Kinder hören klassische Musik
Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 12.03.2010
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Normalerweise spielt das mehrfach preisgekrönte Klassikensemble der Camerata Bern vor gehobenem Publikum und in grossen Konzertsälen. Gestern spielten die Profimusiker in Bern – in der Aula der Neuen Mittelschule (NMS). Rund 200 Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zur 9. Klasse durften den Meistern bei der Arbeit zuschauen.
«Wovon seid ihr Fan?», fragt Moderatorin Fränzi Frick in die gut gefüllte Aula. Ein gutes Dutzend der jungen Zuschauer streckt die Hände in die Luft. «Hannah Montana», antwortet eine Schülerin, «Bushido», ruft ein Schüler. Auch einige YB-Fans sitzen im Publikum. Klassische Musik sei durchaus vergleichbar mit einem Fussballmatch, sagt Frick. Das Wort Konzert stamme aus dem Griechischen und bedeute Wettkampf: «Der Kontrabass ist der Torwart, die Celli bilden die Verteidigung, die Bratschen das Mittelfeld, die Violinen den Sturm und die erste Geige ist Captain des Teams.» Und wenn sich die einzelnen Bestandteile gegenseitig den Ball zuspielen, nenne man das eine Fuge. Das Ensemble stimmt ein Concerto grosso von Vivaldi an, um zu zeigen, was die Moderatorin damit meint.
Kultur als Lebensschule
Der Auftritt der Camerata Bern ist Teil der Konzertreihe «KONZERTiert euch, Kinder!», die zum Projekt Bildung und Kultur der kantonalen Erziehungsdirektion (ERZ) gehört. Ziel des Projekts ist es, die Schule für die Kultur und die Kultur für die Schule zu öffnen. Susan Herion, Projektleiterin bei der ERZ, sieht in der Förderung musischer Fähigkeiten ein zentrales Element der Persönlichkeitsbildung. Es sei von erstrangiger Bedeutung, sich einer Gruppe und einem gemeinsamen Ziel unterordnen zu können, ohne seine Individualität aufzugeben. Der kreative Prozess biete zudem die Gelegenheit, sich neue Ausdrucksformen anzueignen. Kultur könne insofern auch soziale Kompetenzen stärken, die in einer Schulklasse, im Beruf und ganz allgemein im Leben von grossem Nutzen seien.
Junge Menschen kämen kaum von selbst auf die Idee, klassische Musik zu hören, sagt Louis Dupras, Geschäftsführer der Camerata. Die Unterhaltungsindustrie gefährde die breite Vielfalt der Kultur und mache insbesondere junge Menschen zu blossen Konsumenten. Er betrachte das Projekt als Chance, die Kultur aktiv zu den Menschen zu bringen und diese für die Vielfalt zu sensibilisieren. Über 100 Schulen hätten Interesse an der Konzertreihe bekundet, vorerst können aber nur deren 12 bespielt werden. Dupras zeigt sich aber optimistisch, dass das Projekt 2011 weitergeführt wird.
Den Schülern habe das Konzert gefallen, sagt Joy Krippendorf, Primarlehrerin an der NMS. In der Klasse hatte sie fünf Wochen lang Instrumente und Hintergründe der klassischen Musik behandelt. In der Nachbesprechung habe es kaum negative Stimmen gegeben. Einige hätten sich etwas über die Moderatorin genervt und lieber mehr Musik gehört. Nur ums «Pläuschle» sei es nicht gegangen, sagt Krippendorf: «Der Stoff wird demnächst geprüft.» (Der Bund)
Erstellt: 12.03.2010, 07:57 Uhr
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