben in den Gesprächen mehrere Varianten geprüft, dabei aber keine Zusagen gemacht.» Maino vermisst bei Schaller ein inhaltliches Interesse und Visionen für die Rolle, die das Kino spielen könnte. «Das Kino ist mir generell sehr wichtig, aber in Bezug auf das Kino Kunstmuseum habe ich tatsächlich nicht dieselben Vorstellungen wie Maino», erwidert Schaller. Erismanns Ärger über die Kürzungen der städtischen Subventionen ist umso grösser, als das Kino Kunstmuseum – nebst der Tanzaktiven Plattform – der einzige Veranstalter ist, dem Gelder gestrichen werden. Insgesamt unterstützt die Stadt die Berner Kulturveranstalter in der neuen Subventionsperiode mit 112 Millionen Franken. Als einen «Affront» empfinden Erismann und Maino die Begründung des Gemeinderates. Dieser schrieb in seinem Vortrag an den Stadtrat, das Kino habe wegen der geplanten Abteilung Gegenwart in Zukunft keinen Platz mehr im Kunstmuseum und wenn doch, dann wäre ab 2016 der Kanton für dessen Subventionierung zuständig; der reduzierte städtische Beitrag genüge, damit das Kino sich neu positionieren oder seinen Betrieb einstellen könne.

Über 10'000 Eintritte

Erismann bezeichnet die Kürzung denn auch «als aktive Sterbehilfe». Sparmöglichkeiten sieht er kaum, ganz sicher keine Lösung sei es, die Zahl der Vorstellungen zu reduzieren: «Das ist ein Teufelskreis. Denn damit verlieren wir wiederum Einnahmen. Ein ausgedünntes Programm ist zudem alles andere als publikumsfreundlich.» Verschärft wird die Situation dadurch, dass in den letzten Jahren die Kosten für Filmkopien und Filmrechte deutlich gestiegen sind. Das fällt beim künstlerisch ambitionierten Programm des Kinos Kunstmuseum mit aufwendigen filmhistorischen Zyklen besonders ins Gewicht. Schaller wirft dem Kino weiter vor, es erreiche zu wenige Zuschauer, das Verhältnis von Subventionen und Eintritten stimme nicht. Dem widersprechen Erismann und Maino vehement. Mit über 10'000 Eintritten blicke das Kino auf eine erfolgreiche Spielzeit 2009/10 zurück, das Ergebnis lasse sich auch im Vergleich mit andern Programmkinos sehen. Über 50 Prozent seines Budgets erwirtschafte das Kino selber, «das ist im Vergleich mit andern Kulturinstitutionen überdurchschnittlich», so Erismann.Der Trägerverein Cinéville ist nun an mehreren Fronten aktiv. Einerseits will er mit politischem Druck die Subventionskürzung verhindern. «Wir werden versuchen, Stadträte für unser Anliegen zu gewinnen», so Erismann. Zugleich wird der Neustart des Kinos im Progr geprüft, wo Cinéville mit offenen Armen aufgenommen würde. Die Arbeit am Vorprojekt soll bis März abgeschlossen sein. Die Krux dabei: Es braucht Gelder für die Investitionen, zudem wird der Kinobetrieb wegen der Miete im Progr teurer. Noch intensiver als bisher schon sucht man private Geldquellen. Hoffnung gibt ein neuer Sponsoringvertrag mit der Berner Kantonalbank über 10'000 Franken.

Maino wünscht sich zudem eine grundsätzliche Diskussion in der Öffentlichkeit über die Stellung des Kinos in der Kulturpolitik. «Welches Programmkino will Bern?», fragt sie. «Wenn überhaupt?» Gerade in einer Zeit, da auch das Arthouse-Kino unter Druck gerate, sei ein Engagement der öffentlichen Hand wichtig: «Ohne Programmkinos stirbt die Filmkultur.» Die Stadt aber will die Verantwortung an den Kanton abgeben mit der Begründung, dieser sei auch bei der Filmförderung federführend. Wenigstens subsidiär sollte die Stadt das Kino weiterhin unterstützen, erwidert Maino, immerhin handle es sich dabei um einen Kulturveranstalter mit städtischem Profil. Für die Zukunft setzt Cinéville nun vor allem auf den Kanton. «Zur Filmförderung gehört auch die Filmvermittlung. Und da spielen wir, gerade auch für das bernische Schaffen, eine zentrale Rolle», sagt Erismann. Er habe den Eindruck, die Arbeit des Kinos Kunstmuseum werde vom Kanton viel mehr geschätzt als von der Stadt. (Der Bund)

Erstellt: 20.12.2010, 07:11 Uhr

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