Killerspiel-Gegner Roland Näf im Verein mit dubiosen Figuren
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 22.03.2010
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Brenzlige Situation für den wohl bekanntesten Kämpfer gegen Killerspiele: Roland Näf, Grossrat, Vizepräsident der bernischen SP und Schulleiter aus Muri, wird in Verbindung gebracht mit ehemaligen Mitgliedern des Vereins zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Dem 2002 aufgelösten Verein, der vorwiegend aus Lehrern und Psychologen bestand, wurde nachgesagt, über sektenähnliche Strukturen zu verfügen und ein rechtskonservatives Gesellschaftsmodell zu propagieren. Nicht von ungefähr wurde der VPM da und dort als «Lehrersekte» bezeichnet. Ehemalige VPM-Mitglieder sind auch heute noch aktiv und haben sich, unter anderem, dem Kampf gegen gewalttätige Videospiele verschrieben.
Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, sind einige VPM-Ehemalige auch in der Vereinigung gegen mediale Gewalt (VPMG) aktiv. Kopräsident dieser Vereinigung ist – Näf. Dieser reitet derzeit auf einer Erfolgswelle. Sein Engagement findet zunehmend Unterstützung. Eben erst hat der Ständerat beschlossen, gewaltverherrlichende Computerspiele zu verbieten («Bund» von gestern»).
Näf distanziert sich vom VPM
Näf sagte auf Anfrage, er habe nicht gewusst, dass in seiner Vereinigung ehemalige VPM-Leute tätig seien. Diese gehören sogar zu den Gründungsmitgliedern. Wäre es ihm bekannt gewesen, hätte er versucht, die Mitgliedschaften zu verhindern. Aber in einem Verein gebe es keine Gewissensprüfungen.
Näf ging gestern auf Distanz zum VPM-Gedankengut. Als linker Politiker stehe er komplett an einem anderen Ort. In der Vereinigung seien all jene willkommen, die «in unserem Sinn» gegen mediale Gewalt kämpfen wollten. Wenn aber rechtsextreme Gesinnungen im Spiel seien, werde dieser Rahmen gesprengt. Er werde sich auf seiner Webseite «klar vom VPM distanzieren», sagte Näf. Über andere Möglichkeiten verfüge er kaum.
Bereits im letzten August hatte Roland Näf in der Wochenzeitung «Zeit-Fragen» einen Artikel über ein Tötungsdelikt im Muotatal publiziert; ein 15-Jähriger hatte seinen Stiefbruder und seine Stiefmutter umgebracht. In seinem Beitrag schrieb Näf, seine Analyse zeige «plausibel auf, dass der Konsum von Gewaltdarstellungen eine bedeutsame Rolle spielt». Was Näf nicht gewusst haben will: dass diese Zeitung das Sprachrohr des VPM war und nach wie vor von früheren Anhängern produziert wird. Wer sich in der heutigen Zeit nicht informiere, für welche Publikationen er schreibe, sei entweder narzisstisch veranlagt oder naiv, sagte der als Sektenkenner bekannte Journalist Hugo Stamm, der den «Tages-Anzeiger»-Artikel verfasst hatte, gestern dem «Bund».
Näf weist solche Vorwürfe zurück. Er habe den Text nicht für die betreffende Zeitung geschrieben. Der Beitrag sei bereits auf seiner Homepage veröffentlicht gewesen, als er eine telefonische Anfrage für eine Zweitverwertung erhalten habe. Dagegen habe er nichts einzuwenden gehabt, zumal die Quelle sauber genannt worden sei.
Immer wieder Stellungnahmen
In seinem Bestreben, Killerspiele zu verbieten, hat Näf in den letzten Jahren dann und wann doch etwas verbissen gewirkt, um nicht zu sagen missionarisch. Gibt es also doch gewisse Parallelen zwischen seinem «Weltbild» und jenem der VPM-Anhänger, die solche Spiele auch einfach verbieten möchten? Dass extreme Dinge verboten werden, «das haben wir schon heute, das ist alles andere als autoritär», entgegnete Näf. Und falsch sei es ebenso, seine Tätigkeit als missionarisch zu bezeichnen. Als Grossrat – «der mit den meisten Vorstössen» – sei er in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig. Und sobald ein Politiker bei einem bestimmten Thema eine Leaderfunktion wahrnehme, werde er von den Medien immer wieder um Stellungnahmen gebeten – in seinem Fall «manchmal schon fünf Minuten nach einem Vorfall». (Der Bund)
Erstellt: 22.03.2010, 14:43 Uhr
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